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Haustier und Herrchen: Sechs Beine vor dem Traualtar

David "Big Dave" Sanderson hat vor kurzem seine große Liebe geheiratet. Sie hat dunkle Knopfaugen, vier dicht behaarte Beine, heißt Mickey - und ist ein Hund. Im US-Bundesstaat Maryland können Herrchen und Frauchen mit ihren Lieben den Bund fürs Leben schließen.

Buntes Konfetti, künstliche Rosen und blinkende Lichterketten bildeten im Musikclub "Ottobar" in Baltimore (US-Bundesstaat Maryland) die Kulisse für die skurrile Hochzeitszeremonie, bei der neben Sanderson sieben andere Haustierbesitzer ihre vierbeinigen (in einem Fall achtbeinigen) Lieblinge vor den "Traualtar" führten.

Mit Sodomie nichts zu tun

Es hatte als Schnapsidee begonnen und wurde schließlich zur hollywoodreifen Aufführung. Aber das absurde Spektakel warf auch ein Schlaglicht auf Probleme und Konflikte in den USA - wie die wachsende Vereinsamung in einer Single-Gesellschaft, die maßlose Verhätschelung von Haustieren oder auch die Frage über gesellschaftlich verbindliche Werte und Rechte von Minderheiten.

Sanderson selbst spannte den Bogen zur aktuellen und erbittert geführten Debatte über die Homo-Ehe. Jeder sollte heiraten dürfen, wen er halt liebe, argumentierte der schwergewichtige, etwa 40 Jahre alte Mann, der im Schottenrock zu seiner animalischen Eheschließung erschienen war. "Ich war drei Mal verheiratet, aber niemand steht mir eigentlich näher als mein Hund." Mit Sodomie hätte dies aber überhaupt nichts zu tun.

Wenn Homo-Ehe, dann auch Tier-Ehe

Ganz anders sieht das natürlich die religiös-konservative Rechte in den USA, die seit langem gegen die Homo-Ehe kämpft und der erst recht eine Verbindung zwischen Mensch und Tier ein Dorn im Auge ist. Die Homo-Ehe öffne Tür und Tor für alle möglichen Formen von "Ehen", so die populären TV-Prediger Jerry Falwell oder Pat Robertson. Die skurrile Szenerie in Baltimore belegt für sie wohl die Horrorvision einer aus den Fugen geratenen Gesellschaft ohne gemeinsame Werte, die niemandem mehr, vor allem nicht Kindern und Jugendlichen, Halt und Orientierung bieten könne. "Wenn wir gleichgeschlechtliche Ehen zulassen, was kommt als nächstes? Sollen wir denen, die ihre Tiere lieben, erlauben, sie zu heiraten?", wetterte schon 2003 der Justizminister Nebraskas, Jon Bruning.

Nun wurde sein Albtraum fast Wirklichkeit, wenngleich der arten- fremde Treueschwur vor dem Gesetz keinerlei Gültigkeit hat. Drei Hunde, zwei Katzen, eine Tarantel und eine Schildkröte wurden in der "Ottobar" mit ihren Herrchen und Frauchen vermählt. Der glückliche Gatte der Promenadenmischung Mickey gab jedoch zu, dass seiner schwanzwedelnden "Braut" ein Ja, nicht mal in vage gebellter Form, zu entlocken gewesen sei. Beatles-Aufnahmen, gebellt von Hunden, bildeten den akustischen Rahmen, als die "Ehepaare" im Schlepptau eines Blumenmädchens vor Barbesitzer Mike Bowen traten. Er war zuvor übers Internet von der "Universal Life Church" zum "Priester" ernannt worden. "Es war rührend, wie eng die Leute mit ihren Tieren verbunden sind", meinte etwas melodramatisch der Tresenchef, gekleidet in schwarzer Robe und mit langem, weißen Schal.

Ursprünglich sollte es bloß eine spaßige Hochzeitsfeier für eine Bekannte sein, die nicht aufhören wollte, in höchsten Tönen von ihrer Katze "Emilio" zu schwärmen. Als das bekannt wurde, fanden sich plötzlich immer mehr, die ihre tierischen Lebenspartner ehelichen wollten. So auch Fionnuala Fox, die frisch von ihrem (zweibeinigen) Freund getrennt, im weißen Brautkleid Chihuahua "Chachi" ewige Treue schwor. "Das hier ist meine Chance, wenigstens einmal im Leben zu heiraten", meinte sie sichtlich verbittert. Geoff Danek ehelichte - gekleidet in einen hautengen Tauchanzug und mit Taucherbrille - seine Schildkröte "Randy". "Wir sind schon zusammen durch Himmel und Hölle gegangen", begründete er seine Entscheidung für die Kröte.

Henriette Preiß/DPA / DPA