Psychologie Guter Ruf zahlt sich aus


Wer sich selbstlos gibt, sollte dafür sorgen, dass alle anderen das merken. Diese Regel stammt nicht von Stars, die bei Benefiz-Veranstaltungen auftreten, sondern von Sozialpsychologen. Denn selbst wer nur nett ist, um das eigene Image zu verbessern, dient am Ende trotzdem allen. Wie das möglich ist, erklärt jetzt eine niederländische Studie.
Von Frank Ochmann

Wenn Barack Obama mit großer öffentlicher Geste für Wahlkampfschulden seiner unterlegenen Rivalin Hillary Clinton aufkommt oder Sänger gratis zum 90. Geburtstag von Nelson Mandela zugunsten seiner Anti-Aids-Aktion auf die Bühne gehen, zeigen sie im Blitzlichtgewitter allesamt, wieviel sie zumindest intuitiv von den Erkenntnissen moderner Sozialpsychologie verstanden haben: Das Wichtigste an der Selbstlosigkeit ist danach nämlich, dass möglichst alle anderen sie mitbekommen

Das ist nicht einmal zynisch gemeint. Denn was schon früher Studien angedeutet haben, konnten jetzt Experimente des niederländischen Psychologen Rob Nelissen von der Universität Tilburg belegen: Demonstrationen von Gemeinschaftsgeist und Gerechtigkeitssinn - egal welcher Gesinnung sie tatsächlich entstammen - werden von Beobachtern nicht nur als wichtig wahrgenommen, sondern auch entsprechend honoriert. Und das zum Wohle aller, schreibt Rob Nelissen im Fachblatt "Evolution and Human Behavior".

Wer ist fair und wer gierig?

Mit einigen Euros als Startkapital für einen Spieler, die er anschließend "fair" mit einem anderen teilen soll, haben die Wissenschaftler eine Situation im Labor erzeugt, in der Gerechtigkeit messbar wird. Wer sich bei solchen Verteilungsspielen offen als Gierhals präsentierte, musste damit rechnen, von einem weiteren Spieler in einer Richterposition durch Abzug von ein paar Euros bestraft zu werden. Die Regeln sahen allerdings vor, dass die Verurteilung auch für den Richter nicht kostenlos war: Je härter er urteilte, desto teurer wurde es auch für ihn selbst. So konnten die Richter wählen, welchem Kriterium sie bei ihren Entscheidungen besonderes Gewicht geben wollten: der Gerechtigkeit für andere oder dem eigenen Geldbeutel. Wie sich zeigte, hatte das Folgen für ihr eigenes Ansehen.

Die Probanden bekamen Informationen darüber, wie sich die ansonsten völlig unbekannten anderen Spieler zuvor als Richter verhalten hatten. Mit diesem Wissen sollten sie sich anschließend entscheiden, mit wem sie spielen wollten. Es zeigte sich, dass klar diejenigen bevorzugt wurden, die sich durch einen besonders starken Gerechtigkeitssinn hervorgetan hatten. Diesen strengen Richtern schenkten die Probanden im Spiel auch einen besonders großen Vertrauensvorschuss. Halbherzige oder zu Gnädige dagegen kamen nicht zum Zuge: Wer unfaires Verhalten anderer nur mit geringem eigenen Einsatz und darum mild gestraft hatte, wurde später genauso links liegen gelassen wie diejenigen, die bei anderen Spielern alles hatten durchgehen lassen.

Gerechtigkeit schafft Vertrauen

Natürlich sind diese Resultate in einer konstruierten Laborsituation gewonnen worden. Sie passen aber zu einer Vielzahl ähnlicher Untersuchungen der vergangenen Jahre, bei denen sich zeigte, wie sehr altruistisches, also in erster Linie anderen dienendes Verhalten dem Glanz des eigenen Rufes dient - und wie sich das anschließend eben auch in barer Münze auszahlen kann. Ein wichtiger Nebeneffekt: Ausgeübte oder auch nur per Strafe eingeforderte Gerechtigkeit erhöht offenbar das Vertrauenspotenzial einer Gemeinschaft insgesamt. Darum aber haben am Ende alle etwas von dem Rat: Tu' Gutes und rede darüber!


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