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Prognosen: Wird Donald Trump wiedergewählt? Die vier Szenarien für die US-Wahl 2020

Erst in einem Jahr wählen die Amerikaner ihren neuen Präsidenten, doch schon jetzt blickt die Welt in die USA. Wird Donald Trump abgelöst oder regiert er weitere vier Jahre? Vier mögliche Szenarien des Wahlausgangs 2020.

Donald Trump Wahl 2016

Donald Trump, seine Familie und Helfer feiern den Gewinn der Präsidentschaftswahl 2016

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Die Beliebtheitswerte: mies wie immer. Die Kongresswahlen: verloren. Die letzten Nachwahlen ebenfalls. In wichtigen, aber wackeligen Bundestaaten wie Pennsylvania und Wisconsin wird es eng für die Republikaner und über allem schwebt ein Amtsenthebungsverfahren. Kurzum: Es gibt einiges, das gegen die Wiederwahl von Donald Trump spricht. Aber eigentlich hat bislang immer alles gegen den New Yorker Immobilienmagnaten gesprochen, doch bislang hat er alle Abgesänge auf ihn überlebt. Warum also auch nicht bei der nächsten Präsidentschaftswahl 2020?

Genau ein Jahr vor dem nächsten Urnengang hat der Washingtoner Fachautor und Analyst Nathan Gonzales die vier wahrscheinlichsten Wahlausgänge skizziert – anhand bekannter Daten und dem Blick in die Vergangenheit. Ergebnis: Sowohl die Abwahl als auch der Erhalt des Status Quo sind ähnlich wahrscheinlich – allerdings mit Vorteil Trump.

Viele der Teenager bei dieser Veranstaltung in Ohio sind sich schon sicher, wen sie 2020 wählen werden: Donald Trump.

Die Szenarien für die US-Wahl 2020 im Einzelnen:

Demokraten gewinnen sowohl beide Kongresskammern als auch die Präsidentschaft. Seit dem Jahr 1900 hat es diesen Fall gegeben, wenngleich selten. Auch diesmal müsse dafür einiges passieren. Dass es den Demokraten gelingt, ihre Anhänger im großen Stil zu mobilisieren, dürfte dabei das geringste Problem sein. "Trump befeuert die Einheit und Energie von Anhängern und Mitgliedern der Demokratischen Partei", schreibt Gonzales.

Als wahlentscheidend würde in diesem Fall ausgerechnet die boomende Wirtschaft werden, die üblicherweise dem amtierenden Präsidenten angerechnet wird. Denn in den Ecken der Vereinigten Staaten, die vom Aufschwung vergessen wurden, verkehre sich der "Trump-Effekt" ins Gegenteil, so der Journalist. In diesem Fall könnten, wie bei den Zwischenwahlen 2018, die 'parteilosen' Wähler gegen Trump revoltieren und für die jetzige Opposition stimmen".

Das schwebende Amtsenthebungsverfahren dagegen wirkt sich nach Ansicht von Nathan Gonzales nur wenig auf die Wahlentscheidung aus. "Das bedeutet, die Partei muss einerseits die Untersuchung effektiv vorantreiben, darf aber andererseits andere Themen wie Gesundheitsversorgung und Gehältergerechtigkeit nicht vergessen."

Demokraten behalten Mehrheit im Repräsentantenhaus, aber stellen den Präsidenten. Dass die Verhältnisse im Kongress so bleiben, wie sie sind, und nur die Präsidentschaft wechselt, hat es in den vergangenen Jahrzehnten nie gegeben. Ein Grund liegt in der Wahlarithmetik. Im Senat, wo die Republikaner die Mehrheit haben, sitzen die Vertreter der Bundesstaaten. Und US-Präsident wird nur, wer die Mehrzahl der Stimmen in den einzelnen Bundesstaaten erreicht. Das heißt, dieses Szenario würde nur eintreten, wenn die US-Bürger ihre Stimmen splitteten: Also für die Präsidentschaft demokratisch und für den Senat republikanisch wählen würden.

Nathan Gonzales weist aber darauf hin, dass es bei der kommenden Wahl einige Besonderheiten geben wird. So finden bei der Senatswahl die zehn umkämpften Duelle in Staaten statt, die Donald Trump 2016 für sich entscheiden konnte. Anders gesagt: Obwohl noch nie ein amtierender US-Präsident mit Trumps Beliebtheitswerten (weniger als 48 Prozent) wiedergewählt wurde, könnte seine Partei einige Senatssitze verteidigen, gleichzeitig aber das Rennen ums Weiße Haus verlieren.

Republikaner erobern alles zurück – beide Kongresskammern und das Weiße Haus. Ein Szenario, das es so noch nicht gegeben hat und "nur dann eintritt, wenn für die Demokraten alles falsch läuft, was falsch laufen kann", so Gonzales. Als Beispiele führt er auf: Die Opposition nominiert einen Präsidentschaftskandidaten, der als zu extrem befunden wird, das Amtsenthebungsverfahren rüttelt die Republikaner wach und schreckt unabhängige Wähler ab. Für diesen unwahrscheinlichsten aller wahrscheinlichsten Wahlausgänge müssten die Republikaner zudem im Repräsentantenhaus mehr als 20 Sitze zurückerobern, was es in vergleichbaren Ausgangslagen seit den 1950er Jahren nicht mehr gegeben habe, so Gonzales.

Die Republikaner behalten das Weiße Haus und die Mehrheit im Senat. Sprich, alles bleibt wie es ist – das Szenario das in der Vergangenheit in 17 von 30 Fällen vorgekommen ist. "Rund sechs Milliarden Dollar für Werbung, TV-Clips und Wahlhelfern könnte der aktuellen Regierung helfen, auch nach der Abstimmung 2020 im Amt zu bleiben", schreibt Autor Gonzales. Trump wiederholt einfach seinen Sieg von 2016. Die Demokraten würden zwar in einigen städtischen Gebieten gewinnen, aber für die Mehrheit der Wahlleute, also die Präsidentschaft reiche das nicht.

Auch in diesem Fall würde das Impeachment-Verfahren die Republikaner eher wachrütteln als lähmen. Zudem könnte die Nominierung der linken Demokratin Elizabeth Warren Trump dabei helfen, einen "Kampf der Ideologien" heraufzubeschwören. Sollte der Präsident zudem auf Anti-Einwanderungsrhetorik verzichten und die Konzentration auf seine wirtschaftlichen Erfolge lenken, dann könnte er es schaffen, selbst als historisch unbeliebtester Amtsinhaber wiedergewählt zu werden, glaubt Gonzales. 

Quellen: "New York Times", "RollCall.com", Fivethirtyeight, RealClearPolitics, Nathan Gonzales auf Twitter