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Britische Polizei: "Bobby" bekommt Verstärkung

Das Image des "Bobbys" als höflicher Polizist hat sich seit den Anschlägen in London verändert. Neben ihm patrouillieren nun auch schwer bewaffnete Polizisten - vermitteln den Londonern aber eher Angstgefühle denn Sicherheit.

Der englische Polizeibeamte mit Gummiknüppel, in der ganzen Welt als "Bobby" bekannt, gehört zum Stadtbild Londons wie Big Ben oder der Buckingham-Palast. Dieses Image hat sich in den Wochen nach den Londoner Terroranschlägen vom Juli schlagartig verändert. Schwer bewaffnete Polizisten mit kugelsicheren Westen bewachen U-Bahnstationen und vermitteln ein Gefühl der Sicherheit , errinern aber eher an die Angst während der Anschläge. "Mir wird es bei dem Anblick erst recht mulmig", klagt ein 40-jähriger Immobilienmakler.

"Szenen wie aus einem Rambo-Film", war die kritische Überschrift einer englischen Zeitung, als eine Spezialeinheit der Polizei einen Tag nach den fehlgeschlagenen Anschlägen vom 21. Juli den Brasilianer Jean Charles Menezes, den sie fälschlicherweise für einen Selbstmordattentäter hielt, mit sieben Kopfschüssen tötete. "Mein erster Gedanke war, dass so etwas doch eigentlich nur in Amerika passiert", sagt der 24-jährige Student Charles Morris. Und so dachten anscheinend auch einige Amerikaner. "Londoner, lasst eure Bobbys nicht zu Cowboys werden", schrieb ein amerikanischer Zeitungsjournalist nach dem Vorfall in der Tageszeitung "Houston Chronicle".

"Das alles ist nur sehr ungewohnt"

London lebt nach dem jüngsten al Kaida-Video in Angst vor weiteren Anschlägen, und die meisten Londoner zeigen Verständnis für das harte Durchgreifen der Polizei. "Das alles ist nur sehr ungewohnt", sagt ein Rentner an einer U-Bahnstation im vornehmen Stadtteil Knightsbridge. Fernsehbilder von Polizeieinsätzen, in denen schwer bewaffnete Beamte, teils mit schwarzer Gesichtsmaske, halb bekleidete Terrorverdächtige aus einem Haus zerren, seien schockierend.

Die Briten lösen sich nur ungern von ihrem Bild des traditionellen "Bobby", dem Symbol des höflichen, friedfertigen Polizisten. Er hat das Image eines Saubermanns in Uniform, der immer angemessen und cool reagiert. Die Auswahlkriterien für Polizisten waren bis vor etwa 20 Jahren eine stattliche körperliche Größe und eine Ausbildung in den Kampfsportarten - das reichte zur Abschreckung. Ende der neunziger Jahre erreichte die bewaffnete Kriminalität in London einen Rekord, und auch die Polizei rüstete auf.

Die britische Hauptstadt ist so multikulturell wie keine andere, sagt Londons Bürgermeister Ken Livingstone gerne. Auch das Gesicht der Polizei hat sich entsprechend verändert. Der Anteil von Polizeibeamten, die einer Minderheit angehören, soll in den nächsten acht Jahren von derzeit vier Prozent auf 25 Prozent steigen. Vereinzelt sieht man bereits dunkelhäutige Beamte mit Turbanen und Polizistinnen mit Kopftuch. "Trifft auf diese Polizisten die Bezeichnung Bobby noch zu?", spöttelte vor kurzem die englische Boulevardpresse. Für den Spitznamen der englischen Polizei stand der Vorname eines früheren Innenministers Pate: 1829 führte der damalige Minister Robert Peel die "Bobbys" ein.

Ute Dickerscheid/DPA / DPA
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