Schädlingsbekämpfung Wespen sanieren Cranach-Altar


Im berühmten Erfurter Cranach-Altar ist der Wurm drin. Mit Schlupfwespen wurde auf biologische Weise gegen den Schädlingsbefall vorgegangen.

Der weltweit erste Einsatz von Wespen zur Bekämpfung von Holzwürmern ist am Dienstag im Erfurter Dom zu Ende gegangen: Fünf Wochen durften etwa 3000 Lagererz-Wespen den kulturhistorisch bedeutenden Cranach-Altar zum Objekt ihrer Begierde machen. Sie sollten dabei die Larven des Gemeinen Nagekäfers, im Volksmund Holzwurm genannt, unschädlich machen. "Die Proben gehen jetzt ins Labor nach Berlin", sagte der Sprecher des Bistums Erfurt, Peter Weidemann. Die Auswertung dauere etwa 14 Tage. Erst dann sei klar, ob die Wespen erfolgreich waren.

"Mit einem Stich gelähmt"

Um den Altar mit dem Bild "Verlobung der heiligen Katharina" von Lucas Cranach dem Älteren aus dem 16. Jahrhundert bot ein vier Meter hohes Zelt aus blauer Klima-Pappe mit 20 Grad Celsius ideale Lebensbedingungen für die Wespen, erklärte der Holzsachverständige Erhard Heinemann. Die Methode: "Die Wespen krabbeln in die Bohrgänge hinein und lähmen die Schädlinge mit einem Stich." Die Käferlarven werden dann von Wespenlarven gefressen. Der Holzfachmann zeigt auf das wurmstichige Holz an den Altarseiten: "Das Bild ist auch betroffen, aber nur ganz wenig." Er sammelt kleine Holzklötze vom Altar und legt sie in eine Styroporkiste. "Diese Probekörper waren mit Larven des Käfers bestückt." Im Labor wird ausgewertet, ob die Larven getötet wurden.

Schonendere Methode für Altar und Bild

Der Leiter des Bischöflichen Bauamtes, Andreas Gold, dämpft jedoch Hoffnungen auf eine endgültige Sanierung: "Wir rechnen nicht mit einem hundertprozentigen Erfolg." Der sei auch mit chemischen Verfahren wie der Begasung mit Stickstoff oder Kohlendioxid nicht erreichbar. "Der Wespeneinsatz kostet zwischen 3000 und 3500 Euro - die Stickstoffbegasung bis zu 5000 Euro", sagt er. Zudem sei die Wespen-Methode schonender für Altar und Bild.

Heinemann glaubt fest an den Erfolg seiner Wespen. "Wir haben sie in Petrischalen ausgesetzt und sie sind sofort ausgeflogen." Das sei ein gutes Indiz. Die Wespen werden zwar erstmalig beim Kampf gegen Holzwürmer angewendet. In Halle hat Heinemann sie aber bereits erfolgreich gegen Bücherwürmer - die Larven des Brotkäfers - in Büchern aus dem 15. Jahrhundert eingesetzt.

Bis die Besucher des Domes das Cranach-Bild wieder bewundern können, wird es noch etwas dauern. "In den nächsten zehn Tagen wird die Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Zelt an die des Domes angepasst", sagt Gold. Die Wespen sterben dabei den Kältetod. Dann wird das Zelt abgebaut.

Andreas Hummel/DPA DPA

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