Evolution Säuger aßen Dinos


Kleine wehrlose, rattenähnliche Tierchen, die vor den riesigen Dinosaurieren kuschten? Von wegen! Unsere Vorfahren aßen auch gerne mal einen kleinen Dino zum Frühstück.

Zähnefletschende Riesenechsen und rattenähnliche Säugetiere - das ist das Zeitalter der Dinosaurier, wie es seit Jahrzehnten von der Wissenschaft beschrieben wird. Ein neuer Fossilienfund stellt dieses Bild jedoch in Frage: In China haben US-Wissenschaftler das Skelett eines Säugers entdeckt, dessen letzte Mahlzeit ein winziger Saurier war. Der Fund stelle den ersten Beweis dafür dar, dass Säugetiere kleine Dinosaurier jagten, schreiben die Forscher in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Nature".

So groß wie eine Katze mit scharfen Zähnen

"Diese neuen Fundstücke vermitteln uns ein ganz neues Bild", sagt der Paläontologe Meng Jin vom Amerikanischen Museum für Naturkunde in New York, einer der Autoren der Studie. Bislang ging man davon aus, dass die Säugetiere vor 130 Millionen Jahren eine von den mächtigen Dinosauriern unterdrückte Klasse waren - nagerähnliche Wesen, die im Schatten der Riesenechsen nach Insekten und Samen suchten. Der jetzt entdeckte Saurierfresser hat aber die Ausmaße einer großen Katze und scharfe Zähne. In seiner Nähe fanden die Wissenschaftler ein weiteres Fossil, das mit über 90 Zentimetern Länge und einem geschätzten Körpergewicht von 14 Kilogramm alle bislang bekannten Säugerskelette aus dem Mesozoikum übertrifft.

Die beiden vor zwei Jahren in der chinesischen Provinz Liaoning entdeckten Tiere gehören zu der Gattung Repenomamus robustus, deren Existenz bislang nur mit einzelnen Schädelteilen belegt war. Unter den Rippen des kleineren Exemplars fanden sich die Überreste eines sehr jungen Psittacosaurus, zu deutsch Papageien-Echse. Dieser Pflanzen fressende Saurier, der seinen Namen seinem kräftigen Schnabel verdankt, wurde bis 1,80 Meter groß, das im Bauch des Repenomamus gefundene Tier war aber ein Junges und maß gerade einmal 13 Zentimeter.

Großer Säuger entzückt Wissenschaftler

Das Saurierbaby sei offenbar in großen Stücken unzerkaut verschlungen worden, sagte Meng. Dies deute darauf hin, dass Repenomamus robustus seine Beute zwar mit den Zähnen zerreißen, aber anders als moderne Säugetiere noch nicht zermahlen konnte.

Fast noch mehr als von dem Saurierfresser sind die Wissenschaftler vom Fund des größeren Repenomamus begeistert, den die Entdecker "Repenomamus giganticus" getauft haben. "Diese Größenordnung hat wirklich alle überrascht", sagte Zhexi Luo vom Carnegie-Museum für Naturgeschichte in Pittsburgh.

Kleine Saurier hatten nichts zu lachen

Bislang gingen viele Wissenschaftler davon aus, dass die Säugetiere erst nach dem Aussterben der Dinosaurier vor rund 65 Millionen Jahren die Chance hatten, sich weiter zu entwickeln. Die Entdeckung, dass es schon rund 60 Millionen Jahre früher Fleisch fressende Säugetiere vom Ausmaß heutiger Katzen oder Hunde gab, führt nun zu einer umgekehrten Überlegung: Möglicherweise könnte sich das Auftreten von Repenomamus auch auf die Saurier-Population ausgewirkt haben.

Der Fundort Liaoning ist unter anderem für Fossilien kleiner gefiederter Saurier und früher Vogelarten bekannt. "Vielleicht mussten die kleinen Saurier größer werden oder den Erdboden verlassen, um räuberischen Säugetieren zu entgehen", mutmaßt die Paläontologin Anne Weil von der Universität Duke in North Carolina.

Joseph Verrengia, AP


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