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Klimawandel: Zugvögel müssen länger fliegen

Einige Zugvögel werden Ende des Jahrhunderts bis zu 400 Kilometer weiter fliegen müssen als bisher, haben Forscher herausgefunden. Grund dafür sei der Klimawandel: Aufgrund der Erderwärmung verschieben sich ihre Brutquartiere in Europa nach Norden.

Jedes Jahr machen sich etwa eine halbe Milliarde Vögel aus Afrika auf die Suche nach geeigneten Brutplätzen und fliegen nach Europa und Asien. Um diese Reise zu überstehen, müssten sie viel Gewicht zulegen. Vor allem Langstreckenzieher - jene Vögel, deren Route über die Sahara führt - seien besonders gefährdet, schrieb das Team um Stephen Willis von der Universität Durham im "Journal of Biogeography": Ihre Flugstrecke würde sich aufgrund der nach Norden verlagerten Brutgebiete deutlich verlängern. Einige Arten könnten sich anpassen, für andere dagegen sei die Zusatzbelastung lebensgefährlich.

Mit drei simulierten Szenarien untersuchten er und seine Kollegen von der Universität Cambridge, welche Auswirkungen die klimatischen Veränderungen auf die Brutgebiete und Winterquartiere europäischer Grasmücken bis zum Ende des 21. Jahrhunderts haben werden. Ihr Fazit: Für neun der 17 erfassten Arten wird sich die Reiseroute verlängern. Brutgebiete werden sich weiter Richtung Norden verschieben, die Lage der Winterquartiere hingegen bliebe so gut wie unverändert. Besonders betroffen seien die Singvogelgattungen Weißbartgrasmücke, Orpheusgrasmücke, Sperbergrasmücke und Dorngrasmücke. Sie müssten bis zu 400 Kilometer weiter fliegen, um geeignete Brutplätze in Europa zu erreichen.

Größeres Fettpolster nötig

Auch für andere Langstreckenzieher, deren afrikanisches Winterquartier südlich der Sahara liegt, wird sich die Flugstrecke verlängern - um doppelt so viele Kilometer wie die der Kurzstreckenzieher. Ein längerer Flug wiederum bedeutet, dass die Vögel ein größeres Fettpolster brauchen, um die kräftezehrende Reise zu bewältigen. Damit müsste sich das Gewicht der kleinen Singvögel vor dem Abflug um weitere fünf bis neun Prozent erhöhen, sagt Nathalie Doswald, Mitglied des Forschungsteams. Einige Grasmücken könnten sich zwar an wärmere Temperaturen anpassen, indem sie neue, kürzere Flugrouten wählten, sagt Willis. Allerdings müssten sie neue Brutgebiete oder neue Orte für Zwischenstopps mit geeigneter Nahrung finden - und das wird für eine Vogelart, die an sehr spezielle Umweltbedingungen angepasst ist, nicht immer möglich sein.

"Diese kleinen Vögel machen eine beeindruckende Reise, bei der sie bis an die Grenze ihrer Ausdauer gehen", sagte der Cambridger Professor Rhys Green. Alles, was diese Reisen verlängere, "kann den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten."

WSA/DPA / DPA