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Archaeopteryx: Familientreffen der Urvögel in München

München ist an diesem Wochenende ein Mekka für Saurierfans: Bei den Mineralientagen sind sechs Archaeopteryx-Originale auf einmal zu sehen - darunter auch das erst kürzlich wiederentdeckte Exemplar des Urvogels.

Der Archaeopteryx gilt Bindeglied zwischen Vögeln und Sauriern. Weltweit sind zehn Exemplare der Urvögel bekannt. Zwei davon, die Nummern drei und acht, waren jahrzehntelang verschollen, Nummer acht tauchte jetzt wieder auf. Erstmals ist der Urvogel für die Öffentlichkeit an diesem Wochenende bei den Mineralientagen in München zu sehen - zusammen mit fünf weiteren Originalen sowie einer versteinerten Feder. Das sei die größte Archaeopteryx-Ausstellung, die es je gegeben habe, hieß es. Bisher seien bei Ausstellungen maximal zwei Originale der Urvögel gezeigt worden. "Das ist etwas ganz Einmaliges", schwärmt der stellvertretende Direktor der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie, Winfried Werner. "So etwas wird es in absehbarer Zeit nicht mehr geben."

Der Archaeopteryx ist ein Bindeglied zwischen Sauriern und Vögeln und als Urvogel eigentlich so etwas wie der Star unter den Dinos. Vor kurzem hat er allerdings etwas von seinem Glanz verloren: US-Forscher hatten bei der Untersuchung versteinerter Knochen herausgefunden, dass seine Verwandtschaft mit den Vögeln wesentlich weniger eng ist als bisher gedacht. Dem Wert der versteinerten Beweise der Evolutionstheorie dürfte das allerdings kaum etwas anhaben: Der liegt bei bis zu vier Millionen Euro, schätzt der Münchner Paläontologe Oliver Rauhut.

Exemplar Nummer acht erstmals zu sehen

Vor Ausstellungsbeginn untersuchten Forscher aus aller Welt die Archaeopteryx-Fossilien, die teils aus den USA antransportiert worden waren. Die Exemplare wurden vermessen und verglichen - erstes Ergebnis: Die bisherige Zuordnung zu bestimmten Arten muss möglicherweise neu gefasst werden. Viel Aufmerksamkeit zog auch das wiedergefundene Exemplar Nummer acht auf sich: Zwei Jahrzehnte lagerte es in einem kleinen Dorf in Bayern. Niemand ahnte etwas von dem Schatz, den der anonyme Sammler bei sich aufbewahrte. Ein einziges Mal wurde 1996 ein Abguss des Urvogels bei einer Ausstellung in Bamberg öffentlich gezeigt. Bei den Vorbereitungen für die Mineralientage kam der Geologe und Fossilienhändler Raimund Albersdörfer dem vermissten Exemplar auf die Spur. "Wir wollten das Exemplar ausleihen", sagt Albersdörfer. Der Besitzer lehnte ab, war aber zum Verkauf bereit. "Wenn ein Sammler mal anfängt nachzudenken, was so ein Stück wert ist, ist das Eis oft gebrochen." Nun soll das Fossil per Computertomographie und Röntgenstrahlen untersucht werden. Möglicherweise handelt es sich dabei um eine neue Art, wie ein erster Vergleich des nun wiedergefundenen Fossils mit anderen Urvögeln ergeben hat. Die genaueren Untersuchungen werden allerdings mehrere Wochen oder sogar Monate dauern.

Das neue Stück solle gemäß seines Fundorts südwestlich von Solnhofen Daiting-Exemplar heißen, schlug Albersdörfer vor. Alle je gefundenen Archaeopteryx-Fossilien stammen aus Bayern, vor allem aus dem Gebiet um Solnhofen. Vor 150 Millionen Jahren war der Freistaat ein Inselarchipel. Die Tiere, die sich wahrscheinlich von Insekten ernährten und nur bedingt fliegen konnten, stürzten möglicherweise bei Stürmen ins Meer und versteinerten im feinen Kalkschlamm. In der Münchner Ausstellung, die am Samstag und Sonntag auf dem Messegelände stattfindet, sind auch andere Original-Saurier zu sehen, darunter ein Allosaurus, einer der größten fleischfressenden Saurier, und ein Stegosaurus mit den charakteristischen Schwanzstacheln.

DPA/lea / DPA