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"Brutpremiere": Wattenmeer lockt wieder Seeadler an

Vor 20 Jahren gab es nur noch fünf Seeadler-Paare im Wattenmeer. Gerade weil die imposanten Großvögel eigentlich ganz andere Vegetationen bevorzugen, sind Vogelkundler begeistert über den Bevölkerungszuwachs.

Seeadler haben das schleswig-holsteinische Wattenmeer als Lebensraum für sich entdeckt: Zwei Paare der imposanten Greifvögel haben sich die Westküstenregion als neues Brutrevier auserkoren und sitzen nach Beobachtungen von Naturschützern derzeit auf ihren Nestern. Und da hohe Bäume in der Region nicht zu finden sind, nehmen sie dabei offensichtlich auch mit kleineren Gewächsen vorlieb: "Das ist schon ein wenig kurios", sagt der Vogelexperte Klaus Günther von der Schutzstation Wattenmeer in Husum.

Bei seinen Vogelzählungen kamen ihm in den vergangenen Jahren immer wieder vereinzelte Seeadler vor sein Fernglas. Als Grund vermuten Ornithologen, dass es eng wird für die Tiere in den Siedlungsgebieten an der Ostküste: "Der Populationsdruck nimmt zu", so Günther. Aus Sicht der Naturschützer ist das eine gute Meldung, weist sie doch auf eine positive Bestandsentwicklung der Vögel hin, von denen es noch vor 20 Jahren nur noch fünf Brutpaare in Schleswig-Holstein gab.

Den Aufschwung, den die Population dann ab Mitte der achtziger Jahre nahm, schreibt Klaus Günther dem Verbot und damit dem Rückgang des hochgiftigen Insektizids DDT in der Umwelt sowie umfassenden Schutzmaßnahmen zu. DDT stört die Bildung der Eierschale, so dass die wenigen Tiere zuvor über Jahre ohne Nachwuchs geblieben waren.

Schwerpunkt der Verbreitung der Großvögel, deren Flügel eine Spannweite von bis zu 2,40 Meter erreichen, blieb zunächst die holsteinische Seenplatte. Doch nach und nach eroberten sich die Seeadler auch die weiter nördliche gelegene Ostseeküste und den Elberaum. Seit einigen Jahren suchten sie auch an der Westküste nach geeigneten Standorten. Experten zufolge lockt hier - vor allem in den Naturschutzgebieten direkt hinter den Deichen wie dem Beltringharder und dem Rickelsbüller Koog - reiche Beute: Nahrung finden die Tiere hier in Gestalt von Wasservögeln in Hülle und Fülle.

Für die "Brutpremiere" an der Westküste hatte im vergangenen Jahr ein Seeadlerpaar ganz im Norden Nordfrieslands gesorgt, jetzt ist im südlichen Kreisgebiet ein zweites dazugekommen. Näher benennen wollen die Naturschutzverantwortlichen die Brutplätze nicht, damit die geschützten Tiere sich ungestört der Nachwuchspflege widmen können. Weitere Seeadler halten sich auch in diesen Tagen nahe dem Wattenmeer auf, weiß Klaus Günther durch seine regelmäßigen Zählungen. Für den Nachwuchs sei es jetzt zwar zu spät: "Aber das könnten heiße Kandidaten für nächstes Jahr sein".

DPA / DPA