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Miltärgeschichte Wer war Pyrrhus und was machte seine Siege so gefährlich?

Pyrrhus konfrontierte die Römer erstmals mit Kriegselefanten.
Pyrrhus konfrontierte die Römer erstmals mit Kriegselefanten.
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Über einen Pyrrhussieg kann man sich nicht freuen. König Pyrrhus gilt als einer der besten Feldherren der Antike. Er eilte von Triumph zu Triumph und konnte doch nicht siegen.

Der "Pyrrhussieg" ist eine bekannte Redewendung. Jeder weiß, was damit gemeint ist, nämlich ein vergifteter Erfolg, der so kostspielig errungen wurde, dass er den Sieger dem Ruin nahebringt.

Doch kaum jemand kennt die Geschichte von König Pyrrhus. Der herrschte in der Epoche nach Alexander dem Großen. Der zentrale Raum des Mittelmeers wurde damals von Königen beherrscht, die sich auf ihre militärischen Fähigkeiten stützten. Unter ihnen war König Pyrrhus der Mächtigste. Er hinterließ ein Buch zur Kriegsführung, das von Generälen in der gesamten Antike verwendet wurde. Hannibal nannte ihn den größten Feldherren, den die Welt kannte – noch vor Alexander dem Großen. Mit dem war Pyrrhus sogar über eine Großtante verwandt.

Ein Mann des Krieges

Im Jahr 282 v. Chr. kam es zum Krieg zwischen Rom und der griechischen Stadt Tarent in Süditalien. Die Römer dehnten den Raum ihrer Herrschaft nach Süden aus und kamen in Konflikt mit dort herrschenden Griechen. Die Bewohner von Tarent konnten diesen Konflikt nicht gewinnen, sie riefen Pyrrhus um Hilfe. Ein Jahr später landete er mit einer großen Armee in Süditalien. Er wurde von vielen anderen Herrschern unterstützt, wohl auch weil sie froh waren, dass der Hitzkopf in Italien beschäftigt war.

Sein Heer bestand aus 20.000 Infanteristen, die die einer makedonischen Phalanx kämpften, 3000 Mann schwerer thessalischer Kavallerie, 2000 Bogenschützen und 500 Schleuderern. Außerdem brachte er 20 Kriegselefanten nach Italien. Die Römer trafen das erste Mal auf den Panzer der antiken Kriegsführung.

Zunächst verlief der Feldzug ganz nach dem Geschmack des kriegerischen Königs. Wie Alexander war er ein Abgott seiner Soldaten, er feuerte sie in der Schlacht an und stürzte sich selbst an der entscheidenden Stelle in den Kampf. So errang er zwei Siege gegen die Römer: bei Heraclea 280 und bei Ausculum im Jahr 279.

Das Ende des Zeitalters der Phalanx

Dabei kam es zu einem erwartbaren Problem: Auch wenn die Griechen den Sieg davontrugen und die Römer Verluste hinnehmen mussten, fielen auch viele Griechen. Die Verluste des Gegners mochten größer sein, aber sie waren nicht vernichtend. Die Phalanx-Taktik der Griechen führte nur zu vernichtenden Niederlagen, wenn die Linie des Gegners brach und seine Truppen in wilder Flucht davonliefen. Zu komplexen Umfassungsmanövern, die für eine Vernichtungsschlacht notwendig waren, war die Phalanx eigentlich nicht geeignet.

Endgültig zeigte sich die Unterlegenheit der sonst mächtigen Phalanx kurze Zeit später in bei Pydna am Olymp in Nordgriechenland. Dort vernichtete Lucius Aemilius Paullus am 22. Juni 168 v. Chr. das Heer des Königs Perseus von Makedonien vollständig. Paullus manövrierte den schwerfälligen Rammbock der Phalanx mit der römischen Manipular-Taktik aus, die komplexe Bewegungen einzelner Truppenteile ermöglichte.

Pyrrhus verlor in seinen Schlachten seine besten Männer, die kampferprobten Epiroten – die Gefährten aus seinem eigenen Königreich, die seiner Sache bedingungslos folgten. Die Epiroten standen in Zentrum der Kämpfe, jeder Tote war unersetzlich, da er für diese Elitekrieger keinen Ersatz in Italien finden konnte. Nach dem Sieg bei Ausculum bemerkte Pyrrhus das Fehlen dieser Offiziere und Soldaten. Als ihm die Verbündeten zu seinem Sieg gratulierter, sagte der König der Epiroten: "Noch ein solcher Sieg, und wir werden verloren sein."

Im Tod wie im Leben 

Also verließ Pyrrhus Süditalien. Dann kämpfte er an Seite der Griechen in Sizilien gegen die Katharger. Trotz glänzender Siege konnte er sie nicht von der Insel vertreiben. Mit dem Rest seiner Truppen kehrte er nach Griechenland zurück. Nur um dort weitere Kriege zu beginnen.

272 v. Chr. fiel er in einem Straßenkampf in Argos. Er wollte gerade einen Soldaten töten, als dessen Mutter einen Ziegel vom Dach ihres Haues nach dem kriegerischen König warf. So die Legende. Pyrrhus starb, wie er gelebt hatte.

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