Shuttle-Absturz Tausende Wrackteile über Texas und Louisiana verstreut


Sorge bereitet eine möglicheVerseuchung der Trümmer mit dem Giftstoff Hydrazin. Auch verkohlte Körperteile von Astronauten wurden gefunden. Ein Helfer: "Ich wünsche niemandem, das zu sehen".

Nach dem Absturz der "Columbia" hat für die Behörden eine mühsame Puzzle-Jagd begonnen: Die Trümmer der Raumfähre stürzten am Samstag über ein mehr als 1.000 Quadratkilometer großes Gebiet - von den Prärien in Nordtexas bis zu den Kiefernwäldern in Louisiana.

Angst vor giftigen Trümmerteilen

Verletzt wurde offenbar niemand, aber überall war die Angst groß, dass Trümmerteile mit giftigen Substanzen der Antriebsraketen verseucht sein könnten. Dazu gehört das nach Ammoniak riechende Hydrazin, das bei bloßer Berührung Gesundheitsschäden verursacht. Die Behörden riefen die Bevölkerung auf, jeden Fund sofort zu melden, die Stücke aber auf keinen Fall zu berühren. Auf der Suche nach "Columbia"-Teilen setzten die Streitkräfte Hubschrauber ein, Soldaten übernahmen die Sicherung der Trümmer, die bei den Ermittlungen der Unglücksursache von zentraler Bedeutung sind.

Trümemrregen über Texas

Ein Schwerpunkt des Trümmerregens war die texanische Stadt Nacogdoches, 217 Kilometer nordöstlich von Houston gelegen. Dort waren die meisten Wrackteile etwa einen Meter groß. Der 29-jährige Zahnarzt Jeff Hancock fand ein Trümmerteil in seiner Praxis. „Es kam durchs Dach und ist eine etwa 30 Zentimeter große Metallklammer.“ Auch auf dem Flugplatz der Kleinstadt gingen Trümmer der Raumfähre nieder.

Verkohlte Körperteile gefunden

In Hemphill wurden verkohlte Körperteile gefunden, darunter ein Hüftknochen und ein Schädel. "Ich wünsche niemandem, das zu sehen, was ich gesehen habe", sagte Billy Smith, der die Notfalleinsätze von drei Bezirken in Ost-Texas koordiniert. Auf einem nicht weit davon entfernten Bauernhof wurde die untere Hälfte eines verkohlten Körpers gefunden, wie die Zeitung "Dallas Morning News" am Sonntag berichtete.

Flugverbot für allgemeinen Verkehr

Bis Sonntag lagen Meldungen über Wrack-Teile aus einem 1.280 Quadratkilometer großen Gebiet vor. Möglicherweise sei die Region mit Trümmern der "Columbia" aber drei Mal so groß, sagte auf Katastrophengeografie spezialisierte Wissenschaftler James Kroll von der Stephen-Austin-Universität in Nacogdoches. Die Luftverkehrsbehörde FAA verhängte ein Flugverbot für den allgemeinen Verkehr, um die Ortung der Wrackteile aus der Luft abzusichern.

Schaulustige auf Wrackteil-Suche

Dort zogen die Wrackteile zahlreiche Schaulustige an. Jim Stutzman fand auf seinem Hof ein 23 Zentimeter langes und fünf Zentimeter breites Metallstück. "Es hat Hitzespuren und ist teilweise geschmolzen", berichtete Stutzman. "Als es zu Boden ging, ist dort etwas Gras verbrannt." Hinter einer Bank in Nacogdoches wurden Blumen niedergelegt. Dort kamen vor einem mit Bändern abgesperrten, 90 mal 90 Zentimeter großen Metallstück immer wieder Einwohner vorbei und bekundeten ihr Mitgefühl für die sieben ums Leben gekommenen Astronauten.

Funde auch im Wasserschutzreservoir

Im texanischen Bezirk Cherokee brachten Einwohner der Umgebung von Jacksonville und Palestine Wrackteile auf die Polizeiwache - was dort gar nicht gern gesehen wurde. Im Bezirk San Augustine, 225 Kilometer nordöstlich von Houston, wurden ein verkohlter Astronautenhelm und ein Raumfahrer-Abzeichen gefunden. Einwohner von Shreveport in West-Louisiana fanden ein Bündel glühender Drähte. Auch in ein nahe gelegenes Wasserschutzreservoir fielen Trümmerteile, eines so groß wie ein Auto. "Ich hörte, wie die Teile durch die Luft kamen", sagte der 69-jährige Elbie Bradley, der gerade beim Fischen war.


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