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NOBELPREIS Chemie-Nobelpreis für BSE-Forschung


Der diesjährige Chemie-Nobelpreis geht an einen Amerikaner, einen Japaner und einen Schweizer. Sie werden für die Entwicklung von revolutionären Analysemethoden ausgezeichnet.

Der Nobelpreis für Chemie geht in diesem Jahr an den Schweizer Kurt Wüthrich sowie den Amerikaner John Fenn und den Japaner Koichi Tanaka. Die Forscher haben nach Ansicht der Schwedischen Akademie der Wissenschaften revolutionäre Analysemethoden zur Identifizierung von Proteinen und deren Funktionsweise entwickelt und damit eine der Grundlagen für die modernen Biowissenschaften gelegt. Dopingtests, Lebensmittelkontrolle sowie die Frühdiagnostik von Brust- und Prostatakrebs oder Malaria beruhen heute auf ihren Erkenntnissen.

»Überglücklich und überrascht«

Der Biophysiker Wüthrich, der an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich lehrt und die eine Hälfte des Nobelpreises erhielt, reagierte am Mittwoch »überglücklich und überrascht« auf die Auszeichnung. »Ich bin froh, dass ein solcher Preis in die Schweiz kommt«, sagte Wüthrich in einer ersten Stellungnahme. Gerade in einem Moment, wo in der Schweiz vieles schief zu laufen scheine, zeige dies, dass gewisse Dinge auch recht gemacht würden, fügte er hinzu.

Dreidimensionalen Struktur von Makromolekülen

Wüthrichs Spezialgebiet ist die »Entwicklung der kernmagnetischen Resonanzspektroskopie (NMR) zur Bestimmung der dreidimensionalen Struktur von biologischen Makromolekülen«. Die Möglichkeit, Eiweißmoleküle nachzuweisen, im Detail zu analysieren und dreidimensional in Lösung darzustellen, gilt als entscheidend für ein besseres Verständnis der Lebensprozesse. Damit wurde vor allem die Entwicklung neuer Heilmittel revolutioniert, wie die Akademie betonte.

Die ETH wies darauf hin, dass Wüthrich bereits in den vergangenen Jahren mit seiner Prionenforschung Berühmtheit erlangt habe. Er habe die Strukturen von Prionen von Menschen, Mäusen und Rindern entschlüsselt. Dabei habe er zwischen Mensch und Rind größere Ähnlichkeiten festgestellt. Man habe an der ETH schon länger gemunkelt, sei aber jetzt vom Nobelpreis doch ein bisschen überrascht worden. Für die ETH sei es ein »Freudentag« und eine große Ehre.

Technologie für Dopingtest

Fenn und Tanaka teilen sich die andere Hälfte des Preisgeldes von zehn Millionen schwedischen Kronen (rund eine Million Euro). Sie wurden gemeinsam für ihre »Entwicklung von weichen Desorption/Ionisation-Methoden zur massenspektrometrischen Analyse von biologischen Makromolekülen« geehrt. Die Massenspektrometrie ist schon länger als Analysemethode bekannt, Forschungen in diesem Bereich wurden schon wiederholt mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Fenn und Tanaka entwickelten Methoden, um die Massenspektrometrie auch bei der Analyse von Makromolekülen wie Proteinen einzusetzen. Sie sind heute Standard zum Beispiel bei Dopingtests, wenn es um den Nachweis kleinster Mengen einer Substanz geht, oder auch bei Umweltanalysen.

BSE und Creutzfeldt-Jakob

Mit großer Freude und Genugtuung hat der Zürcher ETH-Professor Kurt Wüthrich am Mittwoch die Nachricht vom Nobelpreis für Chemie aufgenommen. Der 64-jährige Biophysiker und Vorreiter in der Prionenforschung will das Preisgeld unter anderem für sein neues Forschungslabor in den USA einsetzen. Für Aufsehen sorgte Wüthrichs Forschung vor allem im Zusammenhang mit dem Rinderwahnsinn BSE und der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit.

Über den Kreis der Wissenschaft hinaus sorgten Wüthrichs Forschungserfolge in den vergangenen Jahren im Bereich der Erforschung der Strukturen der Prionproteine für Aufsehen. Prionproteine sind körpereigene Eiweiße von Mensch und Tier, die bei tödlichen Krankheiten wie BSE, der Scrapie beim Schaf oder der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK) beim Menschen in verklumpter Form im Gehirn ausgeschieden werden. Wenn sich die Prionproteine in die krankhafte Form verwandeln, verlieren sie ihre Löslichkeit und lassen sich von Enzymen nicht mehr zerlegen, wie der Schweizerische Nationalfonds in einem Beitrag zu Wüthrichs Forschung schreibt. Chemisch unterscheiden sich die beiden Formen nicht. Bei Krankheiten wie BSE oder CJK liegt somit nur eine Veränderung der dreidimensionalen Anordnung des Prionproteins vor, was auch zur Erklärung herangezogen wird, dass es sowohl infektiöse, vererbte wie auch spontan auftauchende Formen dieser Krankheiten gibt.

»Ich verstehe die Sorge der Konsumenten«

Wüthrichs Forschungsteam stellte fest, dass die Prionproteine von Mensch und Rind sehr ähnlich sind. Die Übertragung des Rinderwahnsinns auf den Menschen könnte damit auf der Ebene der Moleküle möglich sein. Die Erkenntnis, dass die Ähnlichkeit der chemischen Struktur der Prionproteine auch für das Schwein und das Huhn gilt, lösten im vergangenen Jahr Befürchtungen über den »Hühnerwahn« aus. »Ich verstehe die Sorge der Konsumenten«, erklärte Wüthrich in der Web-Zeitung der ETH Zürich und fügte hinzu: »Ich glaube aber, dass diese in Bezug auf den Verzehr von Geflügel sicher nicht größer sein muss als beim Verzehr von Fleisch irgendwelcher Säugetiere.«


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