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"Schwarzbuch" zur Deutschen Bahn: Marodes Schienennetz und längere Fahrtzeiten

Das Schienennetz der Deutschen Bahn weist nach Recherchen von ZDF-Reportern schwerwiegende Mängel auf.

Das Schienennetz der Deutschen Bahn weist nach Recherchen von ZDF-Reportern schwerwiegende Mängel auf. Sie gefährden die Sicherheit und führen auf etlichen Strecken zu längeren Fahrzeiten, wie es im neuen "Schwarzbuch Deutsche Bahn" heißt, das an diesem Montag erscheint. Das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) stellt nach Angaben eines Insiders aus der Behörde jedes Jahr bei den Gleisanlagen mehrere hundert Verstöße gegen Rechtsnormen fest.

Meistens werde "die Bahn erst aktiv und behebt den Mangel, wenn wir damit drohen, einen Bescheid zu machen", wird der Informant zitiert. Anders als früher seien auch keine EBA-Mitarbeiter mehr im Einsatz, um die Strecken routinemäßig zu kontrollieren.

In dem rund 300 Seiten starken "Schwarzbuch" dokumentieren zwei Mitarbeiter des ZDF-Magazins "Frontal 21", Christian Esser und Astrid Randerath, Missstände und Fehlentwicklungen bei der Bahn in den vergangenen Jahren. Sie stützen sich dabei auch auf interne Dokumente aus dem Unternehmen und veröffentlichen Erfahrungsberichte von Bahnmitarbeiten und Fahrgästen.

Die Zahl sogenannter Langsamfahrstellen, die auf Mängel wie baufällige Weichen oder marode Brücken zurückzuführen sind, ist nach Darstellung des "Schwarzbuches" deutlich höher als von der Bahn ausgewiesen. Auf solchen Abschnitten müssen die Züge langsamer fahren als es die Strecke eigentlich zuließe. Die Bahn nehme Langsamfahrstellen aus ihrer Statistik heraus, wenn sie länger als sechs Monate bestehen, und übernehme die längeren Fahrzeiten einfach in den Fahrplan. So sei zu erklären, warum sich die Zahl der mängelbedingten Langsamfahrstellen von 928 im August 2008 innerhalb eines halben Jahres auf weniger als 10 reduziert habe.

DPA / DPA
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