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Wie zwei Alfa-Männchen Deutschland therapieren wollen

"Deutschland gehört auf die Couch!", meinen Hans-Olaf Henkel und Joachim Starbatty. In ihrem gleichnamigen Buch verordnen die beiden Alfa-Politiker dem Patienten bittere Pillen, die auch einem Thilo Sarrazin schmecken.

Von Judith Hoppermann

Die Alfa-Politiker Hans-Olaf Henkel und Joachim Starbatty präsentieren ihr neues Buch

Glauben zu wissen, wie der Patient Deutschland wieder genesen kann: die Alfa-Politiker Hans-Olaf Henkel und Joachim Starbatty

Deutschland ist krank. Diagnose: Helfersyndrom. Denn, so sind sich und Joachim Starbatty einig: Aufgrund der "unsäglichen Taten ihrer Vorfahren im Dritten Reich" wollte ein Großteil der deutschen Bevölkerung alles und jeden retten - das Weltklima, Flüchtlinge, den Euro. Aber die beiden Autoren, EU-Politiker und Alfa-Mitglieder, haben ein Rezept zur Therapie - das findet sich in ihrem neuen Buch "Deutschland gehört auf die Couch!"

Nur Merz kann die Volkspartei CDU noch retten

Dort soll es auch auf viele aktuelle Probleme eine Lösung geben, wie zum Beispiel die "desolate Lage der großen Volksparteien". Der Grund: Merkels Flüchtlingspolitik und der Linksrutsch der CDU. Die Therapie erfolgt in drei Schritten. Erstens: Merkel in Parteivorsitz und Kanzlerschaft mit ihrem früherem Kritiker Friedrich Merz ersetzen -  er hat sich zwar vor mehr als  zehn Jahren aus der aktiven Politik zurückgezogen, würde aber die Partei schnell wieder aufrichten. Zweitens: "der Einmarsch" der CSU in die anderen fünfzehn Bundesländer", was zugleich das Problem lösen würde, denn deren Ergebnis würde sich damit halbieren. Und drittens: eine Abstimmung über die Verfassung. "Unwahrscheinlich", kommentiert einer der anwesenden Journalisten die ersten beiden Möglichkeiten. Viel zu erwidern hat der frühere AfD-Politiker Henkel nicht.

Ein anderes Thema, die Flüchtlingspolitik: "Wir können doch nicht 1,2 Millionen Menschen einladen und dann sagen, jetzt sollen die Polen übernehmen. Das geht doch zu Lasten anderer", kritisieren die beiden Autoren. Man könne nicht nur selbst gut da stehen, sondern müsse auch Lösungen anbieten. Konkret heißt das für Henkel und : eine Art flexible Obergrenze, bei der die Kommunen und Länder selbst entscheiden können, wie viele Flüchtlinge sie aufnehmen und integrieren können. "Wir sind der Meinung, dass diese Willkommenskulturerklärung zurückgenommen werden muss", sagen sie und plädieren gleichzeitig dafür, dass eine Lösung zusammen mit den Geflüchteten gefunden werden müsse.

Und: Henkel und Starbatty beklagen sich über "Rudeljournalismus", den Mangel an konservativen Journalisten im Land. Damals, als sie selbst noch AfD-Mitglieder waren, hätten die Medien sie in die Ecke des Rechtspopulismus gedrängt. "Zu der Zeit waren wir es nicht", sagt Henkel. Heute warnen beide vor ihrer ehemaligen Partei.

Auftritt Sarrazin

Gut eine halbe Stunde nach Beginn trifft schließlich Thilo Sarrazin ein, der vor sechs Jahren mit seinem Buch " schafft sich ab" für Aufsehen gesorgt hat. Er soll eine Laudatio auf das Buch halten, hat sich aber in der Zeit vertan. "Man muss bestimmte wahre Gedanken immer wieder umkreisen, sie in einem anderen Winkel betrachten", sagt Sarrazin. Ansonsten hält er sich bei der Buchvorstellung eher zurück. Erst zu einer Frage zur Flüchtlingspolitik schaltet sich Sarrazin wieder ein,  zuvor betont er, es sei bedauerlich, dass Henkel und Starbatty den Kampf mit der AfD so leicht aufgegeben hätten. Denn: "Die breiten Schichten der Bevölkerung hält Wirtschafts- und Währungsfragen in eine Expertenangelegenheit, in die sie sich nicht einmischen, aber alle fühlen sich vom Thema Einwanderung angesprochen", sagt Sarrazin. Sympathien mit den beiden Parteien weist das SPD-Mitglied aber von sich. Er lehne alle Einladungen zu Parteiveranstaltungen ab.

Lösungsansätze fast identisch mit dem Alfa-Programm

Dass schon vor der Veranstaltung Alfa-Flyer verteilt wurden, kann Sarrazin nicht wissen. Dass neben dem Berliner Spitzenkandidaten der Alfa auch der Spitzenkandidat der nächsten Bundestagswahl, Bernd Lucke, im Publikum sitzt, schon. Auch als Henkel zu Beginn betont, die Lösungsansätze des Buches seien fast identisch mit dem Programm der Alfa, ist Sarrazin noch nicht im Saal. Später, nach der Veranstaltung wird Henkel sagen: "Es ist kein Parteiprogramm, und wir haben ja auch Dinge drin, die mit dem Alfa-Parteiprogramm gar nichts zu tun haben, zum Beispiel der Vorschlag an die , Friedrich Merz zu reaktivieren."

Aber da es mehr oder weniger Deckungsgleich sei, könne das Buch durchaus helfen. "Ich glaube, die Partei braucht auch diese Hilfe. Übrigens Deutschland braucht auch diese Partei." Durch den Linksrutsch von Frau Merkel und den Rechtsrutsch der AfD tue sich eine gewaltige Lücke auf. Die solle Alfa besetzen. Im Schlusswort ihres Buches schreiben die beiden Autoren: "Unserem Patienten muss eine neue Therapie verordnet werden. Einige Rezepte werden in diesem Buch von uns empfohlen. Die Medizin mag dem Patienten bitter schmecken, aber sie ist für seine Gesundung unerlässlich." Vielleicht soll das Buch auch eines sein - eine Werbung für Alfa als Medizin.

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