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Whatsapp-Protokoll: Chat geleakt: AfD-Landeschef Poggenburg fordert "Deutschland den Deutschen"

In einer Whatsapp-Gruppe sollen sich Funktionäre der AfD Sachsen-Anhalt ausgetauscht haben - über eine mögliche "Machtübernahme" und dass man Journalisten "sieben" müsse. Auch Landeschef André Poggenburg hielt sich mit zweifelhaften Äußerungen nicht zurück.

Andre Poggenburg

Sachsen-Anhalts AfD-Chef André Poggenburg sieht in "Deutschland den Deutschen" kein Problem

Es sind Worte, wie man sie als Politiker wohl nur schreibt, wenn man sich unbeobachtet fühlt. Von einer "Machtübernahme" ist da die Rede, und dass man nach derselben alle Journalisten überprüfen und "sieben" müsse. "Chefs sofort entlassen, volksfeindliche Medien verbieten", schreibt einer. Ein anderer: "Ohne die Medien zu kriegen, keine Macht" Das hätten schon der "kleine Doktor" und "selbst die 68er-Arschlöcher" erkannt. "Wir müssen die Medien unterwandern, sonst wird es ganz schwer." Mit dem "kleinen Doktor" ist vermutlich Joseph Goebbels gemeint.

Die Passagen wurden im Internet veröffentlicht und sollen laut "Berliner Morgenpost" aus einem Whatsapp-Chat der AfD Sachsen-Anhalt stammen. Dass die Whatsapp-Gruppe echt ist, hat der AfD-Bundestagskandidat Andreas Mrosek der Zeitung gegenüber bestätigt. Ob das veröffentlichte Protokoll komplett authentisch ist oder ob Passagen verändert wurden, ist noch unklar. Es sei "unschön gerade im Wahljahr, dass das veröffentlicht worden ist", so Mrosek zu der Zeitung. Rund 200 Nutzer aus der AfD Sachsen-Anhalt seien demnach in der Gruppe.

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"Deutschland den Deutschen"

Wenn der Chat so stattgefunden hat, vermittelt er tatsächlich ein bitteres Bild. Der AfD-Landesvorsitzende André Poggenburg selbst hat sich demnach mit höchst fragwürdigen Formulierungen zu Wort gemeldet. So schlägt er dem Bericht zufolge etwa eine Schulung zum Thema "Erweiterung der Außengrenzen" vor. Und: "Deutschland den Deutschen", schreibt er auf dem Weg zu einer Vorstellung der Bundestagskampagne - und setzt ein Smiley dahinter.

Brisant dabei: Wegen exakt dieser Formulierung hatte erst im April die AfD in Mecklenburg-Vorpommern ihren Vize-Vorsitzenden Ralph Weber abgemahnt.  Die Äußerung "Deutschland den Deutschen" sei "als gebräuchliche Kampfparole der NPD bekannt", hieß es damals in der Begründung der Partei. Tatsächlich skandieren Rechtsextreme den Spruch auf Demonstrationen, auch bei den massiven rassistischen Ausschreitungen in Rostock 1992 wurde er gegrölt.

André Poggenburg sieht darin jedoch ganz offensichtlich kein Problem. In einem Twittereintrag bekräftigt er seine Aussage noch einmal. "Wieso sollte mich das in Bedrängnis bringen? Natürlich gehört 'Deutschland den Deutschen' u so soll's auch bleiben!" Auch in einer Stellungnahme bestätigte er das.


Schon im Winter wurden Chatprotokolle publik

Wie die Passagen an die Öffentlichkeit gelangt sind, ist nicht bekannt. Laut "MDR" ist über das Protokoll im Landtag von Sachsen-Anhalt jedoch bereits ein heftiger Streit entbrannt. Landtags-Vizepräsident Wulf Gallert (Die Linke) soll dort in Richtung AfD gesagt haben: "Dass Sie nach der Machtübernahme die Journalisten aussieben wollen, die Chefredakteure absetzen wollen, die entsprechenden Medien verbieten wollen und nicht ein einziger der 200 Teilnehmer widerspricht – das sagt alles über Ihr Rechtsstaatverständnis."

Es sind nicht die ersten parteiinternen Chatprotokolle, die publik werden. Im vergangenen Winter berichtete der stern exklusiv über die Whatsapp-Diskussionen einer internen Gruppe der AfD in Nordrhein-Westfalen. Die Auszüge machten klar, wie kühl intern taktiert und welcher Gehorsam von den Deligierten verlangt wird, wenn es etwa um Abstimmungen geht.

In dem Verlauf waren auch Sätze zu lesen wie: "Demokratie ist halt nur gut, wenn sie einem nützt."

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car
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