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"Hard Choices": Die vier Kernthesen der Hillary Clinton

Sie wähnt die Mittelschicht in Not - und will für Jobs und Minderheitenrechte kämpfen. Hillary Clintons Buch "Hard Choices" verrät viel über die Frau, die Amerikas erste Präsidentin werden könnte.

Die frühere US-Außenministerin Hillary Clinton tourt mit einer Lesereise durch die USA und stellt ihre neue Autobiografie vor. Das Buch könnte den Grundstein für eine Präsidentschaftsbewerbung legen. Der stern hat das Buch schonmal für Sie gelesen.

"Auf das Klima kommt es an, Dummkopf!"

Der Slogan, mit dem Bill Clinton 1992 George H.W. Bush besiegte, hieß: "It’s the economy, stupid!" ("Auf die Wirtschaft kommt es an, Dummkopf!"). Tritt Hillary Clinton 2016 an, könnte einer ihrer Slogans lauten: "It’s the climate, stupid!" Sie versteht die heraufziehende Bedrohung. Der Südwesten des Landes leidet unter Dürren. In der Mitte steigt die Zahl der Tornados. An der Ostküste drohen Überflutungen, wie zuletzt beim Wirbelsturm Sandy, und in Alaska taut der Permafrost.

Für Hillary Clinton ist der Klimawandel eine Tatsache. "Extreme Wettereignisse nehmen nachweislich zu. Wenn dieser Trend anhält, werden Millionen Menschen zu Klimaflüchtlingen, der Wettlauf um knappe Ressourcen wie Trinkwasser wird weiter angeheizt, und instabile Staaten werden weiter destabilisiert." Hillary Clinton will, dass die USA beim Klimaschutz "eine Vorreiterrolle" übernehmen.

Sie schreibt: "Obwohl die Treibhausgasemissionen der USA auf den niedrigsten Stand seit zwanzig Jahren gesunken sind, gibt es noch eine Menge zu tun. Ob Amerika dabei eine Führungsrolle übernehmen kann, hängt davon ab, was wir in unserem Land auf die Beine stellen. Die anderen Länder werden sich uns nicht anschließen, nur weil wir es ihnen sagen. Sie wollen sehen, dass wir selber ernsthafte Schritte unternehmen - und genau das sollten wir uns vornehmen."

Gleichberechtigung - und Realismus

Hillary Clinton ist eine Menschenfreundin. Ihr Einsatz für Frauen, Kinder, Familien, Schwule und Leben ist ehrlich. Auf Veranstaltungen zu diesen Themen tritt sie oft mit ihrer Tochter Chelsea auf. Auch auf glattem diplomatischen Parkett in Russland, China oder Uganda sprach Hillary Clinton die Menschenrechtsverletzungen von Schwulen, Leben oder Bisexuellen in den jeweiligen Ländern an. Hillary Clinton ist aber auch eine Machtpolitikerin. Sie sagt: "Menschenrechte befördern auch unsere strategischen Interessen." Aber manchmal, so schreibt sie, müsse man auch Kompromisse machen. Eine Präsidentin Clinton wäre aber auch zu Rücksichtnahmen und Kompromissen bereit. Sie schreibt: "Es macht mir nichts aus, dass ich im Lauf der Jahre mal als Idealistin, mal als Realistin bezeichnet wurde. Am treffendsten wäre wohl eine Mischform."

Jobs, Jobs, Jobs

Hillary Clinton ist Marktwirtschafterin. (Auf Deutschland übertragen: näher an Positionen der FDP als an denen der Union). Sie hat viele Freunde und Gönner an der Wall Street. Sogar Lloyd Blankfein, der Chef von Goldman Sachs zählt zum Hillary-Lager. Als Außenministerin setzte sie sich vehement für die Interessen von US-Firmen ein. Zum Beispiel für General Electric bei einem Kraftwerksdeal in Algerien. Für UPS und Fedex in China. Für Boeing in Russland.

Sie treibt Handelsabkommen mit Asien, Nord- und Südamerika voran. Das transatlantische Freihandelsabkommen mit Europa (TTIP) steht weit oben auf ihrer Agenda. Ihre Logik: Handel schafft Jobs. Und gut bezahlte Jobs sind rar in den USA. Wie Obama und viele Präsidenten vor ihm, verspricht auch sie, die Mittelschicht zu fördern. Bei Hillary Clinton hat die Mitte aber auch eine politische Bedeutung. In ihrem Buch lesen wir: "Wenn es Menschen gelingt, in die Mittelschicht aufzusteigen, verlangen sie meist auch eine rechenschaftspflichtige Regierung, effiziente öffentliche Dienstleistungen, bessere medizinische Versorgung, eine saubere Umwelt und Frieden. Und der Sirenengesang des politischen Extremismus wird dann weniger verlockend klingen. Es liegt in unserem Interesse, dass die globale Mittelschicht wächst und mit ihr die Zahl derer, die unsere Werte teilen." Marktwirtschaft als politische Instrument - typisch für Hillary Clinton.

Den amerikanischen Traum erneuern

Für Hillary Clinton (geboren 1947) ist der "amerikanische Traum" keine Worthülse. Sie selbst hat ihn erlebt. Sie hat gesehen, dass Freundinnen und Freunde aus Arbeiter- und Mittelschichtsfamilien den gesellschaftlichen und ökonomischen Aufstieg geschafft haben. Getreu dem Motto: "Alles ist möglich, du musst dich nur anstrengen." Und wie ist es heute? Clinton schreibt: "Das Einkommen der Mittelklasse sinkt, die Armut steigt, da fast sämtliche Früchte des Wachstums allein jenen an der obersten Spitze zugutekommen."

Was also tun? Clinton kündigt an, für bessere Jobs, höhere Löhne, für mehr Chancengerechtigkeit einzutreten. "Nur auf diese Weise", so schreibt sie, "lässt sich der amerikanische Traum erneuern, lassen sich unser Wohlstand und unsere globale Führungsrolle sichern." Das werde nicht einfach, räumt sie ein und fügt hinzu: "Aber wie heißt es doch in einem meiner Lieblingsfilme 'A League of their own - Eine Klasse für sich': Es muss schwer sein. Wenn es nicht so wäre, könnte es ja jeder!"

Auszüge aus Clintons Buch ...

... lesen Sie im neuen stern.

Von Norbert Höfler und Martin Knobbe, New York