HOME

Afrika: Hungern zwischen Dürre und Flut

Mit Sorge blicken die Menschen gen Himmel. Seit Jahren spielt im Süden Afrikas das Wetter verrückt. Monatelang bleiben die Niederschläge aus, an Saat und Ernte kein Gedanke. Kommt das Nass, kommt es mit zerstörerischer Gewalt.

Mit zunehmender Sorge blicken im Südlichen Afrika die Menschen gen Himmel. Seit mehreren Jahren spielt dort das Wetter verrückt. Monatelang bleiben die Niederschläge aus, die die dürren Äckerboden so dringend benötigen. Und dann kommt auf einmal das Nass von oben mit einer zerstörerischen Gewalt, die alles mit sich reißt.

Die Freude, die Afrikaner bei ergiebigen Regenfällen überkommt, wird seit Beginn des neuen Jahrtausends immer wieder von verheerenden Flutkatastrophen wie in Mosambik getrübt. Namibias Haupstadt Windhuk erlebte gerade im Januar die schlimmsten Fluten seit 70 Jahren. In der Region kamen drei Menschen in den Wassermassen um, als auf einmal an einigen Orten des Landes bis zu 200 Liter Niederschlag pro Quadratmeter fielen und Trockenflüsse in reißende Ströme verwandelte.

Nach Daten der Weltwetterorganisation (WMO) sind Wetter- und Klima-Extremereignisse wie Tornados, Gewitter, Stürme, Fluten und Dürren weltweit für fast drei Viertel aller Katastrophen verantwortlich. Die Vereinten Nationen haben den 1992 auf dem Erdgipfel in Rio de Janeiro ausgerufenen Weltwassertag (22. März) in diesem Jahr dem Thema «"asser und Katastrophen" gewidmet.

Klimaprognosen sind momentan schwierig

Für das Südliche Afrika sprechen mittelfristige Klimaprognosen vom Beginn einer längeren Dürreperiode, die nur noch minimale Regenfälle bringt. Stefan van Biljon, Direktor in Südafrikas Wasserministerium, erklärt das Phänomen mit der Erwärmung des Pazifiks vor den Küsten Lateinamerikas. Die Temperaturen des Oberflächenwassers seien höher als sonst, was die Dürre begünstigt habe. "Im Februar haben wir ein Absinken der Temperaturen in Richtung auf den Durchschnittswert beobachtet. Das deutet auf eine Rückkehr zur Normalität hin", macht van Biljon Hoffnung. Allerdings schränkt auch er ein, dass Prognosen momentan sehr schwierig sind.

Überall fehlt es an Nahrung

Die Folgen der Wetterkapriolen sind verheerend. Sie bedrohen im Südlichen Afrika rund 15 Millionen Menschen. Das Ausbleiben der Niederschläge verteuert nicht nur Wasser- und Maispreise, sondern zerstört auch nachhaltig die landwirtschaftliche Infrastruktur. In den von Südafrika umgebenen Königreichen Lesotho und Swasiland hungert ein Drittel der Bevölkerung - die Regierungen riefen dort den Nahrungsmittelnotstand aus. 57.000 Tonnen Nahrungsmittelhilfe wird bis zur nächsten Ernte im Juni 2005 allein in Lesotho benötigt. Viele Bauern in Lesotho oder Swasiland haben im Überlebenskampf längst das letzte Hab und Gut verkauft. Die mageren Rinder, die zum Pflügen benötigt werden, sind vielfach geschlachtet, das Saatgut ist gegessen. Mangelernährung ist verbreitet und begünstigt Infektionskrankheiten.

Südafrika selbst erklärte sechs seiner neun Provinzen zu Notstandsgebieten und stellte 250 Millionen Rand (30 Millionen Euro) an Dürrehilfe sowie Wassertankwagen und Nahrungsmittelpakete bereit. Die Regionalregierung in der am schlimmsten betroffenen Limpopo-Provinz erwog sogar die Öffnung von Naturparks, um die Rinder vor dem Verhungern zu retten. 30.000 sind bereits der Dürre zum Opfer gefallen. Selbst im eigentlich regenreicheren Süden dezimierte eine Hitzewelle im Straußenzentrum Oudtshoorn die Laufvögel gleich dutzendweise.

Regen kommt entweder zu stark - oder zu spät

"Wir hatten in der Saison 87 Millimeter Regen. Normalerweise haben wir zwischen 650 und 700 Millimeter jährlich; was wir hatten, ist 12 Prozent von dem, was wir normalerweise bekommen", erklärte Farmer Neels Ferreira in der Provinz Mpumalanga Ende vergangenen Jahres örtlichen Journalisten. Ende Februar setzte schließlich der Regen ein, der eigentlich schon zur Saatzeit im Oktober hätte fallen sollen. Doch für die Bauern war es da bereits zu spät: In der Südlichen Hemisphäre steht nun der Winter vor der Tür.

Ralf E. Krüger, DPA / DPA