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Schwule Pinguine: "Zwangsweise Belästigung durch weibliche Verführungskünste"

Die schwulen Pinguine des Bremerhavener Zoos sollen nicht weiter "zwangsbekehrt" werden. "Jeder kann hier nach seiner Facon selig werden", sagte die Zoodirektorin und gab damit den Protesten einer Homosexuellen-Vereinigung nach.

Die Pinguine von Bremerhaven dürfen schwul bleiben: Nach Protesten von Homosexuellen hat der Zoo klargestellt, dass die sexuelle Selbstbestimmung der einander zugetanen Pinguin-Männchen nicht beeinträchtigt wird. "Jeder kann hier nach seiner Facon selig werden", sagte Direktorin Heike Kück der Nachrichtenagentur AP am Freitag. Eine Zwangsbekehrung der drei männlichen Pinguin-Pärchen zum weiblichen Geschlecht sei weder intendiert noch möglich. Der Zoo hatte vier Weibchen importiert, um die Humboldt-Pinguine zur Zeugung von Nachwuchs zu animieren.

Humboldt-Pinguine vom Aussterben bedroht

In einer Protest-Email hatte unter anderem ein österreichischer Unterzeichner von dem Bremerhavener Oberbürgermeister Jörg Schulz und dem Stadtverordneten-Vorsteher gefordert, den Versuch an den "rechtsunmündigen Schutzbefohlenen" zu unterbinden. Die SPD-Politiker sollten den Humboldt-Pinguinen "die organisierte zwangsweise Belästigung durch weibliche Verführungskünste" ersparen, zumal sich das Vorhaben nicht mit der von der SPD ermöglichten Lebenspartnerschaft gleichgeschlechtlicher Paare vertrage.

Die Zoodirektorin erklärte zu Hintergründen des Versuchs, Humboldt-Pinguine seien vom Aussterben bedroht. Darum habe man feststellen wollen, ob die drei männliche Pärchen im Zoo für eine Vereinigung mit den Weibchen zu interessieren seien. Bislang zeigten die Männchen aber keinerlei Neigungen zum weiblichen Geschlecht. Der Zoo vermutet, dass der Versuch in diesem Jahr möglicherweise zu spät gestartet wurde.

Extra vier Weibchen aus Schweden "importiert"

Die diesjährige "Verpaarung", der die Brut- und Aufzuchtphase folgt, war laut Kück bereits abgeschlossen. Sie dauert bis zum Herbst. Der Zoo will jetzt den kommenden Winter abwarten. Dann soll sich erweisen, ob die Pinguin-Männchen die Weibchen grundsätzlich verschmähen oder einander bislang nur mangels Alternative zugetan waren.

Der Zoo hielt bis vor kurzen 14 Humboldt-Pinguine: zehn Männchen und vier Weibchen. Für die Paarungsversuche wurden Ende Januar vier weibliche Pinguine aus Schweden beschafft. Zusätzlich erhielt der Zoo zwei (bislang nicht geschlechtsreife) Männchen, damit die neuen Weibchen, wenn sie von den schwulen Pinguinen verschmäht werden, mehr Chancen auf einen Partner haben.

AP

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