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UN-Naturschutzkonferenz: Jede Art zählt

Das Artensterben zu bremsen - dazu haben sich die meisten Staaten der Welt verpflichtet. Wie sie dieses Ziel erreichen, das ist allerdings noch die Frage. Auf der größten und bedeutendsten Naturschutzkonferenz des Jahres diskutieren ab dem 19. Mai rund 5000 Teilnehmer in Bonn über mögliche Maßnahmen.

Das Ziel der UN-Naturschutzkonferenz ist klar: Bis zum Jahr 2010 soll das weltweit stattfindende Artensterben gebremst werden. Ein kompletter Stopp ist nicht mehr möglich, nehmen Experten an. Die biologische Vielfalt ist allein in den Jahren 1970 bis 2005 um 27 Prozent gesunken, wie aus einem aktuellen Bericht der Umweltschutzorganisation WWF hervorgeht.

Delegierte aus 190 Staaten beraten vom 19. bis 30. Mai in Bonn, wie die Artenvielfalt erhalten werden soll. Unter anderem geht es um die Einrichtung von Schutzgebiete, welche die Zerstörung von Wäldern und Meeren bremsen soll. Ein Streitpunkt wird dabei sicher die Frage sein, wie der zusätzliche Naturschutz finanziert wird. Konflikte sind auch beim Thema "Biopiraterie" programmiert: Gerade ärmere Länder verfügen oft über große biologische Ressourcen - ein klassisches Beispiel ist der Regenwald mit seinen unzähligen Tier- und Pflanzenarten. Einige von ihnen dienten schon als Vorbild bei der Entwicklung neuer Medikamente. Wie aber wird ein Staat gerecht beteiligt, falls ein Konzern aus einer in diesem Land heimischen Pflanze tatsächlich eine Arznei entwickelt?

Die Zeit für weitere Naturschutzmaßnahmen drängt: Die Vorgaben einer vorangegangen UN-Naturschutzkonferenz und des Weltgipfels von Johannesburg im Jahr 2002 lauten, die Verlustrate an biologischer Vielfalt bis zum Jahr 2010 "signifikant zu reduzieren". "Die Konvention steht am Scheideweg", sagte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) im Vorfeld der Konferenz. "Entweder es gelingt uns jetzt, bis zum Jahre 2010 den Schutz der biologischen Vielfalt weltweit grundlegend voranzubringen, oder wir beweisen der Weltbevölkerung, dass es nicht viel wert ist, wenn 190 Staaten - fast alle Staaten der Erde - ein Übereinkommen unterschreiben.

Kosten der Naturzerstörung

Auch Biosprit, der Treibstoff vom Acker, dürfte ein Thema werden. Nicht nur wegen der ökologischen Folgen des immer mehr ausgeweiteten Anbaus sondern auch wegen der Explosion der Nahrungsmittelpreise.

Erstmals sollen zudem Ergebnisse einer internationalen Studie über die weltwirtschaftlichen Kosten der Naturzerstörung vorgestellt werden, die von der Bundesregierung in Auftrag gegeben wurde.

Die UN-Naturschutzkonferenz - so der offizielle Titel der Bundesregierung - soll die Weichen stellen für ein völkerrechtlich bindendes Vertragswerk. Das könnte dann in zwei Jahren in Japan abgesegnet werden. Da Beschlüsse bei völlig unterschiedlichen nationalen Interessen einstimmig getroffen werden müssen, ist mit zähen Verhandlungen zu rechnen. Bisher blieb es meist bei hehren Erklärungen, und auf acht Konferenzen gab es nur bescheidene Fortschritte.

Kaum Fortschritt in Sachen Gentechnik-Haftung

Keinen Durchbruch gab es auf der am 16. Mai beendeten UN-Konferenz zu Risiken der Gentechnik in der Landwirtschaft, die ebenfalls in Bonn stattfand. Zwar einigten sich die Teilnehmer im Grundsatz auf eine verbindliche Haftung bei möglichen Schäden. Staaten oder Behörden sollen demnach direkt Verursacher oder Hersteller wie Gentechnik-Konzerne zur Verantwortung ziehen und Wiedergutmachung fordern können. Die rund 2000 Vertreter aus etwa 150 Ländern konnten sich nach fünftägigen Verhandlungen aber noch nicht auf ein fertiges Abkommen über internationale Haftungs- und Wiedergutmachungsregelungen einigen. Dieses Vertragswerk soll in zwei Jahren auf der nächsten Konferenz in Japan verabschiedet werden - falls sich die Staaten in noch weiter notwendigen Detailverhandlungen einigen können.

DPA/bub / DPA
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