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Verhaltensforschung: Affen mit Managerqualitäten

Schimpansen agieren ähnlich wie kleine Manager: Sie können in Kategorien von Produktivität und Effektivität denken. Außerdem haben die Menschenaffen eine soziale Seite, die Forschern bisher unbekannt war.

Wissenschaftler des Max-Planck-Institutes für evolutionäre Verhaltensforschung in Leipzig haben bei Versuchen in Uganda herausgefunden, dass Schimpansen erkennen können, wann sie Hilfe brauchen. Wenn nötig, suchen sie sich nicht die erstbesten Helfer, sondern die, deren Unterstützung am hilfreichsten ist.

"Niemals zuvor haben wir bei Tieren ein so hohes Maß an Verständnis für kooperatives Handeln festgestellt", sagte die Max-Planck-Forscherin Alicia Melis. "Wir fanden heraus, dass Schimpansen besonders effektive Helfer bevorzugen." Über ihre Studie berichten die Leipziger Forscher in der Fachzeitschrift "Science".

Die Affen mussten bei den Experimenten an verschieden langen Seilen ziehen, um an ein mit Futter beladenes Holzbrett zu kommen. War das Seil zu weit entfernt, holten sich die Schimpansen gezielt andere Artgenossen aus dem Nebenraum zu Hilfe. Dabei erinnerten sie sich genau, wer ein guter und wer ein schlechter Helfer gewesen ist. Schlechte Helfer holten die Affen kein zweites Mal zur Unterstützung.

Affen waren fast so hilfsbereit wie Kleinkinder

Zudem fanden die Leipziger Forscher heraus, dass Schimpansen in manchen Situationen uneigennützig helfen. Die Affen hoben heruntergefallene Gegenstände für ihren Pfleger auf, ohne dafür belohnt zu werden. In ähnlichen Tests zeigten 18 Monate alte menschliche Kleinkinder eine noch ausgeprägtere Hilfsbereitschaft als die Tiere.

Felix Warneken und Michael Tomasello untersuchten zunächst, wie 24 eineinhalbjährige Kinder in insgesamt zehn verschiedenen Situationen reagierten, bei denen ein fremder Erwachsener Schwierigkeiten hatte. Beispielsweise schauten die kleinen Probanden zu, wie jemand vergeblich versuchte, nach einer heruntergefallenen Wäscheklammer zu greifen. Daraufhin hoben die meisten Kinder die Klammer für den scheinbar Hilflosen auf. Warf der Erwachsene dagegen einen Gegenstand achtlos weg, so blieb die Hilfe der Kinder aus.

Waren schon die Vorfahren des Menschen Altruisten?

Selbst Kleinkinder können die Ziele anderer verstehen und tragen schon Altruismus in sich, schlossen die Forscher. Ein ähnliches, wenn auch wesentlich schwächer ausgeprägtes Verhalten zeigten drei junge Schimpansen in vergleichbaren Tests: Auch die Tiere überreichten ihrem Pfleger Gegenstände außer Reichweite ohne Belohnung, allerdings versagte ihre selbstlose Hilfe in komplexeren Situationen.

Aus den Ähnlichkeiten zwischen Schimpansen und Menschen bei Altruismus und Zusammenarbeit schließen die Forscherteams, dass wahrscheinlich schon der gemeinsame Vorfahr beider Spezies solche Qualitäten besessen hat.

AP/DDP / AP
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