HOME

Tierische Wahrnehmung: Elefanten haben Radar für menschliche Feinde

Elefanten werden aus Fehlern, oder viel mehr aus den schmerzlichen bis tödlichen Erfahrungen, ihrer Artgenossen schlau. Forscher haben jetzt herausgefunden, dass die Dickhäuter genau unterscheiden können, welche Menschen sie töten wollen und welche nicht.

Elefanten können anhand des Geruchs und der Kleiderfarbe eines Menschen dessen Zugehörigkeit zu einer bestimmten Bevölkerungsgruppe erkennen. Dadurch können die Tiere einschätzen, wie hoch die Gefahr ist, die von diesem Menschen ausgeht. Das konnte nun erstmals ein schottisch-kenianisches Forscherteam durch Beobachtungen und Experimente belegen. Die Wissenschaftler um Lucy Bates von der Universität im schottischen St. Andrews veröffentlichen ihre Ergebnisse im Fachmagazin "Current Biology".

Die Forscher beobachteten Elefanten im Amboseli-Nationalpark im Südwesten Kenias direkt an der Grenze zu Tansania. Dort werden bereits seit 1972 das Sozialverhalten, die Altersstruktur und Veränderungen in der Population der dort lebenden Elefanten im Rahmen des "Amboseli Elephant Research Project" untersucht. In dem Gebiet leben unter anderem die Volksgruppen der Massai und der Kamba. Die Massai sind Viehzucht betreibende Nomaden, deren junge Krieger die Elefanten mit Speeren jagen, um ihre Männlichkeit zu beweisen. Die sesshaften Kamba, die hauptsächlich Ackerbau betreiben, stellen hingegen für die Tiere keine Gefahr da. Die Wissenschaftler wollten deshalb herausfinden, ob die Elefanten in der Lage sind, die verschiedenen Bevölkerungsgruppen und ihre Gefährlichkeit zu unterscheiden und ob dabei Geruch und Kleiderfarbe unabhängig voneinander als Erkennungsmerkmale dienen.

Elefanten können Feinde riechen

Die Forscher testeten die Reaktionen der Elefanten auf den Geruch von sauberer, ungetragener Kleidung, fünf Tage lang von Massai-Männern getragener Kleidung und fünf Tage lang von Kamba-Männern getragener Kleidung. Rochen die Tiere den Geruch von Massai-Männern, rannten sie deutlich schneller davon und entfernten sich auch weiter von den Kleidungsstücken, als dies der Fall in den anderen zwei Versuchsbedingungen war. Sie benötigten zudem länger um sich wieder zu beruhigen. Vor den von den Kamba-Männern getragenen Kleidungsstücken rannten die Elefanten zwar langsamer und nicht so weit davon, aber dennoch schneller und weiter als vor dem Geruch der ungetragenen Kleidung.

In einem weiteren Versuch wurden den Tieren saubere, ungetragene Kleidungsstücke gezeigt, die entweder Rot oder Weiß gefärbt waren, da die Massai bevorzugt rote Kleidung tragen, während die anderen Völker verschiedene Farben für ihre Kleidung benutzen. Auf die rote Farbe reagierten die Elefanten deutlich aggressiver als auf die weiße Kleidung und nahmen eine drohende Haltung ein. Die Forscher erklären dieses Verhalten mit dem Fehlen des bedrohlichen Geruches, der den Tieren die Nähe der Massai signalisiert, so dass sie gefahrlos ihre Antipathie gegenüber ihren Feinden zeigen konnten. Elefanten sind daher tatsächlich in der Lage, die Angehörigen verschiedener Gruppen ein und derselben Art zu erkennen und ihre Gefährlichkeit zu bewerten, lautet das Fazit der Forscher.