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Streit in der Parteispitze: AfD-Chef Lucke droht mit Austritt - Petry stellt ihm Ultimatum

Die Umfragewerte in der AfD sind schlecht, die Stimmung auch. Parteigründer Bernd Lucke will so nicht mehr weitermachen und plant einen Befreiungsschlag. Seine Rivalin ist sauer.

Der Vorsitzende der Partei Alternative für Deutschland, Bernd Lucke, will herausfinden, wie groß sein Rückhalt in der Partei ist

Der Vorsitzende der Partei Alternative für Deutschland, Bernd Lucke, will herausfinden, wie groß sein Rückhalt in der Partei ist

Der Führungsstreit in der Alternative für Deutschland spitzt sich nach wochenlangen Querelen zu: Während Bernd Lucke einen Befreiungsschlag vorbereitet, forderte seine Rivalin Frauke Petry den AfD-Chef ultimativ auf, sich von einer Parteineugründung zu distanzieren.

Lucke will diese Woche mit einem "Weckruf" an die Mitglieder versuchen, den rechten Flügel der Partei zu isolieren, wie am Montag aus Parteikreisen bekannt wurde. Sollte ihm dies nicht gelingen, will der AfD-Gründer nach dem Bundesparteitag Mitte Juni in Kassel gemeinsam mit anderen Vertretern des liberal-bürgerlichen Flügels aus der Alternative für Deutschland austreten.

In einem der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Schreiben von Lucke und vier weiteren Abgeordneten des Europaparlaments werden alle Anhänger des wirtschaftsliberalen Kurses aufgefordert, der Initiative "Weckruf 2015" beizutreten. Die Unterzeichner, darunter auch der zurückgetretene Parteivize Hans-Olaf Henkel, appellieren an die Gegner des nationalkonservativen Flügels: "Treten Sie nicht aus, sondern schließen Sie sich unserer Initiative an." Man wolle abgestimmt innerhalb der AfD vorgehen.

Mit Blick auf die Vorstandswahlen kommenden Monat heißt es weiter: "Vor einer Entscheidung sollten wir abwarten, welche Weichen auf dem Bundesparteitag am 13. Juni gestellt werden."

"Auch wir sehen für uns keine Zukunft in der AfD, wenn die Partei nicht entschieden denjenigen Einhalt gebietet, die pöbelnd Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollen oder an den politischen Rändern unserer Gesellschaft hausieren gehen", heißt es in dem Aufruf. Lucke wirft dem nationalkonservativen Flügel unter anderem vor, sich nicht eindeutig von der rechtsextremen NPD abzugrenzen. Die Vorstandswahl beim Parteitag hat er zur Richtungsentscheidung erklärt.

"Heute noch Parteineugründung ausschließen!"

AfD-Co-Chefin Petry stellte ihrem innerparteilichen Gegner derweil ein Ultimatum: Berichte über eine mögliche Parteineugründung durch Lucke seien schädlich und bedrohten die Einheit der AfD, sagte sie am Montag. "Ich bitte ihn daher, umgehend und heute noch auszuschließen, dass die Neugründung einer Partei oder Vereinigung geplant ist." Für sie sei es unvorstellbar, dass Lucke die AfD beschädigen wolle. Die Mitglieder der Alternative für Deutschland sehnten eine Einigung seitens der Bundesspitze herbei. Dafür wollten sie und die große Mehrheit der Partei weiter kämpfen.

Eine ursprünglich für diesen Dienstag in Straßburg geplante Pressekonferenz hat Lucke abgesagt. Stattdessen luden er und seine Mitstreiter Journalisten für Dienstag dort zu einem Hintergrundgespräch ein.

Petry ist zurzeit Luckes wichtigste Gegenspielerin. Die Chefin des sächsischen Landesverbandes zeigt mehr Verständnis als er für "Wutbürger" und rechtsnationale Kräfte in der Partei. Lucke soll Petry für diesen Montag zu einer Aussprache in Frankfurt am Main eingeladen haben. Das Treffen kam aber dem Vernehmen nach nicht zustande, weil Petry den Vorsitzenden des AfD-Landesverbandes in Nordrhein-Westfalen, Marcus Pretzell, dabei haben wollte. Pretzell zählt zu Luckes größten Kritikern.

Dem Lager der Lucke-Anhänger gehören unter anderem der Vorsitzende des AfD-Landesverbandes in Baden-Württemberg, Bernd Kölmel, und der ehemalige Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Hans-Olaf Henkel, an.

mad/mka/DPA/Reuters / DPA / Reuters