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Bashar al-Assad bei Instagram Ein Despot inszeniert sich im sozialen Netz


Der syrische Machthaber hat sich einen Instagram-Account zugelegt. Der zeigt: Dieser Despot kann Internet. Für Assads Berater ist das kein "Neuland", sie schaffen virtuell den perfekten Präsidenten.
Von Gernot Kramper

Der syrische Bürgerkrieg tobt seit langem in den sozialen Netzwerken. Da ist es kein Wunder, dass sich Syriens Machthaber Bashar al-Assad einen Instagram-Account zugelegt hat. Anders als die im arabischen Frühling untergegangene Despoten agiert Assad geschickt mit den Möglichkeiten des Web 2.0.

Dass ein Machthaber sich von seinen Hoffotografen als leutseliger Landesvater darstellen lässt, ist nichts Besonderes. Warum sollte man überhaupt über den Instagram-Account von Assad berichten? Weil er wichtig ist. Bisher galt es als ausgemachte Sache, dass die sozialen Netzwerke und das Web 2.0 immer auf Seite der Aufständischen und der Masse sind. Bashar al-Assad beweist das Gegenteil: Auch die alten Eliten können diese Instrumente nutzen - wenn sie nur clever genug sind. Und dieser Instagram-Account bringt den Betrachter zum Staunen - er ist ein Wunderwerk der Beeinflussung. Auf einem Blick sieht man das hohe Niveau der Öffentlichkeitsarbeit des Regimes in Damaskus.

Was fällt an dem Auftritt zuerst auf? Assad kann Maß halten. Das können die meisten Diktatoren nicht. Weder gibt es Hassaufrufe gegen die Aufständischen, noch werden triumphierende Regierungssoldaten mit getöteten Gegnern gezeigt. Selbst Triumphgesten findet man kaum. Assads Berater haben erkannt, dass sich die Aufständischen mit ihren bluttriefenden Videos nur geschadet haben. Assad wirkt immer besorgt, nachdenklich. Die erste Botschaft: Assad nimmt den Krieg ernst, aber er hat keine Freude am Blutvergießen.

Botschaft II: Assad ist Zivilist. Uniform trägt er nie, von dem Ordenlametta, dem viele Machthaber huldigen, ist nichts zu sehen. Assad will sich als Präsident und nicht als Warlord darstellen. Für den Westler wirkt nur die perfekte Kleidung des Despoten etwas irritierend. Aber das ist kein Zufall sondern Kalkül. Seine Anhänger erwarten tadellose Anzüge und wären von verschwitzten Hemden und staubbedecktem Jacken erschüttert.

Botschaft III: Assad gibt sich mutig. Auch wenn Assad nicht als Militärstratege posiert, ist er immer mit Soldaten zu sehen. Er grüßt sie und hört ihnen zu. Selbst die Details sitzen: Old-School-Diktatoren haben sich selbst immer als größter Feldheer aller Zeiten feiern lassen. Anders Assad. Er blickt zu seinen Soldaten hinauf und hört den Truppen zu. Zumindest nach Bildlegende zeigt er sich auch in der Nähe umkämpfter Städte.

Botschaft IV: Der Präsident und seine Frau sehen das Elend des Krieges. Keineswegs gibt es nur Jubelbilder. Assad besucht Verwundete im Krankenhaus, seine Gattin Asma al-Assad spricht mit Frauen und Kindern. Ohne die gewohnte große Abendgarderobe, aber perfekt gestylt. Gewissermaßen im Casual-Warday-Look. Beiden sieht man dabei zu, wie sie dem Volk zuhören. Das große Wort führen sie nicht.

Wie es nur eine große Werbekampagne kann, wird hier die Marke "Präsident Assad" aufgebaut. Verwundern kann die Perfektion nicht. Schon vor Beginn des Bürgerkrieges hat Bashar al-Assad Millionen für PR-Agenturen und Berater ausgegeben, um sein Ansehen international aufzupolieren. Laut Angaben der "NY-Times" waren ihm Experten zu Diensten, die zuvor in den Regierungen von Clinton, Bush und Thatcher gearbeitet hätten. Bekanntestes Ergebnis dieser Anstrengungen ist der Artikel "A Rose in the Desert" in der Vogue, in dem Asma al-Assad als Stilikone gefeiert wurde.


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