"Muster des internationalen Terrorismus" USA legen Terror-Statistik vor


Laut einer US-Statistik sind im vergangenen Jahr mehr 1900 Menschen durch internationalen Terrorismus getötet worden - dreimal so viele wie im Jahr zuvor. Experten streiten aber über die Aussagekraft dieser Zahlen.

Das Terrornetzwerk Al Kaida hat nach einem Bericht des US-Außenministeriums an Schlagkraft verloren, 2004 aber dennoch die größte terroristische Bedrohung für die USA dargestellt. Von Al Kaida inspirierte Gruppen hätten an Bedeutung zugenommen, erklärte der Regierungsbeamte Philip Zelikow bei der Vorstellung des Berichts "Muster globalen Terrorismus" in Washington. Als Beispiel wurde unter anderem der Anschlag auf die U-Bahn in Madrid vom März 2004 genannt.

Mehr Terrorakte - oder nur mehr Informationen?

Mehr als 1900 Menschen sind nach Angaben der USA im vergangenen Jahr durch internationalen Terrorismus getötet worden. Das waren der Statistik zufolge rund drei Mal so viele wie im Jahr 2003. Allerdings wiesen Experten daraufhin, dass dies wohl eher auf den besseren Informationsfluss und die stärkeren Bemühungen um solche Zahlen zurückzuführen sei, als auf eine solch starke Zunahme terroristischer Akte.

Den US-Angaben zufolge starben im vergangenen Jahr 1907 Menschen durch "maßgebliche terroristische Anschläge". 2003 seien es 625 gewesen. 6704 Menschen seien verletzt worden, nach 3646 Verletzten im Vorjahr. 554 Tote wurde bei 201 Anschlägen im Irak verzeichnet. 2003 waren es 117 Tote und 22 Anschläge gewesen. Im Kaschmir-Konflikt kamen den jüngsten US-Angaben zufolge 434 Menschen bei 284 Anschlägen ums Leben. Zwölf Monate zuvor seien es 111 Opfer bei 52 Angriffen gewesen.

Die Zahlen gelten als politisch sensibel, da die US-Regierung im vergangenen Jahr mit fehlerhaften Statistiken Erfolge im Kampf gegen den internationalen Terrorismus untermauern wollte. Nach heftiger Kritik der US-Demokraten im Kongress hatte die Regierung die Zahlen angehoben.

Alles Definitionssache

Das Nationale Terrorabwehrzentrum bereitet unterdessen für Juni eine neue Liste vor, die auf einer "realistischeren Definition von Terrorismus" beruht, wie der amtierende Direktor des Zentrums, John Brennan, erklärte. Dann sei mit einer Zunahme der Fallzahlen zu rechnen. In die am Mittwoch veröffentlichte Liste sei beispielsweise nur eines von zwei russischen Flugzeugen aufgenommen worden, die im vergangenen Jahr von Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt wurden. In diesem Flugzeug habe sich ein Israeli befunden, während im anderen ausschließlich Russen saßen. Deshalb sei dies als innerrussischer Zwischenfall gewertet worden.

"Es ergibt keinen Sinn, dass die Definition von Terrorismus davon abhängt, dass erst die Nationalität aller Opfer überprüft wird", sagte Brennan. Im vergangenen Jahr war das Außenministerium nach der Präsentation des jährlichen Berichts dafür kritisiert worden, die Zahl der Anschläge viel zu niedrig angegeben zu haben.


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