Afghanistan Deutsche Geisel fleht in Video um Hilfe


Zwei Wochen nach der Entführung zweier Deutscher in Afghanistan hat Al-Dschasira ein Video der noch lebenden Geisel gesendet. Darin fleht der entführte Ingenieur um Hilfe - und fordert Deutschland und die USA zum Truppenabzug auf.

Der arabische Sender Al-Dschasira sendete am Dienstag ein Video, auf dem der entführte 62-jährige Deutsche zu sehen ist - im Hintergrund wird er von einem maskierten Taliban-Kämpfern mit einem Granatwerfer bedroht. Nach Angaben des Senders fleht der Mann um Hilfe. Die Bundesregierung bezeichnete das Video als "gezielt lanciertes Dokument der Einschüchterung".

Forderung nach Truppenabzug

Der Ingenieur, bekleidet mit einer Fleece-Jacke und Jeans, spricht in dem Video offenbar direkt in die Kamera. Nach Angaben des Nachrichtensprechers von Al-Dschasira bittet er die Bundesregierung und die USA, "die Truppen aus Afghanistan abzuziehen", damit er zu seiner Familie zurückkehren könne. Das Video zeigt den Mann in einer felsigen Landschaft. Nach Angaben von "Spiegel Online" ist das Video vermutlich schon mehrere Tage alt. Die Bilder seien auf einem Memorystick gespeichert worden, die letzte Änderung der Datei wurde angeblich am 28. Juli, also dem vergangenen Samstag, vorgenommen.

Zu deutschen Medienberichten, wonach in dem Video auch die Freilassung von zwölf Taliban-Kämpfern gefordert wird, sagte ein Sprecher von Al Dschasira, dies sei nicht erwähnt worden. Die Aufnahme zeigt auch vier Afghanen, die dem Sender zufolge zusammen mit dem Deutschen entführt worden sein sollen. Der Satellitensender machte keine Angaben dazu, wie er in den Besitz des Videos gelangt ist.

Letzter Aufenthaltsort in Ghasni

"Die Experten des Krisenstabes sind dabei, die Videobotschaft sorgfältig zu analysieren und auszuwerten", sagte der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Martin Jäger. Der Deutsche befand sich nach letzten Informationen zumindest noch am Montag in der südlichen Provinz Ghasni in der Hand einer örtlichen Taliban-Gruppe, die einen eher kriminellen Hintergrund hat und nur lose Verbindung zu den Rebellen um Mullah Omar und Taliban-Sprecher Kari Jussif Ahmadi unterhalten soll.

Der 62-jährige Deutsche war am 18. Juli zusammen mit einem Kollegen in der Provinz Wardak verschleppt worden. Die Leiche des Kollgen war wenige Tage später mit mehreren Schusswunden gefunden worden, derzeit wird der Körper obduziert. Das Ergebnis steht noch aus.

Bangen um Südkoreaner

Einen Tag nach den beiden Deutschen waren im Süden Afghanistans auch 23 Südkoreaner, Anhänger einer christlichen Freikirche, verschleppt worden. Für ihre Freilassung fordern die Taliban die Entlassung von acht Gesinnungsgenossen aus afghanischen Gefängnissen. Zwei Geiseln wurden bereits erschossen. Zwei Frauen der Gruppe sind nach Angaben der Taliban "sehr schwer erkrankt". Die Entführer haben den Regierungen in Kabul und Seoul ein Ultimatum gestellt. Sollten nicht bis Mittoch 12 Uhr (afghanische Ortszeit) acht Gesinnungsgenossen entlassen werden, würden weitere Geiseln getötet, so Taliban- Sprecher Ahmadi am Dienstag. Das Präsidialamt in Seoul forderte ein Ende dieser "abscheulichen" Morde.

DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker