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Gentechnik: Gen-Mais verändert gewöhnliche Maispflanzen

Über den Pollen kann Gen-Mais seine Erbanlagen in gewöhnliche Maispflanzen einschleusen. Die mit Hilfe des Windes befruchtete Maispflanze enthält Körner mit einem Bakterien-Gen aus der veränderten Pflanze, das ein Gift gegen Schädlinge herstellt.

Über den Pollen kann Gen-Mais seine Erbanlagen in gewöhnliche Maispflanzen einschleusen. Die so mit Hilfe des Windes befruchtete Maispflanze produziere dann Körner, die ein Gift herstellen, das durch ein eingeschleustes Bakterien-Gen im veränderten Bt-Maises codiert wird. Die Studie wurde in den "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS, Bd. 101, S. 7526) veröffentlicht. Das Team um Charles Chilcutt von der Texas A&M University in Corpus Christi hatte Pflanzen bis zu einer Entfernung von 31 Metern untersucht. Der gentechnisch veränderte Mais enthielt Gene für das Gift des Bakteriums Bacillus thuringiensis (Bt), das ihn gegen Schädlinge resistent macht.

In Deutschland Sicherheitsabstand von 100 bis 200 Metern

Die gewöhnlichen Mais-Pflanzen hatten das Bt-Gift nicht in ihren grünen Teilen, sondern lediglich in einigen ihrer Körner produziert. Stängel und Blätter könnten von Insekten gefressen werden, ohne das diese sterben, schreiben die Forscher. Erst im Kolben würden sie auf das Bt-Gift stoßen. Das könne das Risiko für die Entwicklung resistenter Schadinsekten erhöhen. Eine Resistenz gegen das Bt-Gift wird vor allem von Bio-Landwirten befürchtet, die Bt-Präparate zum Spritzen verwenden.

Die einzelnen Kolben der gewöhnlichen Maispflanzen hatten ein Mosaik aus Körnern mit und ohne Bt-Gift. Die maximale Konzentration an Bt-Gift fanden die Forscher in Pflanzen die zwei Meter vom Gen- Mais entfernt standen - deren Körner hatten 43 bis 45 Prozent der Bt- Giftmenge von Bt-Maiskörnern.

In Deutschland gilt zu Versuchsfeldern mit Gen-Mais üblicherweise ein Sicherheitsabstand von 100 bis 200 Metern. In der Regel wird geernteter Mais nicht wieder ausgesät. Die Landwirte kaufen speziellen Saatmais immer wieder neu.

Kürzlich war bekannt geworden, dass auf bundesweit insgesamt 300 Hektar Fläche Bt-Mais angebaut wird, der den Bauern den Einsatz von Insektiziden ersparen soll.

Umweltinstitut: Gen-Mais schädigt möglicherweise Schmetterlinge

Gen-Mais hat offenbar auch noch andere schädliche Wirkungen auf Insekten: Der in sieben Bundesländern angebaute Genmais schädigt nach Angaben des privaten Umweltinstituts in München möglicherweise Schmetterlinge. Bei der genetisch veränderten Pflanze handele es sich um eine sicherheitstechnisch umstrittene Kreation, die Antibiotikaresistenzgene enthalte und im Laborversuch zum Tod von 60 Prozent der Larven des Tagpfauenauges geführt habe, teilte das Institut am Montag mit. Die Auswirkung auf Menschen und Nutztiere sei bisher kaum erforscht.

Das Münchner Umweltinstitut wies darauf hin, dass vom 31. Dezember dieses Jahres an antibiotikaresistente Pflanzen nach EU-Recht aus Sicherheitsgründen nicht mehr angebaut werden dürften. "Dieser Versuchsanbau ist wissenschaftlich äußerst fragwürdig", sagte der Gentechnikexperte des Umweltinstituts, Andreas Bauer.

DPA