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Radtour: Gut geradelt statt gerädert

Der Schnee ist geschmolzen, die Sonne lockt. Eine Tour durch Felder und Wiesen wäre jetzt schön. Mit dem Fahrrad, und zwar dem richtigen. Der Po wird's danken.

Mehr als zwei Millionen Deutsche fahren jedes Jahr mit dem Fahrrad in die Ferien. Tendenz steigend. Aber nicht immer wird die Tour zum Genuss. Ob er das passende Gefährt hat, die Ausrüstung stimmt und er sich richtig vorbereitet hat, merkt der Radler spätestens nach drei Tagen. Am ersten Tag wirkt das Reisefieber. Man startet kraftvoll, meistert Hügel spielend. Am zweiten Tag zwickt es schon ein bisschen. Die Oberschenkel fühlen sich an wie Pudding. Am dritten Tag fällt die Entscheidung. Jetzt ist der Po entweder frei von Druckstellen - oder schmerzhaft wund. Sind die Oberschenkel eingefahren - oder verkrampft. Und Berge eine sportliche Herausforderung - oder ein Albtraum. Natürlich kann der Radler vorsorgen, damit die Tour nicht zur Tortur wird: Mit guter Ausrüstung und Vorbereitung lässt sich Frust vermeiden.

So hält der Körper länger durch
Muten Sie sich bei der Planung der Reiseroute nicht zu viel zu. Lieber ein paar Kilometer weniger pro Tag, als sich hoffnungslos zu übernehmen. Wenn man am nächsten Morgen immer noch erschöpft startet, ist der Spaß schnell vorbei, und die Reise wird zum großen Frust. Für Anfänger kann je nach Strecke bereits nach einer 20 Kilometer langen Tagesetappe Feierabend sein, durchtrainierte Cracks schaffen locker das Mehrfache. Bevor es auf große Tour geht, sollte man sich ein bisschen eingefahren haben. Denn wer völlig untrainiert losradelt, sitzt schnell mit Muskelkater und wundem Po im Hotel. Es muss kein ausgefeiltes Trainingsprogramm sein. Die eine oder andere Runde nach Feierabend und an den Wochenenden reicht schon aus. So können Sie auch Schwächen an der Radausstattung ermitteln und die Einstellungen von Sattel und Lenker auf ihre Vorlieben abstimmen.

Fahrräder für Radreisen sollte man nicht von der Stange kaufen. Lenker, Sättel und Rahmen gibt es in vielen verschiedenen Formen, und jeder bessere Fachhändler stellt daraus das passende Gefährt zusammen. Viele Kombinationen sind denkbar. Ein breiter, extrem gefederter Sattel auf einem Trekkingrad? Ungewöhnlich, aber vielleicht genau das Richtige für Sie. Lassen Sie Ihr Gefühl und Ihren Po entscheiden!

Fahrradtyp

Trekkingräder sind die Alleskönner unter den Fahrrädern und für die meisten Fahrer die beste Wahl für eine Tour. Sie eignen sich für den entspannten Sonntagsausflug auf geteerten Landstraßen ebenso wie für ausgedehnte Touren entlang unwegsamer Pfade und auch im Stadtverkehr.

Rahmen

Auf den ersten Blick ähneln Trekkingräder Mountainbikes, aber ihr Rahmen ist graziler. Da sie für längere Strecken geplant werden, sind sie in der Regel relativ leicht - und dennoch stabil. Denn auch bei einer längeren und steilen Bergabfahrt darf sich der Rahmen nicht verziehen. Herrenrahmen mit Querstange halten am meisten aus, Damenrahmen schlingern schneller.

Empfehlenswert sind Rahmen aus Vergütungsstahl (zum Beispiel Chrom-Molybdän-Stahl), weil sie leicht und dabei sehr fest sind. Aber Achtung: Oft sind nur einzelne Teile aus dem hochwertigen Material. Rahmen aus Baustahl sind billiger, aber auch schwerer. Rostfreier Stahl ist überflüssiger Luxus, als Rostschutz reicht eine vernünftige Lackierung. Aluminiumräder brauchen dickere Wände und sind deshalb nicht leichter als andere - dafür aber empfindlich, etwa wenn sie im Winter mit Streusalz in Berührung kommen.

Je länger die Strecke wird, desto wichtiger ist die Sitzposition des Radfahrers. Eine falsche Rahmenhöhe lässt sich nicht durch den Sattel ausgleichen und macht ein Rad unbequem. Die zuverlässigste Methode, um die ideale Größe zu bestimmen, ist die Formel Rahmenhöhe gleich Beinlänge minus 25 Zentimeter. Gemessen wird dabei an der Beininnen seite von der Ferse bis zum Schritt. Die meisten Hersteller bieten ihre Rahmen in Abstufungen von je zwei Zentimetern an. Liegt das errechnete Maß dazwischen, sollte man zum kleineren Rahmen greifen - und das Rad in jedem Fall vor dem Kauf gut ausprobieren.

Lenker

Der Lenker sollte auf jeden Fall etwa schulterbreit sein. Alles andere hängt von persönlichen Vorlieben ab - und von dem Gelände, in dem man sich bewegt. Ein Multifunktions-Trekkinglenker ist für Anfänger gewöhnungsbedürftig, ermöglicht aber verschiedene Sitzpositionen und Griffhaltungen - das entlastet auf langen Strecken. Wer gern aufrecht sitzt, kann es mit einen Standardlenker versuchen. Bei ihm liegen die Hände etwas höher als der Sattel. Das sorgt für Übersicht auf verkehrsreichen Strecken und in der Stadt. Allerdings erlaubt dieser Lenker nur eine Griffposition, das kann bei langen Touren quälen. Eine Sitzposition von etwa 45 Grad, bestens geeignet für längere Strecken, erreicht man mit einem Rennlenker. Durch seine nach vorne gebogene Form sind verschiedene Griffpositionen möglich.

Mountainbike-Lenker sind gerade und überbreit. Die Lenkkraft überträgt sich so am besten - das ist gut für unruhigen Untergrund. Aber die starre Position mit ausgestreckten Armen und abgeknickten Handgelenken belastet die Gelenke. So genannte Bar-Ends, auf die Lenkerenden aufgesteckte Griffe, können da helfen.

Sattel

Die Sitzposition auf einem Trekkingbike ist sportlich mit leicht nach vorne geneigtem Oberkörper, das verringert den Luftwiderstand, ist aber auch auf längeren Fahrten noch bequem. Trekkingsättel sind gut für Sitzpositionen zwischen 30 und 60 Grad. Wer lieber aufrecht sitzt, ist auf Dauer mit dem Stadtrad-Sattel besser bedient. Der ist kurz un d hinten breit und sollte gut gepolstert sein. Denn bei dieser Haltung wirken die Erschütterungen direkt auf die Wirbelsäule. Eine gefederte Sattelstütze kann Erschütterungen um bis zu 35 Prozent reduzieren. Rennrad- oder Mountainbikesättel sind schmal und länglich, damit geeignet für eine weit nach vorne gebeugte Fahrweise mit verringertem Luftwiderstand - aber ohne Radlerhose schon für die Mittelstrecke zu hart.

Gut für langes Sitzen sind Gel- und Ledersättel. Der Gelsattel ist weich und passt sich dem Körper an. Er benötigt keine Pflege und ist recht wasserfest. Ledersättel müssen aufwendig gefettet und eingefahren werden, sonst verursachen sie auf Touren schnell Schmerzen. Wer sich die Mühe macht, bekommt einen Sattel, der wie gut eingelaufene Schuhe sitzt: perfekt.

Gabel

Die Gabel ist eines der am stärksten strapazierten Teile eines Fahrrads. Sie muss Schwingungen, Schläge und Stöße abfangen. Bricht sie, ist ein schwerer Sturz unvermeidlich. Deshalb: Seien Sie nicht knauserig. Teurere Gabeln sind in der Regel auch die stabileren und langlebigeren. Mittlerweile sind gefederte Gabeln Standard. Sie absorbieren Unebenheiten, entlasten Handgelenke sowie die Schultern und beugen so Verspannungen vor.

Schaltung

Je nach Streckenverlauf sollten Räder für lange Touren mit einer Kettenschaltung mit mindestens 12, 18 oder 21 Gängen ausgestattet sein. Besonders bei hügeligen Routen und mit viel Gepäck zahlt sich eine gute Schaltung aus. Dabei ist nicht allein die Zahl der Gänge entscheidend, sondern auch, wie sie abgestuft sind und welches der kleinste Gang ist.

Mit neuen Ritzeln und Kettenblättern können Kettenschaltungen dem Bedarf angepasst werden. Eine Nabenschaltung ist nicht so genau abgestuft, hat aber für weniger erfahrene Radfahrer Vorteile, weil man sie auch im Stand schalten kann. Zudem ist sie gut gegen Nässe und Schmutz geschützt. Auch eine Kombination von Ketten- und Nabenschaltung ist möglich.

Bremsen

Weil es nach einer Steigung meist auch wieder bergab geht, braucht ein Reiserad gute und belastbare Bremsen. Am besten geeignet sind Felgenbremsen, denn sie sind leicht, unkompliziert zu warten und zu reparieren und sehr zuverlässig. Nur bei Nässe zeigen sie Schwächen. Den kürzesten Bremsweg haben sie dann in Kombination mit Alu-Felgen. Felgenbremsen gibt es in unterschiedlichster Qualität. Hier sollte man auf keinen Fall geizig sein, denn verwindet sich eine Bremszange, kann sie nicht mehr kraftvoll zupacken. Je länger die Zange, desto größer ist die Gefahr. Deshalb sind Felgenbremsen mit kurzen Zangen besser, sie verringern aber den Spielraum für die Schutzbleche und eine Umrüstung auf breitere Reifen. Die größte Wirkung erzielen so genannte V-Brakes. Die klassische Rücktrittbremse funktioniert zwar auch bei Nässe und ist robust. Allerdings kann sie bei Dauerbremsen heiß laufen und so an Kraft verlieren. Trommel- und Scheibenbremssysteme sind aufwendig zu warten, und ihre Reparatur ist nur etwas für Kenner - die unterwegs nicht immer leicht zu finden sind.

Reifen

Trekkingräder sind meist mit 28-Zoll-Rädern ausgestattet und mittelbreit bereift. Für eine Reise lohnen sich verstärkte "pannensichere" Mäntel. Sollte die Tour durch unwegsames Gelände führen, ist eine breitere Bereifung mit stärkerem Profil sinnvoll. Schnellspann-Naben ermöglichen einen raschen Radwechsel ohne den Einsatz von viel Werkzeug.

Sicherheit und Stand

Ein reisetaugliches Rad muss für den Straßenverkehr zugelassen, al-so mit einer Klingel und Licht ausgestattet sein. Schutzbleche sind für Regentage unverzichtbar. Der Gepäckträger muss seine Last stabil tragen können. Außerdem braucht ein Trekkingrad eine gute Parkstütze, am besten einen Hinterbauständer, damit es voll bepackt sicher stehen kann.

Alexandra Kraft / print
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