Nasa Seebeben beschleunigt Erdumdrehung

Eigentlich ist es ziemlich schwierig, den Globus ins Wackeln zu bringen. Doch das schwere Beben vor der Küste Sumatras hat nicht nur die tektonischen Platten verschoben, sondern vermutlich auch die Erdrotation beschleunigt.

Im Jet Propulsion Laboratory der Nasa im kalifornischen Pasadena stellten US-Forscher die Theorie auf, durch das gewaltige Beben der Stärke Neun am Sonntag könne sich möglicherweise dauerhaft die Erdrotation beschleunigt haben. Auf Grund der bei dem Beben bewegten Erdmasse komme man rechnerisch auf einen Wert von drei Microsekunden (=drei Millionstel Sekunden), um die sich die Erde nach der Katastrophe nun schneller drehen könnte. Die Veränderung sei aber wahrscheinlich zu klein, um sie zu messen. Erst Veränderungen ab 20 Mikrosekunden seien zu erfassen.

Außerdem habe die Erdachse bei dem Beben womöglich einen kleinen Schlag abbekommen, nämlich um rund 2,5 Zentimeter, sagte Richard Gross, Geophysiker des Instituts. Da allerdings die Erdpole ohnehin eine variable Kreisbahn von rund zehn Metern zögen, fielen diese 2,5 Zentimeter auch nicht weiter ins Gewicht. Gravierende Folgen habe das jedenfalls nicht, weil das Seebeben nahe des Äquators aufgetreten sei. Die Folgen wären größer gewesen, wenn sich die Kontinentalplatten etwa auf der Höhe des 45. Breitengrades verlagert hätten. "Es ist ziemlich schwierig, den Globus echt ins Wackeln zu bringen", sagte dazu der Seismologe Hiroo Kanamori.

Tektonische Platten um 30 Meter verschoben

Das schwere Erdbeben vor der Küste von Sumatra hat die tektonischen Platten unter dem Indischen Ozean um rund 30 Meter verschoben. Wissenschaftler vom US Geological Survey teilten mit, die in Pasadena in Kalifornien von ihnen ausgewerteten Satelliten- Aufnahmen zeigten, dass sich nach der Verschiebung der Erdplatten vor der Nordspitze Sumatras die Inselgruppe der Nikobaren und die Simeulue-Insel um eine bestimmte Strecke in Richtung Meer bewegt hätten. Genaue Angaben über die Verlagerung ließen sich aber erst nach weiteren Messungen mit GPRS-Systemen vor Ort sagen, teilte der USGS-Geologe Ken Hudnut mit.

In Pasadena wurde am Dienstag noch an Hand von Satellitenfotos untersucht, ob durch das Übereinanderschrammen der Erdplatten eventuell jetzt die Hafen-Zufahrt von Banda Aceh in Sumatra durch aufgeworfenen Schotter versperrt sei. Ähnliche Probleme hatte es nach den schweren Erdbeben in Kobe (Japan) und Golcuk (Türkei) gegeben. Die Wissenschaftler hoffen auf hoch auflösende Bilder der Betreiber kommerzieller Satelliten, um über die Folgen der Beben- und Flutwellenkatastrophe Näheres zu erfahren.

DPA/Reuters DPA Reuters

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