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Genforschung: Von Schimpansen und Menschen

Mensch und Schimpanse sind sich einer neuen Studie zufolge weitaus ähnlicher als auf den ersten Blick zu vermuten wäre. Die meisten Ähnlichkeiten fanden sich dort, wo man es nicht unbedingt vermutet hätte.

Ein internationales Forscherkonsortium hat das Erbgut des Schimpansen, des nächsten Verwandten des Menschen, jetzt vollständig entziffert. Die genetische Übereinstimmung des Menschen mit seinem nächsten Verwandten betrifft 98,7 Prozent des Erbguts der beiden Arten; die relativ wenigen Veränderungen zwischen beiden haben sich meist zufällig entwickelt und üben keinen Einfluss auf die Funktion der Gene aus, wie das Nationale Genomforschungsnetz (NGFN) in einem am Mittwoch veröffentlichten Vorabbericht schrieb.

Gene des Gehirns zeigen die größten Ähnlichkeiten

Die wenigsten Unterschiede - zumindest im Aufbau und der Aktivität der Gene - fand man ausgerechnet im Gehirn, obwohl sich der Mensch gerade durch Gehirnfunktionen wie Sprache und Gedächtnis vom Schimpansen unterscheidet. Die meisten Unterschiede gibt es im Hoden, dort sind 32 Prozent der Gene unterschiedlich aktiv, im übrigen Gewebe sind es durchschnittlich acht Prozent. Die Studie wurde von Forschern des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig zusammen mit internationalen Kollegen erarbeitet. Die Sequenz des Schimpansengenoms ist erst seit kurzem bekannt. Die Ergebnisse werden in den Fachzeitschriften "Nature" und "Science" vorgestellt.

Untersucht wurde die Aktivität von insgesamt 21.000 Genen aus Herz, Leber, Niere, Hoden und Gehirn. Die relativ wenigen Unterschiede im Gehirn haben sich während der Evolution des Menschen entwickelt. Mensch und Schimpanse haben gemeinsame Vorfahren, ihre Entwicklung nahm vor rund sechs Millionen Jahren getrennte Wege. Das Gehirn des Schimpansen weicht weniger stark von dem des gemeinsamen Vorfahren ab. Die Studie legt nahe, dass der Unterschied zwischen beiden Arten nur durch das Zusammenspiel von unterschiedlicher Nutzung der Gene (Genregulation) und Veränderungen in den Genen erklärt werden kann.

Dass sich die Gehirne von der genetischen Aktivität her am wenigsten unterscheiden, könnte darauf zurückzuführen sein, dass es sich hier um komplexe Netzwerke handelt, wie der Direktor des Instituts, Professor Svante Pääbo, erklärte. Wenn sich ein Genprodukt ändern würde, müssten sich seine Partner anpassen, was einen großen Aufwand bedeuten würde. In anderen Geweben, beispielsweise der Leber, seien viele Netzwerke wesentlich einfacher aufgebaut und könnten sich deshalb auch leichter verändern.

Hoffnung auf neue Erkenntnisse über Krankheiten

Das internationale Forscherteam, das die DNA des Schimpansen entschlüsselt hat, hofft nun auf baldige Erkenntnisse über Krankheiten des Menschen. Die Arbeit werde dabei helfen, die menschliche DNA nach den Ursachen für bestimmte Krankheiten zu untersuchen, sagte der Direktor des amerikanischen Instituts für die Erforschung des menschlichen Genoms, Francis Collins. Menschen und Schimpansen haben gemeinsame Vorfahren und sich vor etwa sechs Millionen Jahren auseinander entwickelt. Trotz der hohen genetischen Übereinstimmung wiesen die Forscher allerdings daraufhin, dass die Unterschiede immer noch zehn Mal so groß wie die Unterschiede zwischen zwei Menschen. Jetzt wollen sich die Wissenschaftler auf etwa 40 Millionen Gensequenzen konzentrieren, die bei Menschen und Schimpansen verschieden sind. - Bitte Sperrfrist beachten.

AP