VG-Wort Pixel

Afghanistan Treffen in Katar: USA kündigen erste Gespräche mit den Taliban an

Taliban
Kämpfer der Taliban in Kabul.
© Oliver Weiken / Picture Alliance
Nach Russland plant nun auch die USA Gespräche mit den Taliban. Das Treffen soll bereits am Wochenende in Doha stattfinden. Wer daran teilhaben wird, ist nicht bekannt.

Zum ersten Mal seit dem Truppenrückzug aus Afghanistan wollen sich die USA mit den radikalislamischen Taliban an einen Tisch setzen und Gespräche führen. Das wurde nun angekündigt. Wie ein Sprecher des US-Außenministeriums am Freitagabend sagte, soll eine US-Delegation am Samstag und Sonntag in der katarischen Hauptstadt Doha mit hochrangigen Taliban-Vertretern zusammentreffen. Allerdings betonte das Außenministerium, dass das Treffen nicht bedeute, dass die USA die Taliban-Herrschaft in Afghanistan anerkennen würden.

"Wir sind nach wie vor der Meinung, dass die Taliban sich ihre Legitimität durch ihre eigenen Handlungen verdienen müssen", sagte der Sprecher. Es ist bislang unklar, wer die beiden Seiten vertreten wird. "Wir werden die Taliban drängen, die Rechte aller Afghanen, einschließlich der Frauen und Mädchen, zu respektieren und eine inklusive Regierung mit breiter Unterstützung zu bilden", sagte der Sprecher. 

Erstes Treffen seit Truppenabzug Ende August

Da Afghanistan mit einem schweren wirtschaftlichen Abschwung und einer "möglichen humanitäre Krise" konfrontiert sei, "werden wir die Taliban auch dazu drängen, humanitären Organisationen freien Zugang zu den bedürftigen Gebieten zu gewähren", sagte er. Die USA wollen auch darauf hinarbeiten, dass die Taliban die Ausreise von US-Bürgern und ehemaligen Ortskräften gewährleisten.

Die Taliban hatten Mitte August nach dem Rückzug der Nato-Truppen die Macht in Afghanistan übernommen, seitdem kämpfen sie um die internationale Anerkennung ihrer Regierung. Die USA und auch weitere westliche Länder wie Deutschland stehen bereits seit der darauffolgenden Evakuierungsaktion mit den Taliban in Kontakt. Damals traf der Chef des Zentralkommandos der US-Streitkräfte, General Frank McKenzie, mit Taliban-Vertretern zusammen, als US-Truppen die Kontrolle auf dem Flughafen von Kabul für die Organisation einer großen Luftbrücke übernahmen. 

"Sie sind die ersten Opfer": Was müssen Frauen unter den Taliban jetzt fürchten?

Nach Angaben der USA haben die Taliban bei der Ausreise von US-Bürgern bislang weitgehend kooperiert. Die US-Regierung räumte jedoch ein, dass sie nicht in der Lage war, die meisten der ausreisewilligen afghanischen Ortskräfte mit der überstürzten Luftbrücke aus dem Land herauszuholen. Auch Russland sucht den Kontakt. Das Land hat Vertreter der Taliban für den 20. Oktober nach Moskau geladen. An dem Treffen, an dem auch Vertreter anderer Länder wie China, Iran, Pakistan und Indien teilnehmen sollen, soll ebenso über die Zukunft Afghanistans gesprochen werden.

tpo AFP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker