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Katastrophenschutz: Deutsches Frühwarnsystem für Tsunamis

Auf den indischen Inseln Andamanen und Nikobaren hatte das ungewöhnliche Verhalten von Eidechsen, Delfinen und anderen Tieren die Eingeborenenstämme vor der Flutwelle gewarnt. Potsdamer Forscher setzen dagegen auf High-Tech.

Deutsche Forscher wollen ein Tsunami-Frühwarnsystem für die von der jüngsten Tsunami-Flut betroffene Region entwickeln. Das Potsdamer Geoforschungszentrum (GFZ) soll im Auftrag des Bundesforschungsministeriums ein Konzept für den Indischen Ozean vorlegen.

Schnelle Warnungen per SMS, Email und Internet

Die Idee ist einfach: Messstationen im Meer registrieren Seebeben oder den erhöhten Wasserdruck, der durch die Riesenwellen entsteht. Die Daten werden über Satelliten an Alarmzentralen übertragen. Von dort können die Warnungen per Internet, Email und SMS an alle angeschlossenen Nutzer gesandt werden. Das können neben Behörden auch Hotels und Privatpersonen sein. Dies alles soll nahezu in Echtzeit geschehen, denn entscheidend ist der Zeitfaktor. Tsunamis breiten sich mit bis zu 1000 Kilometern pro Stunde aus. Je früher Alarm gegeben wird, desto mehr Zeit bleibt den Menschen zur Flucht.

Das Geoforschungszentrum schätzt, dass das System in ein bis drei Jahren einsatzbereit sein könnte. Die Forscher können dabei auf die Erfahrungen mit ihrem seismographischen Netz von rund 50 Erdbeben- Messstationen zurückgreifen, dass das GFZ mit anderen Institutionen zusammen betreibt. Im Indischen Ozean gebe es aber noch große Lücken, hieß es. Die Gefahr weiterer Tsunamis sei dort besonders hoch. Darum sollen hier etwa 30 bis 40 weitere Messstationen entstehen.

Für das GFZ ist es ein großes Projekt. 40 Millionen Euro hat Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn dafür bereitgestellt. Der GFZ-Wissenschaftler Jochen Zschau warnte aber bereits vor übertriebenen Erwartungen: Im Pazifik habe die Perfektionierung eines Frühwarnsystems mehr als 50 Jahre gedauert.

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Amerikanische Satellitendaten sollen Frühwarnung verbessern

Auch amerikanische Wissenschaftler wollen das Frühwarnsystem optimieren. Sie haben die Satellitendaten der Flutwelle im Indischen Ozean aufbereitet und wollen auf dieser Grundlage die Computermodelle für die Tsunami-Frühwarnung verbessern. Anhang der Aufnahmen mehrerer Satelliten konnte die Ausbreitung der Flutwelle auf offener See exakt ermittelt werden, wie Wissenschaftler der Behörde für Ozean- und Wetterforschung (NOAA) am Montag in Washington mitteilten.

Während die Flutwelle mit einer Höhe von mehreren Metern über die Küsten hereinbrach, ist sie auf offener See weitaus geringer. Die Satellitenauswertung ergab, dass die Hauptwelle zwei Stunden nach dem Seebeben vom 26. Dezember vor Sumatra etwa 60 Zentimeter hoch war. Nach drei Stunden und 15 Minuten waren es noch 41 Zentimeter und nach acht Stunden nur noch 5 bis 10 Zentimeter. Im Unterschied zu normalen Oberflächenwellen erfasst die Bewegung der Wassermassen beim Tsunami aber die gesamte Tiefe bis zum Meeresboden.

"Diese Messungen sind einzigartig und von unermesslichem Wert für das Testen und Verbessern von Tsunami-Computermodellen", sagte Lee-Lueng Fu vom JPL-Forschungslabor der Nasa in Pasadena. Die Satellitendaten vom 26. Dezember seien allerdings zu spät eingetroffen, als dass sie für eine akute Warnung hätten dienen können, erklärte der NOAA-Geophysiker Walter Smith.

Münchener Rück warnt vor Katastrophen in Millionenstädten

Die Münchener Rückversicherung hat vor der zunehmenden Katastrophengefahr für Millionenstädte gewarnt und mehr Vorbeugung gefordert. Mit Blick auf die Flutkatastrophe in Südostasien sagte Vorstandsmitglied Stefan Heyd am Dienstag: "Nicht immer werden solche Katastrophen große Städte aussparen." Vor allem Tokio und Los Angeles seien sowohl durch Erdbeben, Wirbelstürme und Überschwemmungen stark gefährdet.

Der Tsunami in Südostasien habe die weltgrößte Rückversicherung mit "unter 100 Millionen Euro belastet", sagte Heyd. Ein schweres Erdbeben in Tokio oder San Francisco dagegen würde die Münchener Rück jeweils 2,5 bis 3 Milliarden Euro kosten. Der globale Trend zu immer mehr und immer größeren Millionenstädten sei gefährlich: "Megastädte bedeuten Megarisiken", sagte Heyd. Solche Ballungsräume seien nicht nur durch Naturkatastrophen, sondern auch durch Industrieunfälle, Flugzeugabstürze, Epidemien und Terrorismus weit höher gefährdet. Bei der Städteplanung und Standortentscheidungen müsse das künftig stärker berücksichtigt werden.

Das Erdbeben in der japanischen Millionenstadt Kobe 1995 sei mit einem Schaden von über 100 Milliarden Dollar bis heute die teuerste Naturkatastrophe gewesen. Im Naturkatastrophen-Risikoindex der Münchener liege Tokio mit 760 Punkten mit weitem Abstand an der Spitze, gefolgt von San Francisco mit 167, Los Angeles mit 100 und dem Ballungsraum Osaka-Kobe-Kioto mit 92 Punkten. In Europa ist London am stärksten gefährdet mit 30 Punkten, in Deutschland das Ruhrgebiet mit 14 und das Rhein-Main-Gebiet mit 9,5 Punkten. Hier bestehe ein mittleres Risiko durch Stürme, Hagel, Erdbeben und Überschwemmungen.

DPA, AP