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Chamäleons: Die Sprache der Farben

Dass Chamäleons blitzschnell ihre Farbe ändern können, ist bekannt. Allerdings dient das Farbenspiel nicht in erster Linie dem Schutz vor Feinden, wie häufig angenommen. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Tiere über Farbwechsel miteinander kommunizieren.

Vor allem, wenn es darum geht, Rivalen zu beeindrucken oder Weibchen für den Paarungsakt zu gewinnen, lassen die Zwergchamäleon-Männchen der Gattung Bradypodion die Farben spielen. Das haben Devi Stuart-Fox und Adnan Moussalli von der Universität in Melbourne festgestellt. Zur Tarnung reduzieren die Tiere dagegen nur die Helligkeit der Färbung, berichten die Forscher im Fachmagazin "Plos Biology".

Veränderung in Millisekunden

Viele Tierarten sind dazu fähig, ihre Hautfarbe zu verändern. Meist geschieht dies allerdings nur in begrenztem Umfang und über einen längeren Zeitraum hinweg. Denn die für die Farbänderung verantwortlichen Hormone brauchen ein gewisse Anlauf- und Abklingphase. Bei Chamäleons und Kopffüßern spielen Hormone hingegen keine Rolle: Die Tiere können ihre Farbe neuronal direkt steuern und so innerhalb von Millisekunden eine Veränderung herbeiführen. Manche können dabei nur die Helligkeit der Färbung verändern, zum Beispiel unterschiedliche Brauntöne hervorbringen. Andere haben eine breite Palette von Farben und Helligkeiten zur Verfügung.

Lange nahmen Biologen an, dass die Tiere diese bemerkenswerte Fähigkeit zum Schutz vor Fressfeinden entwickelten. Die Schnelligkeit des Farbwechsels und das breite Spektrum machten Stuart-Fox und Moussalli allerdings stutzig. Bei Messungen von Färbung und Grad der Farbänderung, Auffälligkeit der Farbe für andere Artgenossen und Abweichung von Hautfarbe zu Hintergrundfarbe stellten sie fest, dass der höchste Grad an Farbänderung zu beobachten ist, wenn sich zwei Männchen begegnen und sich gegenseitig beeindrucken wollen. Zu diesem Schluss kamen die Forscher unter anderem deshalb, weil das Farbenspiel von dominantem oder unterwürfigem Verhalten begleitet war: Das stärkere Männchen schüttelte beispielsweise den Kopf, während der unterwürfige Gegner die Flucht ergriff.

"Wollen wir uns paaren?"

Hätte sich die Fähigkeit zum Farbwechsel bei Chamäleons aus Zwecken der Tarnung entwickelt, so wären bei der Tarnung auch die größten Farbwechsel zu beobachten, folgerten die Wissenschaftler. Aus diesem Grund gehen die Biologen davon aus, dass vor allem die Notwendigkeit zur Kommunikation mit Artgenossen der Auslöser für die Entwicklung war. Unterstützt wird ihre These von der Bandbreite der Situationen, in denen Chamäleons Farbänderungen nutzen, um ihre Absichten auszudrücken. Beispiele hierfür sind nicht nur der Kampf zwischen zwei Männchen, es gibt auch Färbungen für "Ich bin besiegt und unterwerfe mich" oder "Wollen wir uns paaren?".

Durch die schnelle Reaktionszeit können Chamäleons es sich leisten, diese Signale in kräftigen Farben zu senden. Lassen sie die Farben nur kurz aufblitzen, genügt das zwar für einen Artgenossen, die Nachricht zu verstehen. Räuber aber bemerken den Vorgang oft gar nicht, bis die Tiere wieder mit ihrem Hintergrund verschmolzen sind.

DDP / DDP
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