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Rover Perseverance Nasa erzeugt Sauerstoff auf dem Mars: Warum es dabei um viel mehr geht als nur um Atemluft

Rover Perseverance: Nasa erzeugt Sauerstoff auf dem Mars: Warum es dabei um viel mehr geht als nur um Atemluft
Sehen Sie im Video: Nasa-Rover Perseverance gewinnt zum ersten Mal Sauerstoff vom Mars.




Die NASA hat am Mittwoch eine weitere Premiere vom Mars bekannt gegeben: Zum ersten Mal konnte Sauerstoff aus der dünnen Luft des roten Planeten gewonnen werden. Möglich machte das ein experimentelles Gerät namens „Moxie", das von dem sechsrädrigen Roverfahrzeug „Perseverance" getragen wird. In dem ersten Versuch konnten 5 Gramm Sauerstoff gewonnen werden - genug für einen Astronauten, um 10 Minuten lang zu atmen. Nach Angaben der NASA wird Sauerstoff nicht nur benötigt, um eines Tages Menschen auf den Mars zu bringen, er ist auch entscheidend für den Treibstoff, um sie wieder nach Hause zu bringen.
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Erstmals ist es dem Mars-Rover Perseverance gelungen, auf einem anderen Planeten Sauerstoff zu erzeugen. Die Pioniertat ist ein entscheidender Schritt hin zu einer bemannten Mission – und das nicht nur, weil Astronauten Sauerstoff zum Atmen brauchen.

Auf der Erde ist Sauerstoff allgegenwärtig, wie wir alle in jeder Sekunde unseres Lebens spüren. Auf anderen Planeten dagegen ist das lebenswichtige Gas Mangelware. Das macht eine bemannte Mission zum Beispiel auf dem Mars so enorm kompliziert. Da es viel zu teuer und umständlich wäre, Sauerstoff in großen Tanks immer wieder auf den im günstigsten Fall neun Monate Flug entfernten Roten Planeten zu transportieren, denken die Wissenschaftler schon seit längerer Zeit daran, Sauerstoff an Ort und Stelle zu erzeugen – aus den Zutaten, die dort vorhanden sind. Genau das ist der Nasa jetzt gelungen.

Mithilfe des "Mars Oxygen In-Situ Resource Utilization Experiments" – kurz "Moxie" genannt – wandelte der Rover Perseverance Kohlendioxid aus der Atmosphäre des Roten Planeten in Sauerstoff um, teilte die US-Raumfahrtbehörde am Mittwoch mit. Das Experiment fand am 20. April statt. Dabei spaltete "Moxie", äußerlich ein goldener Kasten von der Größe einer Autobatterie, über elektrische und chemische Prozesse das vorhandene CO2 auf und gewann auf diese Weise Sauerstoff. Nicht weniger als ein Meilenstein hin zu einer bemannten Mars-Mission in nicht allzu ferner Zukunft sowie zu einer späteren Besiedlung unseres äußeren Nachbarplaneten. Oder wie es die Nasa ausdrückt: "Das könnte den Weg von Science fiction zu Science fact ebnen."

Mars-Raketen brauchen mehr Sauerstoff als Astronauten

Geräte wie das "Moxie" könnten also Mars-Astronauten mit der nötigen Atemluft versorgen. Doch es geht sogar um noch mehr. "Sauerstoff ist nicht nur das, was wir atmen", erläutert Jim Reuter von der für das Experiment zuständigen Nasa-Direktion für Weltraumtechnologie-Missionen (STMD). Auch "Raketentreibstoff hängt von Sauerstoff ab, und künftige Entdecker werden darauf angewiesen sein, Treibstoff auf dem Mars zu produzieren, um die Heimreise anzutreten."

Um vier Astronaut:innen von der Marsoberfläche aufsteigen zu lassen, sind rund sieben Tonnen Raketentreibstoff notwendig, rechnet die Nasa vor. Um diese Menge Treibstoff zu verbrennen, brauche eine Rakete ein Vielfaches an Sauerstoff – in diesem Beispiel rund 25 Tonnen. Dagegen ist die Versorgung von Astronaut:innen mit Atemluft ein winziges Problem. "Astronauten, die ein Jahr auf der Oberfläche [des Mars, Anm. der Red.] verbringen, werden vielleicht eine Tonne verbrauchen", setzt "Moxie"-Forschungsleiter Michael Hecht vom renommierten Massachusetts Institute of Technology (M.I.T.) den Sauerstoff-Bedarf in Relation.

Wie häufig bei solchen Pioniertaten ist es noch ein langer Weg bis zum Einsatz im Ernstfall. "Moxie" hatte nach einer Betriebsstunde etwa 5,4 Gramm Sauerstoff erzeugt. Das reicht gerade einmal für zehn Minuten Atemluft bei normaler Aktivität eines Astronauten oder einer Astronautin, so Hecht. Aber das Experiment habe belegt, dass es funktioniert. "Und die Ergebnisse sind vielversprechend", stellt Jim Reuter von der SMTD fest. 

Quelle: Nasa; Nachrichtenagentur DPA


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