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Mageninhalt analysiert: Forscher verraten, was Ötzis letzte Mahlzeit war

Sein Bogen war nicht bereit für die Jagd. Wie also hat sich Gletschermann Ötzi ernährt? Forscher kennen nach mehr als 5000 Jahren die Antwort. Seine letzte Mahlzeit ist auch heute noch eine bekannte Spezialität.

Eine Rekonstruktion der Gletschermumie Ötzi steht mit nacktem Oberkörper in einem Schaukasten des Südtiroler Archäologiemuseums

So ähnlich dürfte Gletschermann Ötzi ausgesehen haben. Seine letzte Mahlzeit war eine Art Speck.

Der Gletschermann Ötzi könnte kurz vor seinem Tod vor rund 5300 Jahren ein Stück Speck gegessen haben. Darauf weisen neueste Analysen seines Mageninhalts hin, berichtet die österreichische Nachrichtenagentur APA. Da Ötzi von der italienischen Seite auf das Tisenjoch in den Ötztaler Alpen aufstieg, habe es sich um den steinzeilichen Vorläufer einer heutigen Spezialität gehandelt; genauer gesagt um "sehr fettes, getrocknetes Fleisch, vielleicht eine Art Speck". Südtiroler Speck ist inzwischen eine von der Europäischen Union geschützte regionale Spezialität.

Dass die letzte Mahlzeit des Manns aus dem Eis Steinbockfleisch war, ist schon länger bekannt. "Getrocknetes und rohes Fleisch behält seine Fasern, so wie wir sie in Ötzis Magen gefunden haben", sagte nun der Mumienspezialist Albert Zink in Wien. Da Ötzis Bogen nicht einsatzfähig für die Jagd war, müsse es sich um getrocknetes Fleisch gehandelt haben. Ein rohes Stück wäre zu schnell verdorben. Zink forscht am Institut für Mumien und den Iceman der Europäischen Akademie (Eurac) in Bozen.

Ötzi einst von einem Pfeil niedergestreckt

Ötzi lebte zwischen 3350 und 3100 vor Christus in der Kupfersteinzeit. Er wurde hinterrücks mit einem Pfeil niedergestreckt. Wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge war der Gletschermann mit etwa 1,60 Metern für die Zeit durchschnittlich groß, wog um die 50 Kilogramm und war etwa 45 Jahre alt, als er mit dem Pfeil ermordet wurde. Zinks Team fand auch heraus, dass Ötzi mit einem Bakterium infiziert war, das Magengeschwüre verursacht. Allen Problemen wie etwa schlechte Zähne und verschlissene Bänder zum Trotz sei er körperlich in "ziemlich guter Verfassung" gewesen, schrieb Zink kürzlich im US-Fachmagazin "Science".

Im September 1991 wurde die Eismumie in der italienisch-österreichischen Grenzregion fast unversehrt entdeckt. Wissenschaftler sprechen von einem Jahrhundertfund. Ötzi lagert im Archäologischen Museum in Bozen.

dho / DPA / AFP