Klimawandel Hamburg will Klimaschutz-Hauptstadt werden


Hamburg soll nach dem Willen von Bürgermeister Ole von Beust eine führende Rolle im Klimaschutz übernehmen. Einer der wichtigsten Bausteine dafür soll ein neues Klimarechenzentrum für 43 Millionen Euro sein. Doch auch von Beust selbst will mit gutem Beispiel vorangehen.

Das gelte sowohl für die Forschung als auch für konkrete Maßnahmen gegen die Erderwärmung. Ein wichtiger Schritt sei ein neues Klimarechenzentrum, für das der Bund 33 Millionen und die Hansestadt 10 Millionen Euro zur Verfügung stellen, sagte Beust bei der ersten regionalen Klimakonferenz auf Einladung des Bundesforschungsministeriums in Hamburg.

Ein konkretes Konzept für den Kampf gegen Treibhausgase werde der Senat im Sommer vorlegen, versprach Beust. Ein zentraler Bestandteil sei, die Nutzung regenerativer Energien von jetzt 12 Prozent auf künftig 25 Prozent zu erhöhen. "Damit werden wir in Deutschland vorne liegen", sagte der Bürgermeister. Auch wenn es eher Symbolcharakter habe, werde Hamburg bei seinen Dienstwagen auf Modelle umsteigen, die eine hervorragende Kohlendioxidbilanz haben. Beust schlug vor, die Laufzeit der Kernkraftwerke um fünf Jahre zu verlängern und die Hälfte des Gewinns von geschätzt mehr als einer Milliarde Euro dem Klimaschutz zur Verfügung zu stellen.

Prof. Peter Herzig vom Leibniz Institut für Meereswissenschaften in Kiel plädierte für einen norddeutschen "Forschungsverbund Klimawandel", der die Kieler und Hamburger Institute für Meeres-, Wirtschafts-, Atmosphären- und Klimaforschung zusammenführt. Es gehe darum, den Ausstoß von Klimagasen zu begrenzen und sich an die Folgen der Erwärmung anzupassen. Daraus ergäben sich auch neue Chancen für die Wirtschaft.

Cuxhaven von Sturmfluten weniger stark betroffen

Hamburg muss sich nach Berechnungen des GKSS-Forschungszentrums in Geesthacht auf höhere Sturmflutwasserstände von maximal 82 Zentimeter im Jahr 2085 einstellen. Cuxhaven werde mit höchstens 23 Zentimeter höheren Sturmfluten weniger stark betroffen sein, sagte Prof. Hans von Storch. "Für Norddeutschland scheinen die Folgen beherrschbar." Der bereits eingetretene Temperaturanstieg habe bisher zu keiner signifikanten Vermehrung von Stürmen geführt. Bis zum Ende des Jahrhunderts könnte es aber zu zehn Prozent höheren Windgeschwindigkeiten in Norddeutschland kommen, sagte Storch.

Zur der Konferenz kamen mehrere hundert Vertreter aus Wissenschaft, Verwaltung und Politik. Nach dem jüngsten UN- Klimareport könnte in Folge der erwarteten Erderwärmung der Meeresspiegel um bis zu 60 Zentimeter in diesem Jahrhundert steigen. Die Küstenländer Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein betreiben Programme zur Deichsicherung, um die tief liegenden Küsten vor Sturmfluten zu schützen. Für Sicherungsmaßnahmen im Hamburger Hafen will die Hansestadt mehr als 90 Millionen Euro bereitstellen, sagte Wirtschaftssenator Gunnar Uldall (CDU) dem "Hamburger Abendblatt". Ein 600 Millionen Euro teures Programm zu Erhöhung der 100 Kilometer langen Deiche und Flutschutzmauern in Hamburg auf bis zu 8,5 Meter über Normal Null wird gerade beendet.

DPA DPA

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