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Vorfälle stark angestiegen: Antisemitismus in Frankreich: Demonstrationen im ganzen Land

Nach den Attacken auf Friedhöfe und den Philosophen Finkielkraut haben Politiker in Frankreich zu Demonstrationen aufgerufen. In den vergangenen Wochen waren Juden und jüdische Einrichtungen zunehmend zur Zielscheibe von Gewalt geworden.

Demonstration auf dem Platz der Republik in Frankreich

Auf der Demonstration auf dem Platz der Republik in Frankreich kamen vor allem Politiker. Das französische Volk soll nur begrenzt zugegen gewesen sein. 

DPA

Wegen zahlreichen antisemitischen Vorkommnissen in den vergangenen Wochen haben die großen Parteien in Frankreich die Bevölkerung zu Demonstrationen aufgerufen. Unter dem Motto "Nein, der Antisemitismus, das ist nicht Frankreich!" setzten Tausende Menschen in 60 Städten, darunter Lille, Toulouse, Marseille und Paris, ein Zeichen gegen die zuletzt massiv zunehmende Gewalt gegenüber Juden und jüdischen Einrichtungen.  

Wüste Beschimpfungen und Hakenkreuz-Schmierereien

Als „dreckigen Zionisten“ beschimpften die Teilnehmer einer „Gelbwesten“-Demonstration am vergangenen Wochenende den bekannten jüdisch-französischen Philosophen Alain Finkielkraut. Ein Mann, der Finkielkraut besonders heftig beschimpfte, soll laut Medienberichten inzwischen festgenommen worden sein. In der Nacht auf Dienstag schändeten Kriminelle einen jüdischen Friedhof im Elsass. Unbekannte beschmierten dort Briefkästen mit dem Bild der Holocaust-Überlebenden Simone Veil mit Hakenkreuzen sprühten das Wort „Juden“ an die Fassade eines Bagel-Ladens. 

Laut eines Berichts, den das französische Innenministerium vor wenigen Tagen veröffentlichte,  registrierte die Polizei schon 2018 insgesamt 541 Straftaten mit mutmaßlich antisemitischem Hintergrund. Im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg von fast 75 Prozent. 2017 (311 Fälle) war die Zahl noch um sieben Prozent zurückgegangen.

Frankreichs Parteien wollen die zuletzt wieder aufflammende Gewalt gegen Juden nicht länger dulden. Auf dem Platz der Republik in der Hauptstadt kamen Minister, Abgeordnete, Parteichefs und Ex-Präsidenten zusammen – das französische Volk selbst reagierte auf die Aufrufe seiner Politiker eher zurückhaltend.

Präsident Emmanuel Macron legte am Holocaust-Denkmal in Paris einen Kranz nieder. Das französische Fernsehen zeigte Bilder der Zeremonie. In Frankreich lebt die größte jüdische Gemeinde in Europa - rund eine halbe Million Juden. 

Quellen: "Spiegel Online", "Euronews" 

Video: Proteste gegen Antisemitismus
wlk