VG-Wort Pixel

Fitness Fitness für Faule


Das Sportstudio "Bauchladen" verspricht, mit viel Technik und wenig Mühe Pfunde zu verbrennen. Ein Berliner Radiomoderator wagte den Selbstversuch.

Mein Spiegel sagt, dass ich zu dick bin. Meine Freundin Ute findet, dass es jetzt genug sei. Mit dem Fressen zum Beispiel. Ich bilde mir ein, dass ich mein Fett auch mit viel Bewegung wegkriege, melde mich im Fitnessclub an, tappe jedoch in die Wie-motiviere-ich-mich-länger-als-drei-Wochen-Falle. Ich zahle für ein Jahr und gehe nicht mehr hin.

Im "Bauchladen" gibt es Zehnerkarten fürs Training. Die sind teuer (ab 13,90 Euro je 30 Minuten), aber sie verfallen nicht. Im "Bauchladen" stehen Geräte, die mir Trainingsarbeit abnehmen, Zeit sparen, die Gelenke schonen und - verheißt der Prospekt - meinen Körper so formen, wie ich das will. Fitness für Faule also. Dererste "Bauchladen" steht in Berlin, demnächst sollen Hamburg, Köln, München und Wien folgen. Die zwei Geräte, aus denen der Laden im Wesentlichen besteht, sehen aus, als seien sie gebaut worden, um Schulschwänzern Angst einzujagen: der Vacunaut und der Bodytransformer.

Der Bodytransformer

stimuliert die Muskeln mit Stromstößen. Elektroden sind an Armen, Beinen, dem Rücken und an den Schultern angebracht. Darunter sitzt ein fürchterlich enger Baumwollanzug. Für die Leitfähigkeit wird er unter den Elektroden mit warmem Wasser benetzt, was zu Harndrang führt. Das Personal schließt die Kabel an ein Gerät an, das aussieht wie die Steuerung einer Modelleisenbahn. Es dient dazu, die Stromstärke der Elektroden zu regulieren.

Eine Trainingseinheit dauert 30 Minuten. Alle fünf Sekunden erhalte ich für je drei Sekunden einen Impuls in der Stärke meiner Wahl. Um nicht jedes Mal von den Füßen gerissen zu werden, wenn der Strom kommt, soll ich meine Muskeln zum Zeitpunkt des Impulses anspannen. Insgesamt spannen sich meine Muskeln 225-mal pro Training an - mit einer Ha ntel schaffe ich das nie.

Schon nach dem ersten Besuch

fühlen sich meine Muskeln so viel fester an, dass ich erwäge, Gouverneur von Kalifornien zu werden. Eine Wundermaschine ist der Bodytransformer leider trotzdem nicht. Um viel Muskelmasse aufzubauen, ist wie beim herkömmlichen Training viel Zeit und Disziplin erforderlich. Der Apparat sorgt aber dafür, dass ich mich viel besser fühle - er hat meine Rückenschmerzen faktisch "ausgeknipst" und hilft angeblich auch gegen (Achtung!) Inkontinenz. Das bestätigen sogar Studien der Universität Bayreuth.

Der Vacunaut ist bisher von keiner Universität geprüft worden. Er soll dafür sorgen, dass Fett schneller abgebaut wird. Zu diesem Zweck zwänge ich mich mit Hilfe allen vorhandenen Personals in einen extrem engen Neopren-Anzug, aus dem die Luft herausgesogen und der dann mit lauter Schläuchen gespickt wird. Ich sehe aus wie der Typ in "Matrix", nachdem er die rote Pille genommen hat.

Der Anzug hat kleine Luftkissen an Bauch und Hüfte, die, während ich auf einer Ellipsenlaufmaschine entspannt meine Runden drehe, auf- und abgepumpt werden. Das soll die Durchblutung des Gewebes erhöhen und dafür sorgen, dass gerade da, wo ich zu viel habe, auch viel verschwindet. Mir fällt ein, dass kürzlich einer im Neopren-Anzug joggen gegangen ist, um Gewicht zu verlieren. Stattdessen hat er sein Leben verloren, und ich werde nervös. Wie auf Bestellung bekomme ich Wasser, Wasser und nochmals Wasser und einen Rüffel, weil ich nicht genug trinke und meine Herzfrequenz zu hoch sei.

Nach 30 Minuten ist das Training nicht wirklich vorbei. Für ein optimales Ergebnis ist es nötig, sechs bis acht Stunden nach dem Training nichts zu essen und falls doch, dann bitte schön eiweißhaltige Nahrung. Einen Erfolg habe ich nicht feststellen können, da die Motivationsfalle doch zugeschnappt ist. Andere Besucher des "Bauchladens" hatten angeblich nach zehn Besuchen sechs bis acht Zentimeter weniger Bauchumfang. Ich kaufe mir zum Abspecken ein Fahrrad, die sind im Winter schön billig.

Mehr zum Thema Fitness auch bei unserem Partner shape.de

Holger Klein print

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker