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Schädlinge: Raupen missbrauchen chemische Hilferufe

Raupen haben eine "Duftuhr": Durch Geruchsstoffe der Maispflanzen erfahren sie, wann sie sich ohne Gefahr an diesen gütlich tun können. Eigentlich sollen die Stoffe das Gegenteil bewirken.

Die Düfte der Maispflanzen bestimmen stärker als der Wechsel von Tag und Nacht die Aktivität der Raupen, wie japanische Forscher nun bei der Beobachtung einer nachtaktiven Raupenart herausgefunden haben. Über ihre Arbeit berichten Kaori Shiojiri von der Universität von Kyoto und seine Kollegen im Fachmagazin "PLOS Biology" (Bd. 4, Ausg. 6, e164).

Schlupfwespen sollen herbei gerufen werden

Viele Pflanzen bekämpfen ihre Schädlinge mit einem raffinierten Abwehrsystem: Sie geben ein chemisches Signal in die Luft ab, mit dem sie die Feinde ihrer Parasiten um Hilfe rufen. So wehren sich von bestimmten Schmetterlingsraupen befallene Maispflanzen, indem sie bestimmte organische Verbindungen verströmen und dadurch Schlupfwespen anlocken. Diese legen ihre Eier in die Schädlinge und töten sie damit ab.

Da die Wespen tagaktiv sind, produzieren die Pflanzen tagsüber mehr der chemischen Hilferufe als in der Nacht. An dieser Schwankung orientieren sich jedoch auch nachtaktive Raupen und werden dabei in ihrem Verhalten stärker beeinflusst als durch den Wechsel von Licht und Dunkelheit im Laufe eines Tages, konnten die Forscher in ihrer Studie nachweisen. Eine hohe Konzentration der Duftstoffe bedeutet für die Tiere Gefahr, eine niedrige Konzentration verheißt eine sichere Futtersuche.

Herkunft der Duftstoffe entscheidend

In ihren Tests setzten die Wissenschaftler einige der Raupen in kleine Plastikschalen mit Unterschlupfmöglichkeiten. Erhielten die Raupen nur künstliches Futter, gaben sie ihr nachtaktives Verhalten auf und versteckten sich tagsüber genauso häufig wie während der Nacht. Nun fingen die Wissenschaftler die von Pflanzen abgegebenen chemischen Duftstoffe ein und setzten danach die Raupen diesen Stoffen aus. Stammten die Duftstoffe von im Hellen stehenden Pflanzen, versteckten sich deutlich mehr Raupen, als wenn die Stoffe von Pflanzen im Dunkeln abgesondert worden waren. Ob die Raupen selbst im Dunkeln oder im Hellen saßen, hatte auf ihr Verhalten hingegen keinen Einfluss.

Weitere Untersuchungen sollen klären, welcher Stoff in dem Duftstoffgemisch das Verhalten der Raupen beeinflusst. Auch wollen die Wissenschaftler herausfinden, wie verbreitet diese Art der Kommunikation zwischen Pflanzen und Insekten ist.

DDP

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