HOME

AfD vor der Spaltung: Lucke gibt zu: Grundvorstellungen sind unvereinbar

AfD-Chef Bernd Lucke will im Flügelstreit eine Entscheidung erzwingen. Eine Trennung der radikalen und bürgerlichen Kräfte ist für ihn unumgänglich. Auch einen Parteiaustritt dementiert Lucke.

AfD-Parteichef Bernd Lucke hat angebliche Pläne für seinen AfD-Parteiaustritt dementiert

AfD-Parteichef Bernd Lucke hat angebliche Pläne für seinen AfD-Parteiaustritt dementiert

Der Bundesvorsitzende der AfD, Bernd Lucke, hält einen Bruch zwischen den radikalen und den bürgerlichen Kräften seiner Partei für unausweichlich. "Ich glaube nicht, dass Appelle zur Geschlossenheit hier weiterhelfen. Die Grundvorstellungen dieser beiden Gruppen sind unvereinbar", schrieb Lucke in einer E-Mail, die am Montag an alle Mitglieder der Alternative für Deutschland ging.

Der Co-Vorsitzende Konrad Adam hatte am Sonntag erklärt, Lucke plane, die zu AfD verlassen und eine neue Partei zu gründen. Lucke wollte dies öffentlich nicht kommentieren. Den Mitgliedern teilte er mit: "An diesem Gerücht ist lediglich wahr, dass ich mir große Sorgen um die AfD mache."

In der Mail griff Lucke auch Partei-Co-Chef Konrad Adam an, den die "Bild"-Zeitung mit Spekulationen über Luckes Parteiaustritt zitiert hatte. "Ich war sehr überrascht, sozusagen die Nachricht meines eigenen Ablebens lesen zu müssen. Dies umso mehr, als Herr Adam mich zu meiner angeblichen Absicht nie befragt hat", schrieb Lucke.

Wer vertritt künftig die Partei?

"Es gibt Kräfte in der Partei, die eine andere, radikalere AfD wollen", kritisierte der AfD-Chef weiter. Diese Kräfte wollten "die Grundausrichtung der Partei hin zu dem radikalen, systemkritischen Ansatz" verschieben. "Ich hielte das für fatal, aber wir haben den Streit und er muss entschieden werden", schrieb Lucke. Damit werde sich auch entscheiden, "welche Personen die Partei künftig vertreten sollen".

In seiner Mail gebrauchte der AfD-Chef deutliche Worte: Die AfD biete "Karrieristen, Querulanten und Intigranten die trefflichsten Gelegenheiten der Selbstverwirklichung". Viele andere Mitglieder befürchteten deswegen inzwischen schon berufliche Nachteile oder soziale Ausgrenzung, wenn ihre AfD-Mitgliedschaft bekannt sei. Daher könne die AfD nicht "einfach so weiter machen wie bisher". Die Partei werde "zerbrechen", wenn der Prozess der "Entbürgerlichung" weitergehe.

Antikapitalistische, deutschnationale, antiislamische und zuwanderungsfeindliche Kräfte hätten dem Ansehen der AfD zuletzt stark geschadet, schrieb Lucke. Ein seriöses Image sei aber nicht nur wichtig für Parteimitglieder, die mitten im Beruf stünden und in ihrem Freundeskreis nicht schief angesehen werden wollten. Die Entwicklung sei auch ein Grund dafür, dass sich einige potenzielle AfD-Wähler in Hamburg und Bremen wieder der FDP zugewandt hätten.

Im April hatte Luckes liberaler Mitstreiter Hans-Olaf Henkel den AfD-Vorstand verlassen. Er hatte mehrfach vor einem Rechtsruck der Partei gewarnt.

mka/DPA/AFP / DPA
Themen in diesem Artikel