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Eiszeit Traumpaar – in Sibirien haben Menschen als Erstes Wölfe domestiziert und dann mit Hunden gelebt

In einer kleinen Insel der Fruchtbarkeit haben sich Wölfe und Menschen aneinander gewöhnt.
Auf einer kleinen Insel der Fruchtbarkeit haben sich Wölfe und Menschen aneinander gewöhnt.
© Ettore Mazza / PR
15.000 Jahre lang lebten Menschen während der letzten Eiszeit isoliert in Sibirien. Genfunde zeigen, dass sich diese Menschen als erste mit Wölfen angefreundet haben.

Heute verbindet man Sibirien mit unglaublicher Kälte und harten Lebensbedingungen. Kein Wunder, dass zuerst der Zar und dann Stalin alle dorthin verbannten, die sie nicht wiedersehen wollten. In der letzten Eiszeit war das ganz anders. Während ein großer Teil West-Europas von einem lebensfeindlichen Eispanzer bedeckt war, lebte es sich in einem kleinen Teil von Sibirien recht gemütlich. Klimadaten, archäologische Funde und DNA-Nachweise zeigen, dass dort Pferde, Mammuts und andere Tiere lebten und sie wiederum zogen Fleischfresser an. Menschen und Wölfe.

Tausende von Jahren existierten alle gemeinsam isoliert auf einer Überlebensinsel und dort wurden auch die ersten Hunde domestiziert, das sagt eine neue Studie, die in "Proceedings of the National Academy of Sciences" veröffentlicht wurde.

Auf die Idee kamen die Forscher, als sie Daten über DNA-Funde von Hunden mit denen von Menschen verglichen. Offenbar brachten schon die ersten Menschen, die Amerika über die damalige Landbrücke zwischen Alaska und Sibirien erreichten, auch die ersten Hunde mit. Die DNA zeigt, dass Hunde- und Menschen die gleiche Migrations- und Siedlungsgeschichte haben.

Angela Perri, von der Durham University, sagt, dass es unter den alten amerikanischen Hunderassen "zwei Hauptgruppen gibt, die einen gemeinsamen Vorfahren vor etwa 23.000 Jahren haben." Und der kam aus Sibirien. Eine Menschengruppe, die als Alt-Nordsibirier bekannt ist, vermischte sich mit einer anderen Gruppe, von der sich dann die Ureinwohner Amerikas vor etwa 21.000 Jahren abspalteten. Und offenbar haben die Nordsibirier den späteren Amerikanern nicht nur Gene, sondern auch ein paar Hunde mit auf den Weg gegeben (Lesen Sie auch: Wieso der Hund das gefährlichste Raubtier wurde).

15.000 Jahre Einsamkeit

In der Zeit von vor etwa 30.000 Jahren bis vor 15.000 Jahren hatten die Menschen in Sibirien keinen Kontakt mit der Außenwelt. Alles deutet darauf hin, dass die alten Nordsibirier in dieser Zeit als erste Menschen Wölfe domestiziert haben, vermutlich weil die von den Resten der Jagd angelockt wurden. David Meltzer, Mitautor der Studie, sagt, dass diese Sibirier in kleinen Gruppen von etwa 25 Personen in einer weiten, offenen Landschaft lebten. Aber sie waren sehr kontaktfreudig, denn sie heirateten außerhalb der kleinen Gruppen. "Die Menschen tauschten Informationen aus, sie tauschten Partner aus, sie tauschten vielleicht auch ihre Wolfswelpen aus."

"Diese Leute haben wahrscheinlich in Pelzen auf dem Boden geschlafen und Fleisch auf dem Feuer geröstet", sagt Meltzer. "Wenn Sie ein hungriger Fleischfresser sind und ein Mammut auf dem Grill riechen, werden sie neugierig."

Die klassische Theorie der Domestizierung von Hunden sagt, dass Wölfe immer näher an menschliche Rastplätze heranrückten, um Nahrung zu fressen, wobei sich die am wenigsten schüchternen über Hunderte oder Tausende von Jahren zu den Hunden entwickelten, die wir heute kennen. Aber damit das funktioniert, musste der Bewegungsradius von Menschen und Wölfen beschränkt sein. Und das trifft auf die kleine grüne Insel in Sibirien zu, in der Wölfe und Menschen 15.000 Jahre lang gemeinsam gefangen waren.

Seltsamer Zufall 

Gerade jetzt meldet die "Siberian Times", dass der Prozess auch umgekehrt funktioniert. Sich selbst überlassene streunende Hunde sind in die Wildnis zurückgekehrt. Dort jagen sie in Rudeln wie Wölfe. Die Fotos zeigen, wie sie eine Gruppe Rentiere einkesseln und über eine Klippe treiben.

Quelle: Proceedings of the National Academy of Sciences

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