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Bangkok-Krise: Granate explodiert am Regierungssitz

In Bangkok wachsen die Spannungen. Bei einer Explosion an dem von Demonstranten blockierten Regierungssitz wurden zahlreiche Menschen verletzt. Wegen der gesperrten Flughäfen sitzen jetzt bereits rund 100.000 Touristen und Geschäftsleute in Thailands Hauptstadt fest.

Bei der Explosion einer Granate an dem seit Wochen von oppositionellen Demonstranten besetzten Regierungssitz in der thailändischen Hauptstadt Bangkok sind in der Nacht zum Sonntag mindestens 34 Menschen verletzt worden. Das teilte ein Sprecher der außerparlamentarischen Oppositionsbewegung PAD mit. In anderen Berichten war von elf Verletzten die Rede. Laut PAD wurde die Granate von außerhalb des Geländes abgefeuert. Auch ein Fotograf der Nachrichtenagentur AP beobachtete, wie etwas von außen in das Gelände hineingeworfen wurde. Die Demonstranten am Sitz des Ministerpräsidenten wurden schon früher mit Sprengsätzen angegriffen.

Am besetzten internationalen Flughafen von Bangkok war die befürchtete Konfrontation zwischen Regierungsgegnern und Polizei am Samstag zunächst ausgeblieben. Beamte versuchten vergeblich, die Zufahrtstraßen zu blockieren, um die Ankunft weiterer Demonstranten zu verhindern. Vor laufenden Fernsehkameras ließen die Protestierer die Luft aus den Reifen von Polizeifahrzeugen. Einige der überwiegend in der Königsfarbe gelb gekleideten Regierungsgegner versuchten, die Polizei zu provozieren, doch winkten die Polizisten ab und zogen sich zurück.

Rund 100.000 Touristen und Geschäftsleute, die bislang nicht ausfliegen konnten, sitzen in Thailand fest. Botschaften mussten sich um hunderte gestrandete Landsleute kümmern, nachdem einigen von ihnen das Geld ausgegangen ist. Zahlreiche ausländische Botschafter drängten bei einer Einladung ins Außenministerium nach Angaben von Teilnehmern auf eine dringende Lösung der Krise. Unternehmer und Handelsverbände beklagten massive Verluste, die ihnen entstehen, weil keine Waren aus- und eingeflogen werden können.

Die regierungsfeindlichen Demonstranten haben den Hauptflughafen seit Dienstagabend lahmgelegt, den Ausweichflughafen seit Donnerstag. Einige Fluggesellschaften begannen, einen Militärstützpunkt 150 Kilometer außerhalb der Hauptstadt Bangkok anzufliegen. Deutsche Reiseveranstalter schickten ihre Gäste in das 800 Kilometer entfernte Phuket, um sie von dort aus auszufliegen. Dorthin leitet auch die Lufthansa ihre Bangkok-Flüge bis auf weiteres um. Eine erste Sondermaschine der TUI-Tochter Arkefly mit etwa 250 Urlaubern aus Bangkok traf am Samstag bereits in Deutschland ein.

"Wir kämpfen bis zum Tod"

Im Fall eines gewaltsamen Eingreifens der Polizei haben die Flughafenbesetzer mit Widerstand gedroht. Die Anhänger der außerparlamentarischen Opposition PAD haben Barrikaden aus Gepäckwagen und Stacheldrahtzäune aufgebaut. Die Zufahrtswege kontrolliert ihre eigene Miliz, die mit Eisenstangen bewaffnet ist. Auf dem seit Mittwoch besetzten Gelände halten sich mehr als 2000 Demonstranten auf, darunter Familien mit Kindern und Rentner.

Den an den Flughäfen von Bangkok verhängten Ausnahmezustand, der jede Ansammlung von mehr als fünf Menschen verbietet, ignorieren die Demonstranten. "Wir kämpfen bis zum Tod", bekräftigte PAD-Gründer Sondhi Limthongkul. Regierungschef Somchai Wongsawat, der zurzeit aus der zweitgrößten Stadt Chiang Mai 600 Kilometer nördlich von Bangkok regiert, bot den Anführern der Proteste Gespräche an. Doch haben diese schon mehrere Angebote ausgeschlagen.

Die PAD will erst aufgeben, wenn die vor allem mit den Stimmen der armen Massen gewählte Regierung zurückgetreten ist. Sie wirft ihr eine Verschwörung vor, um den vor zwei Jahren gestürzten Regierungschef Shinawatra Thaksin zurück an die Macht zu bringen. Somchai ist Thaksins Schwager. Die PAD setzt sich für ein teilweise ernanntes Parlament ein. In Bangkok, wo die PAD bislang die meiste Unterstützung hatte, wurde am Samstag immer mehr Unmut über die Blockadeaktion laut.

DPA/AP / AP / DPA
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