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Weltwasserforum eröffnet: WWF warnt vor Kampf ums kostbare Nass

Wachsende Bevölkerungszahlen und ein hoher Fleischkonsum: Der Wasserverbrauch wird in den kommenden Jahren weiter steigen. Die Umweltstiftung WWF warnt daher vor neuen Konflikten.

Zur Eröffnung des Weltwasserforums im südfranzösischen Marseille hat die Umweltstiftung WWF vor einer Zuspitzung der globalen Wasserkrise gewarnt. Seit der Jahrtausendwende sei es weltweit zu mehr als 50 gewaltsamen Konflikten um die Nutzung von Wasser gekommen, teilte die Organisation mit. Die UN-Wissenschaftsorganisation Unesco machte vor allem das geänderte Konsumverhalten - insbesondere die steigende Fleischproduktion - für den zunehmenden Wasserverbrauch verantwortlich.

Fast 900 Millionen Menschen auf der Welt haben nach dem am Montag auf dem Forum vorgestellten Weltwasserbericht der Unesco keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, 2,6 Milliarden Menschen keinen zu adäquaten sanitären Einrichtungen. Die veränderten Nahrungsgewohnheiten haben nach Unesco-Angaben in den vergangenen Jahrzehnten stärkere Auswirkungen auf den Wasserverbrauch als das Bevölkerungswachstum: "Wer Fleisch- und Milchprodukte konsumiert, verbraucht mehr Wasser als Menschen, die sich vor allem von Getreide oder Gemüse ernähren." Zur Produktion von einem Kilogramm Reis sind demnach 2500 Liter Wasser nötig, für ein Kilogramm Rindfleisch 15.000 Liter.

Auf Kosten der Armen

Häufig werde zudem übersehen, dass viele Industriestaaten ihren steigenden Bedarf an Wasser und anderen Ressourcen aus ärmeren Ländern zögen. So importiere beispielsweise Großbritannien 62 Prozent des genutzten Wassers als "virtuelles Wasser" in Form von Reis oder Fleisch. Die weltweite Landwirtschaft benötige durch die Bewässerung rund 70 Prozent des genutzten Wassers.

Das alle drei Jahre tagende Weltwasserforum steht diesmal unter dem Motto "Time for Solutions" (etwa: Zeit für Lösungsansätze). Bis zum Wochenende wollen in der französischen Hafenstadt Politiker und Experten über den Zugang zu sauberem Wasser, über Wasserrechte und den Einsatz moderner Technologien beraten. Insgesamt werden rund 20.000 Teilnehmer erwartet, darunter Staats- und Regierungschefs sowie Delegierte von rund 600 Organisationen.

Wassergerichte gefordert

Die Nicht-Regierungsorganisationen wollen von den Teilnehmern des offiziellen Treffens die Schaffung eines internationalen Wasser-Gerichtshofes fordern, der ähnlich wie der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag eine Verletzung des Rechts auf Wasser ahnden soll. Auch der Vatikan sprach sich am Montag für "Wassergerichte" aus, um das "natürliche und unverletzbare" Recht auf Wasser zu verteidigen. Solche Gerichte könnten von denen angerufen werden, deren Recht auf Wasser nicht garantiert sei. Außerdem schlug der Päpstliche Rat für Gerechtigkeit und Frieden vor, beispielsweise die Einnahmen aus einer Finanztransaktionssteuer für eine bessere Wasserversorgung zu verwenden.

Mehr als eine Million Menschen kämen jährlich durch verunreinigtes Wasser ums Leben, sagte Frankreichs Premierminister François Fillon am Montag zur Eröffnung der Veranstaltung. "Das ist eine nicht hinnehmbare Situation." Nach Schätzungen der Vereinten Nationen werden im Jahr 2025 zwei Drittel der Weltbevölkerung von Wasserknappheit betroffen sein.

"Wir müssen die heutige Zugangskrise überwinden", forderte die deutsche Delegationsleiterin und Parlamentarische Staatssekretärin Gudrun Kopp (FDP). "Das Weltwasserforum kann jetzt entscheidende Weichen stellen." Das vorangegangene Forum 2009 in Istanbul war wegen seiner unverbindlichen Erklärungen heftig kritisiert worden. Aktionsgruppen kritisieren vor allem die Präsenz großer Wasserkonzerne im organisierenden Weltwasserrat.

fwe/DPA/AFP / DPA
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