Horrorszenario Paniktheorie schürt Angst vor Riesen-Tsunami

Laut einer umstrittenen Theorie sind die Kanaren eine tickende Zeitbombe. Sie könnten auseinander brechen und eine verheerende Flutkatastrophe in Europa und sogar den USA auslösen.

Das Szenario könnte dem Drehbuch eines Horrorfilms aus Hollywood entstammen. Ein Vulkanausbruch auf der Insel La Palma lässt das Kanaren-Eiland in zwei Teile auseinander brechen und eine Hälfte in den Atlantik stürzen. Dadurch würde nach Ansicht des britischen Wissenschaftlers Bill McGuire ein Mega-Tsunami ausgelöst, der die Flut in Asien noch in den Schatten stellen würde.

Die Horrorvision von McGuire ist nicht neu. Der Wissenschaftler vom Londoner Benfield Hazard Research Centre hatte sein Katastrophenszenario schon vor vier Jahren entwickelt. Doch durch die Flut in Asien erhielten seine Prophezeiungen neue Aktualität. In der Fachwelt ist die Theorie jedoch heftig umstritten. "Sie ist schlichtweg Unsinn", sagt Juan Carlos Carracedo. Der führende Vulkanologe auf den Kanarischen Inseln hält die Theorie für "übertrieben und falsch".

20 Meter hohe Wellen könnten New York zerstören

Nach dem Szenario von McGuire könnte bei einem Einsturz der Insel die Flutwelle an den Kanaren eine Höhe von über 100 Metern erreichen und sich mit der Geschwindigkeit eines Düsenjets über den Atlantik ausbreiten. An der Ostküste der USA hätte die Welle danach noch eine Höhe von 20 Metern und immense Zerstörungen in Städten wie New York oder Miami zur Folge.

In den USA, Spanien, Portugal, Großbritannien, Frankreich, in der Karibik und Westafrika wäre das Leben von Millionen von Menschen in Gefahr, warnte McGuire. Noch im vorigen Sommer forderte der Experte die US-Regierung auf, für den Ernstfall Evakuierungspläne auszuarbeiten. Außerdem müsse auf La Palma der Vulkan Cumbre Vieja von Wissenschaftlern ständig genau beobachtet werden.

Die Insel wird auseinander brechen

Die Fachwelt ist sich weitgehend einig, dass die Insel irgendwann mal auseinander brechen könnte. Die meisten Wissenschaftler halten es jedoch für unverantwortlich, den Anschein zu erwecken, als stünde eine solche Katastrophe in naher Zukunft bevor. "Wir haben es hier mit geologischen Prozessen zu tun, die sich in Zeiträumen von Millionen von Jahren abspielen", sagt Carracedo.

Im Zentrum der Theorie steht der Vukan Cumbre Vieja zeichnet sich dadurch aus, dass seine Wände Risse aufweisen. Niemand weiß, wie viele Ausbrüche der Vulkan aushalten wird. In den vergangenen 500 Jahren brach er sechs Mal aus, zuletzt 1949 und 1971. Laut Carracedo blieben all diese Ausbrüche ohne große Folgen: "Wenn der Cumbre Vieja das nächste Mal ausbricht, wird mit ziemlicher Sicherheit nichts passieren."

McGuire räumte mittlerweile ein, dass sein Katastrophen-Szenario nur eine Hypothese sei. "Niemand weiß, ob es wirklich so kommen wird", sagte er der Madrider Zeitung "El Mundo". Auf die Frage, ob er sich trotz seiner Horrorvision auf La Palma ein Haus kaufen würde, antwortete der Wissenschaftler: "Ja, ich spiele sogar ernsthaft mit dem Gedanken. Mir gefallen die Kanarischen Inseln sehr."

DPA DPA

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