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Archäologie: Vaterschaftstest nach 4400 Jahren

Vater und Sohn, Mutter und Tochter? Forscher wollen bei den in Eulau gefundenen Steinzeitmenschen durch DNA-Tests die Verwandtschaftsbeziehungen entschlüsseln - und vielleicht sogar einen Mord aufklären.

Eine internationale Expertengruppe hat mit der Entschlüsselung genetischer Merkmale der 4400 Jahre alten Steinzeitmenschen von Eulau in Sachsen-Anhalt begonnen. "Die Gräber von Eulau bergen Rätsel und wir hoffen jetzt einen Teil mit modernen naturwissenschaftlichen Analyseverfahren aufzuklären", sagt der Landesarchäologe von Sachsen-Anhalt, Harald Meller. An dem Projekt sind Wissenschaftler der Universität Mainz, des Landesmuseums in Halle und ein Labor der Universität im englischen Bristol beteiligt.

Die Forscher untersuchen insgesamt vier Familiengräber mit insgesamt 14 Skeletten von Männern, Frauen und Kindern, die im Sommer 2005 in Eulau entdeckt wurden. "Wir wollen wissen, woher diese Menschen kamen, ob sie in Sachsen-Anhalt sesshaft oder nur auf der Durchreise waren und wie sie aussahen", sagt der Leiter der Arbeitsgruppe Prähistorische Anthropologie und Molekulare Archäologie an der Universität Mainz, Kurt W. Alt. Außerdem interessiere, welche Krankheiten sie hatten, wie sie sich ernährt haben, das genaue Alter und die Todesursachen. Erste Ergebnisse sollen Mitte des Jahres vorliegen.

Mit DNA-Tests Geschlecht der Toten bestimmen

Aber es geht auch um die wichtige Frage sozialer Strukturen in der Steinzeit. Die Forscher wollen unter anderem wissen, wie die Heiratsverhältnisse waren und ob Kinder, die mit Erwachsenen bestattet wurden, tatsächlich auch die leiblichen Kinder sind. "Mit dem DNA-Test können wir das Geschlecht der Leute und ihre konkreten verwandtschaftlichen Beziehungen bestimmen. Es ist eine Art Vaterschaftstest nach 4400 Jahren", sagt Alt.

Neben der Arbeit am genetischen Profil der Toten wird parallel dazu der Zahnschmelz mit Hilfe der Strontiumisotopie in Bristol (England) analysiert. "Natürlich werden auch die üblichen konventionellen Untersuchungen an den skelettalen Überresten der Toten, wie Körperhöhenbestimmungen, Krankheiten, Verletzungen und Gewalteinwirkungen vorgenommen", sagte Alt.

In den Steinzeit-Gräbern von Eulau wurden alle Familien nach dem strengen Grabritus der schnurkeramischen Epoche begraben. Die Schnurkeramiker verzierten ihre gesamten Gefäße mit dem Abdruck einer Schnur. Ihre Toten bestatteten sie stets mit angezogenen Beinen, auf der Seite hockend, wobei die weiblichen Personen immer mit dem Kopf nach Osten und die männlichen Toten immer mit dem Kopf nach Westen liegen. Die Blickrichtung aller Toten der Schnurkeramiker war stets gegen Süden. Die Archäologen deuten das als Zeichen, dass diese Menschen an ein Weiterleben nach dem Tod glaubten.

Thomas Schöne/DPA / DPA