HOME

Kuriose Biologie: Meisen fressen Fledermäuse

Kohlmeisen wirken nicht besonders gefährlich - aber wenn die kleinen Sänger hungrig sind, stürzen sie sich tatsächlich auf schlafende Fledermäuse. Das berichten Biologen, die das Treiben der Vögel in Ungarn beobachteten.

Wenn Kohlmeisen in Hungerzeiten kein Futter finden, fressen sie schlafende Zwergfledermäuse. Dieses Verhalten haben Forscher des Max-Planck-Instituts für Ornithologie (Pöcking) in Ungarn beobachtet. Sorgten die Wissenschaftler dafür, dass die Meisen bei geschlossener Schneedecke ausreichend mit Sonnenblumenkernen oder Speck versorgt waren, ließen die Singvögel die Fledermäuse in Ruhe. Die Studie wird in den "Biology Letters" der britischen Royal Society veröffentlicht.

Die Forscher beobachteten die Kohlmeisen (Parus major) an 21 Tagen innerhalb von zwei harten Wintern. In dieser Zeit flogen die Singvögel insgesamt 18 Mal in eine Höhle, in der Zwergfledermäuse (Pipistrellus pipistrellus) ihren Winterschlaf hielten. Teilweise flogen die Meisen mit ihrer Beute im Schnabel wieder heraus und fraßen die Fledermäuse auf einem Baum in der Nähe. Die Höhle im Nordosten Ungarns hat einen großen Eingang, so dass sich die Meisen mit Hilfe des einfallenden Lichts noch orientieren können. In der Höhle finden die Vögel ihre Beute möglicherweise durch Laute, die im Winterschlaf gestörte Tiere beim Aufwachen ausstoßen. Diese Laute reichen vom für Menschen wahrnehmbaren Bereich bis in den Ultraschall. Auch Meisen können die Laute hören: Als die Ornithologen den Vögeln die Töne vorspielten, näherten diese sich interessiert dem Lautsprecher.

Bereits in den 40er Jahren hatten Meisen ihren Erfindungsreichtum bei der Nahrungssuche gezeigt: Auf den britischen Inseln lernten Blaumeisen, die vom Milchmann vor die Haustüren gelieferten Milchflaschen zu öffnen, um an die Sahne im Deckel zu kommen.

DPA / DPA
Themen in diesem Artikel