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Wale: Tödliche Falle Strand

An der Küste Neuseelands sind fast 80 Grindwale gestrandet. 40 Tiere konnten wieder ins Meer bugsiert werden, doch für 37 kam jede Hilfe zu spät - sie sind tot. Wissenschaftler streiten darüber, warum es immer wieder zu den mysteriösen Massenstrandungen kommt.

An der Küste Neuseelands sind fast 80 Grindwale gestrandet. Rund 70 freiwillige Helfer sowie 15 Umweltbeamte aus der Stadt Whangarei waren im Einsatz, um die bis zu sechs Meter langen und 3,5 Tonnen schweren Wale zu retten. Die Helfer schafften es, 40 der Tiere zurück ins Meer zu bugsieren. Für 37 der Tiere kam jedoch jede Hilfe zu spät: Sie starben auf dem Sand, wie die Sprecherin der Umweltbehörde, Sioux Campbell, mitteilte.

Bei solchen Rettungsaktionen ist laut Volker Homes, Walexperte vom WWF, höchste Eile geboten: " An Land können die Tiere nur wenige Stunden überleben, denn sie trocknen sehr schnell aus." Zudem seien die Organe und das Skelett dafür ausgelegt vom Wasser getragen zu werden.

Viele hundert Wale folgen einem Leittier

Wie die neuseeländische Umweltbehörde mitteilte, seien die geretteten Grindwale zurück ins Meer geschwommen. Doch am Strand von Whangarei auf der Nordinsel seien Wachen zurück geblieben, weil sie eine Rückkehr der Säuger fürchteten, sagte Sue Campbell Radio Neuseeland. Ein Jungtier, das sich von der Gruppe entfernt hatte, wurde eingeschläfert. Campbell zufolge bestand die Gefahr, dass das sterbende Tier andere Wale mit seinen Rufen wieder an den Strand zurück gelockt hätte.

Warum gleich so viele Tiere auf einmal stranden, hat bei den Grindwalen die Ursache darin, dass diese Walart nach Auskunft von Volker Homes größere Gruppen von mehreren hundert Tieren bilden können, die einem Leittier folgen. "Wenn sich das Leittier verschwimmt, dann folgen ihm alle anderen." Weshalb sich die Meeressäuger jedoch überhaupt verschwimmen und es zu den Massenstrandungen kommt, haben Wissenschaftler allerdings noch nicht herausgefunden.

U-Boot-Sonar könnte die Orientierung der Wale stören

In den meisten Theorien wird dem Menschen eine Mitschuld an dem Phänomen gegeben. So wird vermutet, dass die Lärmzunahme in den Ozeanen durch Militär und Seismologie eine Belastung für die Wale darstellt und ihre empfindliche Echo-Orientierung stört. "Vor allem das Militär verwendet zur U-Boot-Ortung sehr laute niederfrequente Sonarwellen, die sich im Wasser viel stärker ausbreiten als an der Luft. Diese Wellen haben zu organischen Schäden und zur Desorientierung bei Walen geführt", sagt Volker Homes. Dass der Mensch jedoch generell an allen Strandungen schuld ist, bezweifelt der Experte.

Einer anderen Theorie nach verursacht die zunehmende Verschmutzung der Meere das Phänomen der Massenstrandungen. Forscher der amerikanischen Universität Yale vermuten insbesondere, dass die giftige Chemikalie TBT, die an Schiffs-Unterwasseranstrichen verwendet wird, die Orientierungsstörung der Wale verursacht. TBT schädige das Gehör der Wale und mache sie nahezu taub.

Sind Winde und Kaltwasserströmungen schuld?

Im Jahr 2005 veröffentlichten australische Wissenschaftler eine Theorie, die die Ursache der Strandungen vor der Küste Australiens in Winden und kalten Meeresströmungen ausmacht. Karen Evans von der University of Tasmania und ihre Kollegen werteten Daten von insgesamt 639 Strandungen an der südost-australischen Küste von 1920 bis 2002 aus. Beim Vergleich mit Klimainformationen der Region fanden die Wissenschaftler den Zusammenhang zwischen Walen, Winden und Wasserströmungen.

Das Stranden der Meeressäuger könnte ihrer Ansicht nach daher zwei Ursachen haben: Entweder rauben die Winde den Tieren Orientierung und Kraft direkt. Oder ein durch die Winde verursachter nährstoffreicher Wasserstrom führt die Tiere vermehrt in Küstennähe.

Häufig Strandungen in Neuseeland

Der flach abfallende Strand an der Küste Neuseelands ist schon häufig zur tödliche Falle für Wale geworden. Erst Anfang des Jahres waren mehr als vierzig Wale gestrandet. Mit dramatischem Ausgang: Fast alle Tiere mussten erschossen werden, weil sie nicht mehr gerettet werden konnten.

Jens Lubbadeh
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