VG-Wort Pixel

Oppositionschefin Nancy Pelosi Donald Trump spricht zur Nation – und die Frau hinter ihm redet ohne Worte mit

Nancy Pelosi scheint mit ihrem Applaus, Trump bei seiner Rede zur Lage der Nation zu verspotten
Donald Trumps Rede zur Lage der Nation dauert knapp 80 Minuten. Doch Nancy Pelosi stiehlt ihm innerhalb weniger Sekunden die Show.


Die Sprecherin des Repräsentantenhauses klatscht direkt ins Gesicht des US-Präsidenten – und sorgt damit für einen viralen Moment.


 "We must reject the politics of revenge, resistance and retribution and embrace the boundless potential of cooperation, compromise, and the common good."
"Wir müssen die Politik der Rache, des Widerstands und der Vergeltung zurückweisen und das grenzenlose Potential der Zusammenarbeit, des Kompromisses und Gemeinwohls ergreifen."


Im Netz wird die 78-Jährige für ihre Geste gefeiert:


"Glückwunsch, Sprecherin Pelosi, zur Erfindung des "Fuck you" Klatschens."


"Nancy Pelosi ist mein alles."


"Das ist es. Dies ist das Foto des Jahrhunderts. Nancy Pelosi gewinnt."


"Hier ist der Applaus, den Sie so unbedingt brauchen, Schatz."


"Wenn ich meiner Frau erzähle, dass ich einen Windelwechsel geschafft habe."


"Der beste Moment der Rede zur Lage der Nation war, als Nancy Pelosi Trump mit einem Applaus fertig gemacht hat. Es ist ihr Haus, und Trump ist ein unerwünschter Gast."


Ob Pelosi Trump absichtlich verspotten will oder dem Präsidenten tatsächlich seinen Ruf nach Zusammenarbeit zustimmt, ist nicht bekannt.
Mehr
Während der Rede von Donald Trump zur Lage der Nation lag das Augenmerk der Öffentlichkeit nicht nur auf dem US-Präsidenten, sondern auch auf seiner Rivalin Nancy Pelosi. Die Oppositionschefin saß direkt hinter ihm - und lieferte.

Der Auftritt von Donald Trump im US-Kongress hat eindrucksvoll die veränderte politische Machtverteilung in den USA illustriert. Denn Trumps schärfste Rivalin, die Oppositionschefin Nancy Pelosi, saß bei der Rede zur Lage der Nation auf ihrem neuen Platz als Vorsitzende des Repräsentantenhauses direkt hinter dem Rednerpult - und dem US-Präsidenten damit buchstäblich im Nacken.

Während Trumps Rede waren die Kameras immer wieder indirekt oder sogar direkt auf "Madame Speaker" gerichtet, so dass die US-Öffentlichkeit Pelosis Reaktionen auf dessen Aussagen genau verfolgen konnte. Und die Demokratin aus San Francisco lieferte den Zuschauern eine ausdrucksstarke Hintergrundshow zur Ansprache des Präsidenten.

Donald Trump und Nancy Pelosi reichen sich die Hände

Pelosi war zu der Veranstaltung in einem weißen Hosenanzug erschienen und schloss sich damit Dutzenden weiblichen Abgeordneten der demokratischen Partei an, die in Anlehnung an die Suffragetten-Bewegung Anfang des 20. Jahrhunderts, als Frauen für ihr Wahlrecht demonstrierten, ebenfalls weiß trugen. Als Trump den Saal betrat, erhob sich die 78-Jährige von ihrem Platz und applaudierte höflich. Vor seiner Rede reichte der Präsident seiner Gegenspielerin eine dunkelblaue Mappe mit einer Kopie seines Manuskriptes und die beiden gaben sich die Hand.

Trumps Rede dauerte mehr als 80 Minuten. In dieser Zeit lächelte Pelosi meist höflich und respektvoll. Doch es gab auch Momente, in denen sie sich keine Mühe gab, ihren Unmut oder ihre Irritation zu verbergen. Mehrmals schien die Oppositionschefin zu grinsen, zu kichern, den Kopf zu schütteln oder die Augen zu rollen. Als Trump verkündete, er werde dafür sorgen, dass an der Grenze zu Mexiko eine Mauer gebaut werde, und der neben ihr sitzende Vizepräsident Mike Pence das beklatschte, kommentierte Pelosi die Ankündigung mit einem gequälten Lächeln und sah in Richtung der ebenso unbeweglichen Demokraten zu ihrer Rechten.

Verzog bei der Rede von Donald Trump so manches Mal den Mund: Nancy Pelosi
Verzog bei der Rede von Donald Trump so manches Mal den Mund: die demokratische Vorsitzende des Repräsentantenhauses, "Madame Speaker" Nancy Pelosi.
© Jim Watson / AFP

Und als der Präsident die Untersuchungen in der Russland-Affäre kritisierte, seufzte Pelosi, schürzte ihre Lippen und legte einen eisigen Blick auf. Außerdem widersprach sie Trump quasi in Echtzeit über einen ihrer Twitter-Accounts: Der Kongress habe "die Verantwortung, die Aufsicht über die anderen Regierungsbereiche auszuüben", erwiderte sie. "Wir würden unsere Pflichten nicht erfüllen, wenn wir nicht die notwendige Aufsichtspflicht wahrnehmen würden."

Pelosis mehr oder weniger subtile Zeichen von Missbilligung standen in krassem Gegensatz zu Vizepräsident Pence, der von Demokraten oft wegen seiner schwärmerischen Art, Trump anzusehen, verspottet wird.

Pelosi liefert "kultigsten Moment der Nacht"

Gleichzeitig sorgte Pelosi jedoch dafür, dass die Demokraten bei der Zurschaustellung ihrer Ablehnung des Präsidenten nicht zu weit gingen. Als Trumps Aussagen zur illegalen Einwanderung von der Opposition mit lautem Stöhnen quittiert wurden, hob die Fraktionschefin mindestens zweimal ihre Hand an, um die Abgeordneten zu beruhigen.

Am bemerkenswertesten aber war Pelosis Reaktion auf Trumps Plädoyer für Einigkeit und ein Überwinden der Politik der "Rache" und "Vergeltung", das in direktem Widerspruch zu seiner eigenen langen Geschichte von Twitter-Beleidigungen zu stehen schien. Pelosi erhob sich von ihrem Sitz und zollte dem Präsidenten so demonstrativ Applaus, dass die "Huffington Post" vom "kultigsten Moment der Nacht" sprach und auf Twitter ein Meme daraus wurde.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker