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Bürgerkrieg in Libyen Rebellen bringen Brega unter Kontrolle


Die Rebellen melden Erfolge im Kampf gegen Gaddafi. Offenbar haben sie drei wichtige Städte unter Kontrolle gebracht, darunter das umkämpfte Brega. Der Diktator soll schon seine Flucht vorbereiten.

Die libyschen Rebellen haben nach eigenen Angaben die lange umkämpfte Stadt Brega vollständig unter Kontrolle. Auch die wichtigen Raffinerieanlagen seien in den Händen der Aufständischen, berichtete der arabische Nachrichtensender al Dschasira am frühen Samstagmorgen aus der Rebellenhochburg Bengasi.

Nach vorliegenden Informationen seien die Soldaten von Machthaber Muammar al Gaddafi offenbar aus dem Stadtzentrum und von den Öl- und Gasanlagen abgezogen, sagte die Al-Dschasira-Korrespondentin Jacky Rowland. Eine unabhängige Bestätigung gab es nicht. In der Rebellenhochburg sei das Ereignis gefeiert worden.

Vor einigen Tagen hatten die Regimegegner Teile von Brega, 240 Kilometer südwestlich von Bengasi, eingenommen. Der Ölhafen und die Raffinerieanlagen befanden sich allerdings noch unter der Kontrolle der Truppen Gaddafis.

Gaddafi-Vertrauter läuft über

Der ehemalige enge Gaddafi-Vertraute, Abdulsalam Dschallud, lief nach Angaben eines oppositionellen Fernsehsenders vom Freitag unterdessen zu den Aufständischen über. Dschallud war früher libyscher Regierungschef und die Nummer zwei des Regimes. Seit Anfang 90er Jahre wurde er wegen Meinungsverschiedenheiten mit Gaddafi im libyschen Machtgefüge jedoch immer weiter zurückgedrängt, bis er sich einige Jahre später aus der Politik zurückzog. Bei der libyschen Bevölkerung ist Dschallud sehr beliebt. Vor ihm hatten sich bereits andere Weggefährten Gaddafis abgesetzt.

Auch Sliten und Sawijah unter Kontrolle der Rebellen

Bereits zuvor hatten die Rebellen zwei weitere militärische Erfolge verkündet. Mit einer Blitzoffensive hätten die Aufständischen Sliten rund 150 Kilometer östlich von Tripolis vollständig unter ihrer Kontrolle gebracht, sagte ein Rebellenvertreter. Den Angaben zufolge leisteten Truppen Gaddafis nur noch vereinzelt Widerstand. Die Rebellen hatten die 200.000-Einwohner-Stadt zuvor wochenlang belagert.

Auch im Westen verzeichneten die Rebellen einen wichtigen Etappensieg. "Sawijah ist befreit", erklärten die Rebellen in der 40 Kilometer westlich von Tripolis gelegenen Hafenstadt. Sie brachten demnach am Morgen das weitläufige Raffineriegelände der Stadt, das die einzige Quelle zur Versorgung der Hauptstadt mit Benzin war, vollständig unter ihre Kontrolle.

Die libyschen Rebellen sind nach ihren jüngsten Erfolgen überzeugt, dass die Tage Gaddafis in Tripolis gezählt sind. Die Medien der Aufständischen berichteten am Freitag, in der Küstenstadt Brega hätten ihre Kämpfer einen General Gaddafis festgenommen. Dank der militärischen Karten, die er bei sich getragen habe, wüssten sie jetzt, wo im östlichen Frontabschnitt Minen verlegt seien.

NBC: Gaddafi plant Flucht nach Tunesien

Gaddafi soll nach Informationen des US-Fernsehsenders NBC erwägen, ins Exil nach Tunesien zu gehen. Offenbar denke Gaddafi, dass ihm das nordafrikanische Nachbarland eine sichere Zuflucht bieten werde, berichtete NBC am Mittwochabend (Ortszeit) unter Berufung auf Beamte der US-Regierung. Zuvor waren Berichte gestreut worden, nach denen Gaddafi nach Südafrika oder in andere Länder fliehen wolle.

Diskussion um deutsche Soldaten

In Deutschland wies Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) Kritik am Einsatz deutscher Soldaten in einem auch für den Libyen-Einsatz zuständigen Stab der NATO zurück. "Der Einsatz deutscher Soldaten in dem NATO-Stab in Italien ist rechtlich einwandfrei", sagte er der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post" vom Samstag.

Zuvor hatte eine Antwort des Verteidigungsministeriums auf eine Anfrage des Grünen-Bundestagsabgeordneten Hans-Christian Ströbele ergeben, dass elf deutsche Soldaten im Rahmen ihrer Tätigkeit in Italien auch im Bereich der Zielauswahl für die Luftangriffe der Allianz in Libyen eingesetzt sind. Politiker der Opposition forderten daraufhin eine Befassung des Bundestags.

kng/AFP/DPA DPA

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