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50 Tage "Occupy Wall Street": Zähneklappern in der Keimzelle der Revolution

Die "Occupy-Wall-Street"-Bewegung hat in den USA und weltweit Nachahmer gefunden - und global für Aufruhr gesorgt. Aber wie geht's den Demonstranten der ersten Stunde in New York? Ein Ortsbesuch.

Von Ann-Charlott Karsten, New York

Es ist kalt geworden inmitten der Wolkenkratzer. Kaum ein Sonnenstrahl findet seinen Weg in das Zeltlager der Wall-Street-Gegner. Eine blaue Plastikplane reiht sich an die nächste. Die vielen Zelte machen das Camp unübersichtlich und undurchsichtig. Jeder kann unbemerkt kommen und gehen. Nur noch wenige Touristen drängen sich in das Gewühl aus Zelten, Demonstrierenden und Debattierenden. Kaum einer stellt Fragen. Keine Kamerateams von großen TV-Sender belagern den Platz noch mit ihrer Ausrüstung. Vieles hat sich seit Mitte September verändert, manches aber ist gleich geblieben.

Enthusiastisch wie am Anfang

Die meisten Demonstranten sind immer noch genau so enthusiastisch wie am Anfang. Sie stehen zu ihrer Gruppe, sind stolz darauf, Vorreiter für ungefähr 700 "Occupy"-Gruppen weltweit gewesen zu sein. Vielen wollen ausharren, selbst im kalten Winter, der nun naht. Aber den New Yorkern setzt der Regen und der erste schwere Schneesturm des Jahres zu. Ihre Zelte wurden komplett zerstört. Viele Teile des Camps mussten neu errichtet werden. Ein spürbarer Hauch von Unmut liegt in der Luft. Einige Demonstranten reden nicht mehr mit der Presse und verschanzen sich mit dicken Pullis, Thermohosen und Stiefeln lieber in den Zelten.

Dazu kommt der Bauzaun, den Polizisten um das Zeltlager aufgestellt haben. Er grenzt das Camp von der Strasse und den umliegenden Gebäuden ab. Es ist wie ein Käfig, der die Demonstranten zu exotischen Tieren im Großstadtzoo macht. Aber wer hier Jäger und Gejagter ist, darüber teilen sich die Meinungen. Polizisten des New York Police Departments belagern das Camp. Willkommen sind sie nicht. "Es sind mehr Polizisten geworden, die sich hier rumtreiben. Sie sind aggressiver - sie sind das einzig Aggressive bei 'Occupy Wall Street", sagt Kevin. "Ich habe von der Bewegung im Fernsehen gehört und bin sofort aus Pennsylvania angereist. Seit Tag drei lebe ich nun hier und habe nicht erst eine Konfrontation mit den Polizisten mitbekommen."

Die Stimmung wird gereizter

Der 21-Jährige ist selbst Opfer eines Polizeiübergriffs geworden. Kevin hat Schrammen am Kinn. Vor zwei Wochen wurde er auf dem Weg zum Eastriver von einem Polizisten in den Nacken getreten. Grundlos, wie er sagt. Sein Kopf ist auf dem Bordstein aufgeprallt. Er war eine Stunde bewusstlos und wurde von seinen Freunden versorgt. Warum er angegriffen wurde, weiß Kevin nicht. "Ich falle doch gar nicht negativ auf! Ich trage normale Pullis und eine Hosen wie jeder andere auch!" Bislang galt die "Occupy-Wall-Street"-Bewegung als eine friedliche, gewaltfreie Protestaktion. Aber es gibt erste Strömungen, die radikaler sind - brutaler. Im kalifornischen Oakland besetzten Demonstranten vergangene Woche den Hafen. Nachts kam es zu schweren Ausschreitungen und Straßenschlachten mit der Polizei.

Auch in New York ist die Stimmung angespannter als in den ersten Tagen, es brodelt. 78 Aktivisten mussten vor Gericht erscheinen, die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, die öffentliche Ordnung gestört zu haben. Selbst im Zeltlager ist die Unruhe zu spüren. An den wenigen Bäumen im Zuccotti Park hängen Fahndungszettel. Fotos von jungen Männern, die aus dem Camp verwiesen worden sind, da sie Frauen sexuell belästigt haben sollen. Auch von mutmaßlichen Drogendealern, die sich unter die Demonstrierenden mischten und Stoff verticken wollten.

"Ich fühle mich eigentlich sicher hier. Was mich aber dennoch stört, sind psychisch kranke Obdachlose, die uns anpöbeln", sagt Kevin. "Ich kann verstehen, dass sie wegen des sicheren Schlafplatzes und kostenloser Verpflegung herkommen - wer würde das nicht genau so machen. Aber nicht alle Obdachlosen sind Teil unserer Gruppe und interessieren sich für das Anliegen." Was nach 50 Tagen fehlt, ist die Leichtigkeit. Wo sind die Gitarristen und Bongospieler abgeblieben? Selbst die Megaphone sind verstummt. Lautes Rufen von Parolen? Fehlanzeige. Der warme New Yorker Spätsommer ist endgültig vorbei. Der Winter steht unmittelbar bevor. Und damit wird's deutlich unbequemer. Jeder weiß das. Und doch erledigt jeder noch seinen Job im Camp: Bücher einsortieren, Mülleimer leeren, Flyer verteilen, Spenden einsammeln.

"Hoffentlich geraten wir nicht in Vergessenheit"

Bis zum 18. Oktober hat "Occupy Wall Street" fast 500.000 Dollar an Spenden bekommen. Davon ungefähr 333.000 Dollar über die Internetseiten. Aber Geld allein hilft den Demonstranten auch nicht, ihre Ziele zu verfolgen und ihre Anliegen durchzusetzen. Es ist nur das Mittel zum Zweck, zum Überleben. Kevin ist froh darüber, wie viele Menschen sich weltweit der Bewegung anschließen. Er hofft, dass noch mehr dazu kommen. Die politischen Erfolge lassen seiner Meinung nach dennoch zu wünschen übrig. "Ich hoffe, wir geraten nicht in Vergessenheit. So lange wir noch hier und in den Medien bleiben, ist alles in Ordnung." Rein physisch gesehen, liegt der härteste Teil ihrer Besetzungsaktion noch vor ihnen. Auch wenn die Polizisten vor dem Zaun bleiben; der Frost wird in wenigen Wochen ungefragt mit einziehen ins Camp. Die Campbewohner sind sich aber in einem einig: Sie bleiben.

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(