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Schlag 12 - der Mittagskommentar aus Berlin: Der Rücktritt war ein guter Anfang, Herr Henkel!

Henkel legt sein Amt als AfD-Vize nieder. Eigentlich könnte er auch gleich austreten. Die Partei zerfällt ohnehin. Möge sie in Unfrieden ruhen.

Von Andreas Hoidn-Borchers

Der Vize-Chef der AfD Hans-Olaf Henkel legte am Donnerstag sein Amt nieder. Er sieht die Partei in Gefahr, von "Rechtsideologen" übernommen zu werden

Der Vize-Chef der AfD Hans-Olaf Henkel legte am Donnerstag sein Amt nieder. Er sieht die Partei in Gefahr, von "Rechtsideologen" übernommen zu werden

Die Überschrift des heutigen Morgens lautet übrigens: "Gomez schießt Florenz ins Halbfinale." Ha! Nehmt das! Die im Fußball halbwegs Beschlagenen werden sofort verstanden haben, was das mit Hans-Olaf Henkel und seiner erkaltenden Liebe zur AfD zu tun hat. Für die Ignoranten aber gerne zur Erklärung: Mario Gomez war mal eine kurze Zeit die große Sturmhoffnung des deutschen Fußballs, er stolperte sich aber schnell den Ruf eines zuverlässigen Chancentods, dessen Karriere nach oben nicht mehr ganz so weit offen stand wie jene Tore, die er regelmäßig verfehlte. Wenn also schon der ... Capice soweit?

Falls nicht, kurz in aller Klarheit: Dass der frühere BDI-Präsident und danach als Allzweckmahner durch die Talkrunden irrlichternde Hans-Olaf Henkel jetzt die Brocken als stellvertretender AfD-Vorsitzender hin- und seinen Parteifreunden zum wiederholten Male vorgeworfen hat, nach rechts abzudriften, Skandale zu produzieren und alles in allem ein ziemlicher "Chaotenhaufen" zu sein - das mag ein willkommener Anlass sein, die AfD in die Fußnoten der Geschichtsbücher zu bugsieren, ein hinreichender Grund ist es noch nicht. Da muss noch mehr kommen. Das Schöne ist: Es wird kommen. Garantiert.

Ansammlung von Profilneurotikern

Abgesehen davon, dass Henkel mit all seinen Vorwürfen natürlich vollkommen recht hat - was hat der Mann eigentlich erwartet, in welchem Laden er sich da engagiert? In einer Partei gewordenen Unterabteilung eines Euro-kritischen Wirtschaftsforschungsinstituts? So blauäugig kann er nicht sein. Henkel hat lange genug den politischen Betrieb beobachtet. Er hätte wissen müssen: Parteien ertragen Egomanen nur dann, wenn sie Charisma haben und Erfolg versprechen, der Mandate für minder Begabte garantiert. Und: Es kann immer nur einen geben. Das Problem der AfD ist: Sie besteht nur aus Einzelgängern, die weder Ausstrahlung besitzen noch die Größe, andere neben sich zu dulden. Mit einer Ansammlung von Gernegroßen, Zukurzgekommenen, Halbseidenen und Profilneurotikern, die sich untereinander nicht den Grind im Auge gönnen, aber kann man dauerhaft als Partei nicht bestehen. Diese Erfahrung haben unter anderem die Republikaner gemacht, die vor allem an sich selbst gescheitert sind.

Außerdem: Ein bisschen rechtsradikal gibt es nicht. Da muss man sich schon entscheiden. Es hat in der Geschichte der Bundesrepublik noch nie funktioniert, das - um es mal milde zu formulieren - ressentimentgeladene Pegida-Prekariat UND die enttäuschten Konservativen zugleich dauerhaft an sich zu binden. Die einen wollen in der Regel mit den anderen nichts zu tun haben. Auch deshalb werden sich die nach einer Alternative suchenden Unions-Wähler wieder von der leicht anrüchigen AfD ab- und der im Vergleich nach gerade seriös erscheinenden FDP zuwenden. Die hat sich, totgeglaubt, allein dadurch reanimiert, dass sie mangels Beteiligung an Regierungen zuletzt keinen Mist bauen und überraschend ein paar attraktive junge Frauen auf ihren Wahlplakaten präsentieren konnte. Solche PR-Gags kann die AfD mangels junger Frauen nicht bieten. Dafür liefert sie den Mist fuderweise.

Skandale und Henkeleien

Mag sein, dass es die AfD im Mai trotz alledem, trotz aller Skandale und Querelen und Henkeleien bei den Wahlen in Bremen über die fünf Prozent schafft. Es wird ihr nicht viel helfen. Es sei denn, sie wandelt sich kolossal. Dafür aber spricht nichts. Gar nichts. Das endgültig klar gemacht zu haben, ist womöglich die beste Tat des nicht immer leicht zu begreifenden Demokraten Hans-Olaf Henkel. Das war das Beste an seinem Engagement in der AfD. Eigentlich könnte er jetzt auch austreten. Konsequent wäre es.

Die AfD hat schon viel zu lange zu viel unserer Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Möge sie in Unfrieden weiter zu Grunde gehen. Und falls es jemand vom Anfang bis hierher geschafft haben sollte und sich nun fragt, was das mit dem Gomez denn dann sollte - hier die Antwort: War nur ein Witz. Vergleiche zwischen Politik und Fußball hinken schlimmer als ein Adduktorengezerrter. Weil: Fußball ist viel aufregender und interessanter - jedenfalls als die AfD.

Andreas Hoidn-Borchers findet ja, dass Mario Gomez oft überkritisch gesehen wird. Für die AfD gilt das nicht. Sie können ihm auf Twitter folgen: @ahborchers

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